«Wir und der Krieg»

Die neue Ausstellung im Landesmuseum Zürich zeigt, wie Konflikte seit Jahrhunderten das Selbstverständnis, die Politik und den Alltag der Schweiz beeinflussen – mehr, als wir denken.

Kriege erscheinen uns oft als ferne Ereignisse. Doch Rütlischwur, Bauernkrieg (1635), Sonderbundskrieg (1847) und die Bedrohung während des Zweiten Weltkriegs prägen unsere Geschichte und Gegenwart ebenso wie die Bilder, die uns derzeit aus der Ukraine, dem Nahen Osten und weiteren Weltregionen erreichen. Sie alle machen deutlich, wie bewaffnete Konflikte unsere politischen Debatten, gesellschaftlichen Werte und persönlichen Wahrnehmungen beeinflussen.

1914 kehren Tausende italienische Arbeiterinnen und Arbeiter durch die Schweiz in ihrer Heimat zurück. Rotes Kreuz und Armee betreuen die Wartenden. August Gansser, Refugianten aus dem Elsass, Basel, 1914. Schweizerisches Nationalmuseum
Auf dem Rückweg in ihre Heimat durchquerten 1914 innerhalb weniger Tage Tausende von italienischen Arbeitskräften, die aus Frankreich und Deutschland ausgewiesen worden waren, die Schweiz. Das Rote Kreuz und Armee betreuen die Wartenden. August Gansser, Refugianten aus dem Elsass, Basel, 1914 © Schweizerisches Nationalmuseum

Kriege sind nicht nur militärische Ereignisse, sondern wirken sich auch auf Alltag, Kultur und Politik aus. Sie lösen identitätsstiftende Prozesse aus, verschieben wirtschaftliche Abhängigkeiten und verstärken soziale Spannungen. Mythen wie jene von Wilhelm Tell oder Arnold von Winkelried stehen für Freiheit und Einigkeit der Schweiz. Der Einsatz von Schweizer Söldnern in fremden Händeln und später die Rüstungsindustrie führen zu wirtschaftlichen Verflechtungen. Konflikte beeinflussen auch die Migration und verändern die Geschlechterrollen. Sie lösen Protestbewegungen aus wie auch humanitäres Engagement und Friedenspolitik.

Bis in die 1960er-Jahre bleibt die Turnbewegung stark militärisch und patriotisch geprägt. Turnen gilt als moderne Form eidgenössischer Kriegstugenden. Eidgenössisches Turnfest, Basel, 1959

© Schweizerisches Nationalmuseum / ASL
Bis in die 1960er-Jahre bleibt die Turnbewegung stark militärisch und patriotisch geprägt. Turnen gilt als moderne Form eidgenössischer Kriegstugenden. Eidgenössisches Turnfest, Basel, 1959 © Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Erst 1917 führt die Schweizer Armee Gasmasken für Grenztruppen ein. 1937 beginnt die Schweiz, Zivilgasmasken herzustellen. Gasmaske für Luftschutz und Zivilbevölkerung, 1939–1945
Erst 1917 führt die Schweizer Armee Gasmasken für Grenztruppen ein. 1937 beginnt die Schweiz, Zivilgasmasken herzustellen. © Schweizerisches Landesmuseum

Nachdenken über die Neutralität

Die neue Ausstellung «Wir und der Krieg» im Landesmuseum Zürich zeigt anhand von zahlreichen historischen Objekten, Videoinstallationen, Geschichten und Aussagen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, wie eng Krieg, Gesellschaft und Politik miteinander verflochten sind. Auch die Neutralität ist ein Thema: Ein interaktiver «Neutralitätskompass» begleitet auf dem Rundgang und lädt ein, sich über die eigene Einstellung zur Bedeutung der Neutralität Gedanken zu machen.

Den Abschluss der Ausstellung bildet die Videoinstallation «Repeat after Me», in der ukrainische Geflüchtete die Geräusche von Schüssen, Artillerie und Sirenen nachahmen. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, diese Klänge nachzusprechen – als eindringliche Erinnerung daran, dass Krieg nicht nur Geschichte ist, sondern auch heute Erfahrungen prägt und Menschen bewegt.

«Wir und der Krieg»: 17. April 2026 bis 17. Januar 2027, Landesmuseum Zürich.
Führungen für Seniorinnen und Senioren am Donnerstag, 30. April, 4. Juni und 16. Juli von 14 bis 15:15 Uhr. Öffentliche Führungen jeweils am Samstag und Donnerstag.


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Beitrag vom 17.04.2026

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