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Alltägliche Fitness für den Kopf

Was tun Sie, um Ihre grauen Zellen fit zu halten? Die Antwort vieler Menschen lautet: Kreuzworträtsel oder Sudokus lösen. Doch wie effektiv sind solche Übungen für die Gehirnfitness wirklich?

Gedächtnisübungen und Knobelaufgaben sind zwar eine besondere Herausforderung für unsere grauen Zellen, doch wird das Gehirn dabei relativ einseitig in einer bestimmten Fähigkeit gefördert. So begünstigen etwa Kreuzworträtsel verbale Fähigkeiten und das Allgemeinwissen (kristalline Intelligenz). Ein wirklich wirksames Gehirntraining ist jedoch vielseitig und fordert das Gehirn ganzheitlich heraus. Es findet darum auch nicht nur am Schreibtisch oder Computer statt, sondern mitten im Alltag, in unserem Lebensstil.

Welche Komponenten sollten in einem aktiven neuroprotektiven Lebensstil nicht fehlen? Die Forschung empfiehlt regelmässige Bewegung und Koordination, soziale Kontakte, kognitive Stimulation, ausgewogene und hirngerechte Ernährung, genügend Schlaf, Kreativität, Humor und Achtsamkeit. Gute Demenzprävention heisst somit einerseits, den Alltag neuroprotektiv zu gestalten, indem man sich viel bewegt, gesund isst, ausreichend schläft und andere Leute trifft. Andererseits gilt es, kognitiv stimulierende Übungen in den Alltag zu integrieren. Solche Übungen, ich nenne sie gerne «Gehirnsnack», führt man am besten in Verknüpfung mit alltäglichen Aktivitäten durch. Dies hat den Vorteil, dass man sie regelmässiger und häufiger durchführt und sie zu neuen Gewohnheiten werden. Hier ein paar Beispiele.

  • Beim Zeitunglesen: Zählen Sie, wie oft der Buchstabe «a» im Text vorkommt, und lesen Sie einen Artikel auf dem Kopf.
  • Beim Spazieren: Halten Sie an, schliessen Sie die Augen und hören Sie bewusst allen Naturgeräuschen zu. Oder laufen Sie barfuss über eine Wiese.
  • Beim Kochen: Buchstabieren Sie «Spaghetti» rückwärts, und stehen Sie beim Rühren auf einem Bein. Lösen Sie beim Karottenschälen selbstgestellte Kopfrechenaufgaben.
  • Beim Fernsehen: Machen Sie Fingerübungen.
  • Beim Einkaufen: Merken Sie sich Ihre Einkaufslisten mit verschiedenen lustigen Geschichten.

Solche kreativen Gedächtnisstrategien stimulieren das Gedächtnis, können die Merkleistung verbessern und machen Spass. Wenn Sie beispielsweise Spaghetti, Zwiebeln und Joghurt einkaufen möchten, stellen Sie sich folgende Geschichte vor: Sie werden am Eingang der Migros von einem Spaghetti-Mann empfangen, der Sie mit Zwiebelringen fesseln will. Um ihm zu entkommen, springen Sie kopfüber in einen riesigen Joghurtbecher.

Das Fitnesscenter unseres Gehirns ist somit unser Alltag. Achten Sie darauf, dass Sie sich in regelmässigen Abständen neue kognitive und körperliche Herausforderungen suchen, auch wenn das erst Mal anstrengend und unnötig erscheint. Offenheit für Neues und die Freude an Herausforderungen zahlen sich aus. Dank der grossen Veränderungsfähigkeit des Gehirns haben Sie viele Möglichkeiten, Ihre eigene Hirnfitness zu erhalten und in Eigenregie zu fördern. Und wenn Sie das nächste Mal gefragt werden, was Sie für Ihre Gehirnfitness tun, dann können Sie statt «Kreuzworträtsel & Co. lösen» auch einfach antworten «schlafen, laufen und lachen».

Beitrag vom 07.03.2022
Barbara Studer

Dr. phil. Neuropsychologin und Dozentin an der Uni Bern und Geschäftsführerin der hirncoach GmbH, hirncoach.ch

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