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Geduldige Jäger am Wasser

Die Reiher sind meist als ruhige Schreitvögel unterwegs, wenn sie nach Fischen oder anderen kleinen Beutetieren suchen. Manche locken ihre Beute aber auch mit ausgefeilter Taktik an.

Vor über hundert Jahren hiess er noch Fischreiher und wurde erbittert gejagt, wo immer man ihn sehen konnte. Wie andere Beutegreifer wurde er für seine angebliche Gier verurteilt. Eine Namensänderung schien notwendig, um die Vorurteile zu entkräften, sodass er heute eben als Graureiher bekannt ist. 

Der zuvor so scheue und seltene Vogel ist nun längst ein vertrauter Anblick auf Feldern und Wiesen geworden. Selbst in der Nähe von Siedlungen kommt er verbreitet vor, sodass man kaum glauben könnte, dass er einst fast aus der Schweiz verschwunden wäre. Tatsächlich verzehrt dieser ruhige Schreitvogel auch Fische, wie es charakteristisch ist für die Reiher, doch seine Ernährung ist weit vielfältiger. Auf den Wiesen, vorzugsweise in Wassernähe, sucht er häufig nach Mäusen und anderen Kleintieren wie Fröschen oder grösseren Insekten. Dabei schreitet er mit gestrecktem Hals umher oder wartet, wenn der Hunger nicht zu gross ist, auch einmal auf zufällig vorbeikommende Beute. Wenn der Graureiher etwas entdeckt hat, neigt er sich langsam vor und nimmt das Kleintier ins Visier, bevor er blitzschnell mit dem Schnabel zustösst. 

Aus ganz anderem Grund wurden früher die schneeweissen Silberreiher und Seidenreiher verfolgt. Wie einige andere weisse Reiherarten tragen sie im Prachtkleid hübsche, fein zerschlissene Schmuckfedern. Diese waren als «Aigrettes» bekannt und im 19. Jahrhundert äusserst begehrt als Zier in der Damenmode. Zum Glück haben die Nachstellungen für den Federhandel ein Ende gefunden, bevor die beiden Reiherarten gänzlich ausgerottet wurden. 

Silberreiher
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Heute haben sich ihre Bestände erholt, sodass sie international betrachtet nicht mehr als gefährdet gelten müssen. In der Schweiz lassen sich die Silberreiher recht selten, aber doch regelmässig beobachten – vor allem als Wintergäste oder als Durchzügler während des Herbstzuges. Der zierliche, deutlich kleinere Seidenreiher fliegt dagegen vor allem im Frühling und Sommer in unser Land ein. Grössere Vorkommen dieser schönen Vögel finden sich in Mitteleuropa vor allem in Ungarn. 

Scheue Rohr- und Zwergdommeln

Zu den einheimischen Reihern zählen auch die Rohrdommeln und die nur gerade hähergrossen Zwergdommeln, die Schilf und Röhricht bewohnen. Beide Arten sind sehr scheu und tragen ein mehrheitlich braunes Gefieder, das sie zwischen den Schilfhalmen bestens tarnt. Vor allem die Zwergdommeln, die sich in kleiner Zahl als Sommergäste in der Schweiz niederlassen, sind kaum je zu sehen. Sie sind in Mitteleuropa selten geworden und gefährdet, da ihre Lebensräume am Wasser schwinden oder Störungen ausgesetzt sind. 

Am ehesten wahrzunehmen sind hierzulande die dumpfen, tiefen, weithin hörbaren Balzrufe der männlichen Rohrdommeln im Frühjahr, die diesem Vogel früher manche kuriosen Namen wie «Moorochse», «Mooskuh» oder «Erdbulle» eingebracht haben. Wenn sie sich bedroht sehen, nehmen Rohrdommeln und Zwergdommeln eine typische Pfahlstellung ein, wobei ihr Schnabel steil nach oben gerichtet ist. Dabei können die Vögel mit den seitlich gelegenen Augen nach vorne schauen und beobachten, was vor sich geht. Auch junge Rohrdommeln machen sich bereits auf diese Art im Dickicht der Schilfhalme unsichtbar. Sie verlassen das Nest, das vom Weibchen knapp über dem Wasserspiegel gebaut wird, oft schon früh und werden dann in der Nähe weiter gefüttert. 

Die Vielfalt von Reihern ist recht gross, wobei besonders viele Arten in tropischen Gebieten leben. Weltweit kommen Arten vor, darunter ungewöhnliche wie der mittelamerikanische Kahnschnabel, der einen breiten, mehr zum Schöpfen als zum Stochern geeigneten Schnabel trägt. Der Agami-Reiher aus Südamerika ist mit seinem wunderschön gefärbten Gefieder eine beeindruckende Erscheinung. Leider ist er auch gefährdet. 

Jagen mit Ködern

Andere Reiher überraschen durch ihr raffiniertes Vorgehen beim Fischen. Der in Mittelamerika und in der Karibik vorkommende Grünreiher wurde in einem Park beobachtet, wie er ein Stück Brot auf der Wasseroberfläche platzierte und dann aufmerksam wartete. Plötzlich folgte ein blitzschneller Schnabelhieb in Richtung des Brotes, und der Reiher hielt einen Fisch im Schnabel. Zahlreiche Videos auf dem Internet belegen ähnliche Vorkommnisse, die von begeisterten Zuschauern dokumentiert worden sind. Auch der nah verwandte, in der südlichen Hemisphäre verbreitete Mangrovereiher ist bekannt dafür, dass er oft mit solchen Ködern Fische anlockt und erlegt. Und sogar der Nachtreiher, eine hierzulande ebenfalls vorkommende Art, wurde schon dabei gefilmt. 


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