© pixabay

Wenn die Igel wach werden

In den Frühlings- und Sommermonaten erwachen die Igel aus ihrem Winterschlaf und beleben unsere Gärten und Wiesen. Als geschützte Wildtiere gehören sie nicht in die menschliche Obhut. Wer aber tagsüber einen Igel antrifft, sollte aufmerksam sein, denn dieses Tier braucht allenfalls professionelle Hilfe, um zu überleben.

Igel machen zur Überbrückung der nahrungsarmen Monate in der Regel einen Winterschlaf.Hierfür suchen sie sich naturnahe Gärten mit trockenen Unterschlupfmöglichkeiten wie Ast-, Laub- oder Komposthaufen. Dank ihrer auf ein Minimum herabgesetzten Körperfunktionen und dem als Energiespeicher angefressenen Fettpolster können die Tiere damit bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen.

Bei warmer Witterung kann es sein, dass Igel bis in den November hinein aktiv sind und ihre Nahrung in der freien Natur sehr gut allein finden. Werden sie während dieser Zeit von Menschen ernährt, besteht die Gefahr, dass sie überfüttert werden und deshalb nicht in den Winterschlaf fallen. Zudem ziehen Futterstellen andere Tiere, insbesondere Hunde, Katzen und Füchse an und können so zu Übertragungsherden für Krankheiten werden. Wer einen Igel im Garten findet, sollte deshalb davon absehen, diesem in seinem Haus oder seiner Wohnung Unterschlupf zu gewähren ,auch wenn es sich um ein gut gemeintes Vorhaben handelt. Igel sind an das Leben in der Natur angepasste Wildtiere, die nicht in Menschenhand gehören.

Igel dürfen nicht als Heimtiere gehalten werden

Igel dürfen aus Artenschutzgründen nicht einfach mit nach Hause genommen werden. Weil die Tiere geschützt sind, ist ihre Haltung als Heimtiere verboten.Ausnahmebewilligungen werden von den zuständigen kantonalen Behörden nur für Forschungs- oder Lehrzwecke, nicht jedoch für private Igelhaltungen erteilt. Nur ausnahmsweise darf ein Jungigel gefüttert, nicht aber mit nach Hause genommen werden. Etwa, wenn er im noch gefrorenen Spätwinterboden zu früh wieder aus seinem Winterschlaf erwacht und weniger als die lebensnotwendigen 500 Gramm auf die Waage bringt. Dasselbe gilt für Tiere, die im Spätherbst gefunden werden. Auf keinen Fall sollte man Igel mit Milch füttern, weil dies Durchfall, Darmentzündungen oder tödliche Infektionen verursachen kann. Am besten geeignet ist feuchtes oder aufgeweichtes Katzen- oder aber spezielles Igelfutter.

Igel in Not brauchen professionelle Hilfe

Igel sind in der Regel nachts unterwegs. Wer tagsüber einen Igel im Garten findet, sollte sich das Tier genau anschauen. Ein Igel benötigt menschliche Hilfe, wenn er beispielsweise verletzt ist, sich nicht einkugelt, ein apathisches Verhalten zeigt oder von vielen Zecken, Fliegen oder Maden befallen ist. Das Tier sollte aber nicht einfach eingesammelt und mit nach Hause genommen werden. Statt den Igel selbst aufzupäppeln zu versuchen, sollte umgehend eine Fachperson (z.B. der «Verein pro Igel Schweiz») kontaktiert werden. Das Tier sollte anschliessend – sofern nötig – in eine spezielle Pflegestation gebracht werden, wo es fachgerecht versorgt werden kann.

Stiftung für das Tier im Recht (TIR) – Rat von den Experten: 

Haben Sie Fragen rund um das Tier im Recht? Kontaktieren Sie uns unter info@tierimrecht.org oder unter der Telefonnummer 043 443 06 43. Weitere Informationen finden Sie unter www.tierimrecht.org

Christine Künzli

MLaw, stv. Geschäftsleiterin und Rechtsanwältin Stiftung für das Tier im Recht (TIR)

Das könnte sie auch interessieren

Tiere

Überfütterung – falsch verstandene Tierliebe

Heimtiere, insbesondre Hunde und Katzen, geniessen in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Lesen Sie hier, weshalb man sich bei der Ernährung seiner Lieblinge aber zurückhalten sollte.

Tiere

Fahrerflucht ist strafbar!

Jedes Jahr werden auf Schweizer Strassen viele Rehe, Dachse & Co. bei Verkehrsunfällen getötet. Wer ein Tier an- oder überfährt, hat verschiedene rechtliche Pflichten zu beachten, selbst wenn einen keine Schuld trifft.

Tiere

Geduldige Jäger am Wasser

Die Reiher sind meist als ruhige Schreitvögel unterwegs, wenn sie nach Fischen oder anderen kleinen Beutetieren suchen. Manche locken ihre Beute aber auch mit ausgefeilter Taktik an.

Tiere

Schadenersatz bei Tieren

Seit 2003 sind Tiere rechtlich gesehen keine Sachen mehr, sondern ganz einfach Tiere. Die Änderung hat Auswirkungen auf verschiedene Rechtsbereiche und betrifft etwa auch die Berechnung von Schadenersatzansprüchen.