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Betreuungsentschädigung für Eltern

Eine Bekannte ist pensioniert und übernimmt an einem Tag pro Woche die Betreuung des Enkelkindes. Dieses ist vor einigen Wochen leider verunfallt und muss nun intensiver betreut werden. Ihr Sohn hat sie deshalb angefragt, ob sie vermehrt einspringen könnte. Nun ist meine Bekannte hin- und hergerissen, weil sie ihre Freizeit eigentlich mit anderen Aktivitäten geplant hat, jedoch auch die Situation der Eltern versteht. Gibt es für einen solchen Fall in unserem Sozialversicherungssystem noch immer keine Lösung?

Tatsächlich gibt es eine Lösung oder zumindest einen Ansatz, der einen Teil des Problems löst. Dies jedoch erst seit dem 1. Juli 2021, und zwar in Form einer neuen Leistung, der sogenannten Betreuungsentschädigung. Weil diese Leistung erst seit Kurzem existiert, ist sie noch wenig bekannt.

Die Betreuungsentschädigung dient dazu, dass sich Eltern von schwer erkrankten oder verunfallten Kindern auf deren Genesung konzentrieren und deren Betreuung umfassender gewährleisten können. Die Leistung wird als Betreuungsurlaub ausgerichtet und funktioniert so, dass während des maximal 14-wöchigen Betreuungsurlaubs der Lohnausfall dem Arbeitgeber entschädigt wird.

Betreuungsurlaub dauert maximal 14 Wochen

Der Betreuungsurlaub, also die Zeit, in der die Eltern nicht in ihren Jobs arbeiten können und dafür die Betreuung übernehmen, dauert im Maximum 14 Wochen und kann innerhalb von 18 Monaten bezogen werden. Dabei steht es den Eltern, idealerweise in Absprache mit dem Arbeitgeber, frei, ob sie diese tageweise oder wochenweise beziehen möchten. Zudem können die Eltern den Betreuungsurlaub untereinander frei aufteilen. Es wird somit die Möglichkeit geboten, mehrere Wochen zusätzlich Urlaub zu beziehen, ohne die eigentlichen Ferientage dafür verwenden zu müssen. Auch darf der Anspruch auf die restlichen Ferien nicht gekürzt werden. Wichtig zu wissen ist ebenfalls, dass während sechs Monaten ein Kündigungsschutz gilt. Mit der Entschädigung erhält der Arbeitgeber die gleiche Entschädigung, wie wenn eine Mitarbeiterin beispielsweise in den Mutterschaftsurlaub geht. Sie beträgt 80 % des AHV-pflichtigen Lohns, im Maximum CHF 196.– pro Tag.

Um im konkreten Fall zu klären, ob es sich um eine schwere Erkrankung oder einen Unfall handelt, ist es ratsam, dies mit einem Arzt oder einer Ärztin zu besprechen. Diese bescheinigen mit einem offiziellen Attest die Schwere der Beeinträchtigung, was in der entsprechenden Anmeldung so vorgesehen ist. Danach kann die Formalität mit den jeweiligen Arbeitgebern der Eltern geklärt werden. Hier ist eine gute Koordination aller Beteiligten hilfreich, um eine rasche und unkomplizierte Abwicklung zu unterstützen, zumal dies für die Eltern aktuell eine eher untergeordnete Rolle spielen dürfte.

Bei Unklarheiten stehen den Arbeitgebern wie auch den Eltern die jeweils zuständige Ausgleichskasse für eine situative Beratung zur Verfügung. 

Weitere Antworten zu AHV-Fragen finden Sie hier.

Beitrag vom 07.03.2022
Fiona Renggli

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