Vor zehn, zwanzig, fünfzig oder über hundert Jahren …

Ob längst vergangen oder noch frisch im Gedächtnis: Diese Unfälle, Verbrechen und Katastrophen bewegten die Schweiz und die Welt. Geschockt sassen die Menschen vor der Zeitung, dem Radio und den Fernsehschirmen und trauerten mit den Betroffenen. Filme und Dokumentationen erinnern an die grossen Unglücke und lassen uns die Verstorbenen nicht vergessen.

Vor 10 Jahren am 13. Januar 2012:
Untergang der «Costa Concordia»

Untergang der Costa Concordia.
© wiki commons

Viele der 3200 Passagiere des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia sassen beim Nachtessen, als das Schiff am 13. Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio mit einem Felsen kollidierte. Erst einige Stunden zuvor hatte die Costa Concordia ihre Mittelmeer-Kreuzfahrt begonnen, als es um 21:45 Uhr zum Unfall kam. Bereits nach wenigen Minuten waren die Maschinenräume geflutet und das Schiff manövrierunfähig. Der Strom fiel aus, das Schiff lief auf Grund und kippte. Etwa 200 Passagiere retteten sich schwimmend im 14 Grad kalten Wasser auf die nahe Insel.

Der Kapitän und die meisten Offiziere verliessen das Schiff, als sich noch mehrere hundert Personen an Bord befanden. Das Gericht verurteilte sie später zu mehrjährigen Haftstrafen. Die Rettungsaktion kam für 32 Menschen zu spät. Glücklicherweise trieb der Wind das Wrack auf die Küste zu, was eine grössere Opferzahl verhinderte. Untersuchungen zeigten, dass Kreuzfahrtschiffe nicht selten waghalsige Routen entlang von Inseln wählten, was als attraktiv für die Touristen geduldet wurde.

Vor 110 Jahren am 14. April 1912:
Untergang der «Titanic»

Hundert Jahre vor der Costa Concordia kamen beim Untergang der Titanic in der Nähe von Neufundland 1503 Menschen ums Leben. Das damals grösste Schiff der Welt sollte neue Maßstäbe im Reisekomfort setzen und galt als unsinkbar. Am vierten Tag ihrer Jungfernfahrt kollidierte die Titanic um 23:40 Uhr südöstlich von Neufundland mit einem Eisberg und sank zwei Stunden und vierzig Minuten später.

1514 der über 2200 Menschen an Bord kamen ums Leben, hauptsächlich wegen der ungenügenden Zahl der Rettungsboote und der untrainierten Besatzung. Viele Passagiere bestiegen lange Zeit kein Rettungsboot, da sie sich an Bord der stabil wirkenden Titanic sicherer glaubten. Zudem verbreitete das Bordorchester wie vom Kapitän angeordnet gute Stimmung an Deck, um Panik zu vermeiden.

Gemäss der Devise «Frauen und Kinder» zuerst wurden 74 Prozent der Frauen und 52 Prozent der Kinder gerettet, aber nur 20 Prozent der Männer. Kapitän Edward John Smith ging mit seinem Schiff unter. Die wohl berühmteste Schiffskatastrophe der Geschichte führte zu zahlreichen Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit auf See.

Vor 30 Jahren am 23. Mai 1992:
Attentat auf Giovanni Falcone

Anfang der 1980er Jahre bauten der Jurist und Richter Giovanni Falcone und seine Mitstreiter/innen in Palermo eine Sonderkommission zur Bekämpfung der Mafia auf. Alle Beteiligten standen unter ständigem Polizeischutz, da die Organisation immer wieder Anschläge auf die Ermittler verübte. 1986 kam es unter Falcones Leitung zum so genannten Maxi-Prozess gegen rund 400 Mitglieder der Mafia. Verhandlungsort war ein eigens im Innern des Gefängnisses von Palermo errichtetes Bunkergebäude, das selbst einem Raketenbeschuss standgehalten hätte. 500 Sicherheitskräfte und sogar ein Panzer sicherten den Prozess, der Luftraum wurde überwacht.

Falcone arbeitete unterdessen im Justizministerium, als am 23. Mai eine in einem Drainage-Rohr unter der Autobahn angebrachte Bombe ihn, seine Frau und drei Leibwächter tötete. Das Attentat stürzte Italien in eine schwere Krise – auch weil Falcones streng geheime Ankunft am Flughafen Palermo wohl von Mitarbeitenden im innersten Kreis der Staatsmacht verraten worden war.

Vor 35 Jahren am 28. Mai 1987:
Mathias Rust fliegt auf den roten Platz

Mit einer Cessna eines Hamburger Luftsportvereins flog der knapp 19-jährige Deutsche über Island, Norwegen und Finnland über die sowjetische Grenze nach Moskau. Sowjetische Kampfflugzeuge begleiteten die kleine Maschine, die kurz nach 18 Uhr mehrere Runden über dem Roten Platz und dem Kreml drehte und schliesslich auf einem nahen Parkplatz landete. Mathias Rust gab nach dem Aussteigen Autogramme und wurde festgenommen. Er gab an, seinen Flug für den Weltfrieden, die Verständigung zwischen den Völkern und aus Spass unternommen zu haben.

Rusts Landung löste internationale Aufmerksamkeit aus und hatte auch in der Sowjetunion Konsequenzen. Staatschef Michail Gorbatschow schickte den Verteidigungsminister sowie den Chef der Luftverteidigung «auf eigenen Wunsch in den wohlverdienten frühzeitigen Ruhestand» und entliess über 300 perestroika- und glasnostfeindlich eingestellte Generäle. Der KGB verhörte Mathias Rust und das Gericht verurteilte ihn zu vier Jahren Arbeitslager. Das Verhältnis zu seinen Bewachern beschrieb er als herzlich. Nach seiner vorzeitigen Entlassung kehrte er nach Deutschland zurück, wurde verschiedentlich straffällig und schlug sich als Pokerspieler, Finanzanalyst und Yogalehrer durch.

Vor 50 Jahren am 17. Juni 1972:
Anfang der Watergate-Affäre

© The Nixon Library/ wiki commons

In der Nacht zum 17. Juni verhaftete die vom Wachmann Frank Wills verständigte Polizei fünf Männer bei einem Einbruch im Watergate-Gebäude in Washington, wo sich das Hauptquartier der Demokratischen Partei befand. Die Einbrecher hatten offenbar im Auftrag der Republikanischen Partei Abhörwanzen montiert. Das gesammelte Material sollte bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen im November 1972 gegen die Demokraten verwendet werden.

Der amtierende Präsident Richard Nixon wurde im Amt bestätigt. Doch das FBI und Journalisten der «Washington Post» deckten auf, dass die Auftraggeber des Einbruchs im engsten Umfeld des Präsidenten sassen. Auch weitere Amtsmissbräuche und Verbrechen zulasten der politischen Gegner kamen ans Licht. Präsident Nixon weigerte sich, die Vorkommnisse aufzuklären. Schliesslich leitete das Repräsentantenhaus ein Verfahren zur Amtsenthebung (Impeachment) ein. Nixon trat am 9. August 1973 zurück – der erste Rücktritt eines amerikanischen Präsidenten überhaupt.

Die Watergate-Affäre gilt als Triumph der Pressefreiheit. Die Washington-Post-Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein erhielten 1973 für ihre Berichterstattung den Pulitzer Preis. Sie hatten schon früh eine bis ins Weisse Haus reichende Verschwörung vermutet, gestützt auf ihren unter dem Decknamen «Deep Throat» in die Pressegeschichte eingegangen Hauptinformanten. Die Kontrolle des Staates durch die «Vierte Gewalt» der Medien gilt als beispielhafter investigativer Journalismus und ermutigt bis heute Reporter/innen, Machtmissbräuche in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anzuprangern.

Vor 50 Jahren am 21. Juli 1972:
«Bloody Friday» in Irland

1972 war das blutigste Jahr im Nordirland-Konflikt zwischen katholischen und reformierten Iren. 1921 hatte Irland die Unabhängigkeit von Grossbritannien erlangt, zuerst als Freistaat und 1948 als Republik. Sechs protestantisch dominierte Grafschaften im Norden der Insel verblieben bei Grossbritannien. Diese reichere, industriell geprägte Gegend trug mit der katholischen, ländlich geprägten und ärmeren irischen Republik einen Machtkampf aus. Die protestantische Ulster Volunteer Force UVF bekämpfte einen Zusammenschluss Nordirlands mit Irland, die Irische Republikanische Armee IRA kämpfte dafür.

Beide Gruppen verübten ab 1969 schwere Anschläge. Es kam zu Strassenschlachten, Strassenzüge wurden niedergebrannt, Menschen vertrieben, protestantische und katholische Ghettos entstanden. Schliesslich griff die britische Armee hart durch. Am 30. Januar 1972 erschossen britische Soldaten am «Bloody Sunday» bei einer Demonstration in Derry 14 unbewaffnete Menschen. Die IRA verübte als Rache 26 Anschläge: Bomben töteten am 21. Juli 1972 am «Bloody Friday» in Belfast innert weniger Minuten 9 Menschen, es gab 130 Verletzte. Erst Ende der 1980er Jahre begann ein Friedensprozess, der 1998 in einer Waffenruhe endete, dem Karfreitagsabkommen.

Vor 50 Jahren am 5. September 1972:
Olympia-Attentat in München

Am frühen Morgen des 5. September überfielen acht bewaffnete Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation «Schwarzer September», die im Vorfeld von deutschen Neonazis unterstützt worden waren, ein Wohnquartier des israelischen Teams im olympischen Dorf. Monteure der Post beobachteten sie, hielten sie aber für heimkehrende Athleten. Ein israelischer Sportler wurde schon während des Angriffs getötet, ein weiterer erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Die übrigen neun Mannschaftsmitglieder – Athleten, Trainer und Kampfrichter – wurden als Geiseln genommen.

Die Geiselnehmer verlangten die Freilassung von 232 Palästinensern, eines japanischen Terroristen aus israelischerer sowie der RAF-Mitglieder Andreas Baader und Ulrike Meinhof aus deutscher Haft. Die israelische Regierung unter Golda Meir lehnte die Forderung ab. In der folgenden Nacht unternahm die bayerische Polizei auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck einen schlecht geplanten und durchgeführten Befreiungsversuch, der in einer Katastrophe endete: Alle Geiseln kamen ums Leben, ebenso ein Polizist und ein Helikopterpilot.

Fünf Terroristen wurden erschossen, drei festgenommen. Bereits wenige Wochen später wurden sie durch die Entführung einer Lufthansa-Maschine freigepresst. So kam es zum Olympia-Attentat in Deutschland nie zu einem Gerichtsverfahren. Eine Sondereinheit des israelischen Geheimdienstes tötete auf Anordnung der Regierung etwa zwanzig direkt oder indirekt am Anschlag beteiligte Palästinenser, darunter auch Unschuldige. Die getöteten Terroristen erhielten in Libyen eine Heldenbestattung mit militärischen Ehren. 

Die Spiele wurden erst nach Protesten zahlreicher Teilnehmender und Besucher/innen unterbrochen und gingen schliesslich weiter. 80’000 Menschen nahmen am zwölften Tag an einer Trauerfeier teil. Um die positiven Veränderungen in Deutschland seit den Olympischen Spielen 1936 deutlich zu machen, waren 1972 4000 unbewaffnete und in zivile Anzüge gekleidete Polizisten im Einsatz. Als Reaktion auf das Drama entstand später die deutsche Spezialeinheit GSG9.

Vor 40 Jahren am 14. September 1982:
Autounfall von Fürstin Gracia Patricia

Szene aus «Über den Dächern von Nizza» © wiki commons

Man kannte sie aus Hollywood-Spielfilmen wie High Noon (mit Gary Cooper) oder Mogambo (mit Clark Gable). Für ihre Rolle im Hitchcock-Streifen «Ein Mädchen vom Lande» erhielt sie 1955 einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Und am 19. April 1956 verbanden sich Hollywood und Hochadel: Schauspielerin Grace Kelly heiratete Rainier III. von Monaco, den sie ein Jahr zuvor an den Filmfestspielen von Cannes kennengelernt hatte. Sie gab ihre Schauspielkarriere auf und widmete sich als Fürstin Gracia Patricia und Landesmutter des Fürstentums Monaco repräsentativen und wohltätigen Aufgaben. Das Paar bekam drei Kinder: Caroline, Albert und Stéphanie. Grace Kelly setzte mit ihren stilsicheren Auftritten weltweit modische Trends. Ihre Präsenz verhalf Monaco zu neuem Ansehen und wirtschaftlichem Aufschwung.

Auf der Heimfahrt aus ihrer Sommerresidenz kamen Fürstin Gracia Patricia und ihre damals 17-jährige Tochter Prinzessin Stéphanie am 13. September 1982 in einer Haarnadelkurve aus ungeklärten Gründen von der Strasse ab und stürzten einen Abhang hinunter. Im gleichen Gebiet hatte sie bei der Verfolgungsjagd im Hitchcock-Film «Über den Dächern von Nizza» mitgespielt. Zunächst sah es nach Schnittwunden, Quetschungen und Knochenbrüchen aus, doch nach einer Operation fiel die Fürstin ins Koma. Computertomographische Untersuchungen zeigten, dass Gracia Patricia kurz vor dem Unfall einen leichten Schlaganfall und beim Unfall eine Hirnblutung erlitten hatte. Sie erlag am Folgetag ihren Verletzungen, nachdem die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt worden waren. Prinzessin Stéphanie erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Wirbelbruch.

Drei Tage nahmen die Monegassen am offenen Sarg in der Schlosskapelle Abschied. An der Beerdigung am 18. September 1982 nahmen 800 geladene Trauergäste teil. 100 Millionen Zuschauer/innen weltweit sassen vor dem Fernseher. Über den Unfallhergang wurde viel spekuliert. Doch keine der Theorien – etwa dass die minderjährige Prinzessin am Steuer gesessen habe, ein Ärztefehler oder eine Beteiligung der südfranzösischen Mafia – konnte je bewiesen werden.

Vor 50 Jahren im September und Oktober:
«Deutscher Herbst» mit der RAF

1977 bildete den Höhepunkt der Aktivitäten der zweiten Generation der Terror-Organisation Rote Armee Fraktion RAF. Diese hatten zum Ziel, die inhaftierten Mitglieder der ersten Generation freizupressen. Im 7. April erschoss in Karlsruhe das «Kommando Ulrike Meinhof» Generalbundesanwalt Siegfried Buback sowie seinen Fahrer und Mitfahrer von einem Motorrad aus. Am 30. Juli töteten RAF-Mitglieder Jürgen Ponto, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, nach einer versuchten Entführung. Am 25. August scheiterte ein Anschlag auf das Gebäude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

Am 5. September wurde Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer in Köln entführt, wobei sein Fahrer und drei Polizisten zu Tode kamen. Als die Bundesregierung der Forderung nach Freilassung von elf inhaftierte RAF-Mitglieder nicht nachkam, entführten mit der RAF verbündete Terroristen der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) am 13. Oktober die Lufthansa-Maschine «Landshut», um den Druck zu erhöhen. Das Flugzeug landete nach Stationen in Rom, Zypern, Dubai und Jemen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Dort wurde es am 18. Oktober kurz nach Mitternacht von der deutschen Spezialeinheit GSG9 gestürmt. Alle 86 Geiseln kamen unverletzt frei.

Kurz danach nahmen sich in der so genannten «Todesnacht von Stammheim» am 17./18. Oktober die inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe das Leben, Irmgard Möller überlebte schwer verletzt. In der Sympathisanten-Szene hiess es, die Polizei hätte die Gefangenen ermordet. Zahlreiche Anschläge gegen deutsche Einrichtungen im Ausland waren die Folge. Der entführte Hanns Martin Schleyer wurde von seinen Geiselnehmern erschossen. Der Deutsche Herbst gilt als eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Vor 20 Jahren am 23. Oktober 2002:
Tschetschenische Rebellen überfallen ein Moskauer Theater

Am 23. Oktober begann eine mehrtägige Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater. 40 bis 50 schwer bewaffnete und maskierte Frauen und Männer der separatistischen Bewegung Tschetscheniens brachten während einer ausverkauften Musical-Vorstellung 850 Menschen in ihre Gewalt. Sie drohten mit der Tötung der Geiseln, sollten sich die russischen Truppen nicht binnen einer Woche bedingungslos aus ihrer Heimat zurückziehen. Nach einigen Stunden liess man Kinder, schwangere Frauen, Muslime, viele Ausländer und Menschen frei, die medizinische Versorgung benötigten. Eine Gruppe Ärzte konnte die Geiseln besuchen, das Rote Kreuz lieferte Essen, Kleidung und Medikamente.

Verschiedene Verhandlungsversuche verliefen erfolglos. Am frühen Morgen des 26. Oktober schliesslich stürmten russische Spezial- und Antiterroreinheiten das Theater. Zuvor war ein unbekanntes Betäubungsgas ins Gebäude geleitet worden. Beim Angriff wurden alle Geiselnehmer getötet. 130 Geiseln starben: 5 durch die Terroristen, 125 aufgrund unzureichender medizinischer Behandlung nach dem Gaseinsatz. 2011 erreichten 64 ehemalige Geiseln mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, dass der russische Staat ihnen aufgrund der unsachgemässen Befreiungsaktion Schadenersatz bezahlte musste.

Vor 25 Jahren am 17. November 1997:
Das Massaker von Luxor

Hatschepsuttempel
© wiki commons

Der Totentempel der Hatschepsut, der einzigen Pharaonin Ägyptens, liegt im Tal der Könige nahe Luxor und gehört zu den bekanntesten Tourismusattraktionen des Landes. Am Morgen des 17. Novembers 1997 griffen sechs mit automatischen Waffen und Messern ausgerüstete Mitglieder der islamistischen Gruppe Gamaa Islamija die Touristengruppen im Tempel an. Während 45 Minuten richteten die Attentäter 58 Tourist/innen brutal hin: 36 Schweizer, 10 Japaner, 6 Briten, 4 Deutsche und 2 Kolumbianer. Auch vier Ägypter wurden getötet, drei Polizisten und ein Reiseführer. Weitere 12 Schweizer, 2 Japaner, 2 Deutsche, 1 Franzose und 9 Ägypter wurden verwundet. Die Täter, die weitere Attentate bei Sehenswürdigkeiten geplant hatten, gerieten in eine Polizeikontrolle und flüchteten in die Hügel. In einer Höhle verübten sie gemeinsam Suizid.

Ein Sonderflug brachte die Toten in die Schweiz zurück, wo in der Werfthalle eine Gedenkfeier mit Bundesrat Moritz Leuenberger stattfand. Die Bilder der 36 Särge schockierten das Land. Das Massaker von Luxor war das erste grosse Attentat, das radikale Islamisten gegen zufällige Opfer verübten, um eine weltweite Schockwirkung zu erreichen. Islamismus und radikale Islamisten kannte damals noch kaum jemand. Ein Jahr später weiteten der Drahtzieher von Luxor zusammen mit dem noch unbekannten Usama bin-Laden den Heiligen Krieg gegen Ungläubige auf die ganze Welt aus. Sie erklärten es zur muslimischen Pflicht, Amerikaner und ihre Verbündeten zu töten – auch Zivilistinnen und Zivilisten.

1997 existierten in der Schweiz keine bewährte staatliche Krisenorganisation und Opferhilfe, keine Hotlines oder Care-Teams. Aus Luxor und dem Swissair-Absturz von Halifax ein Jahr später zog das Land viele Lehren bei der Bewältigung von grossen Katastrophen.

Vor 20 Jahren am 19. November 2002:
Tankerunglück «Prestige» bei La Coruña

Aufgrund der Havarie der «Exxon-Valdez», bei der 1989 über 40’000 Tonnen Rohöl in arktische Gewässer ausliefen, sollten ab 1996 alle Öltanker neu mit einer Doppelhülle gebaut werden. Ältere Schiffe mit nur einer Hülle konnten jedoch bis 2015 verkehren und sorgten für weitere grossen Schäden. Am 13. November 2002 schlug der altersschwache Tanker «Prestige» (Baujahr 1976) in einem Sturm in den gefährlichen Gewässern vor der galizischen Küste leck. Aus einem 35 Meter langen Riss lief Öl aus. Die spanischen Behörden verweigerten dem Schiff die Einfahrt in einen Hafen, wo sich das ausgetretene Öl hätte abpumpen lassen. Man schleppte den Tanker auf hohe See, wo er am 19. November auseinanderbrach und schliesslich sank.

64’000 Tonnen Schweröl traten aus und verseuchten über 3000 Kilometer spanische und französische Küstenlandschaft mit giftigem Ölschlamm. Unter anderem verendeten 250’000 Seevögel. Es dauerte zwei Jahre und kostete 100 Millionen Euro, bis Unterwasser-Rotober alle Lecks abgedichtet und das verbliebene Öl abgepumpt hatten.

13 Jahre nach dem Unglück verurteilte Spaniens Oberster Gerichtshof den griechischen Tanker-Kapitän wegen Umweltvergehen zu zwei Jahren Haft. Er habe die Havarie billigend in Kauf genommen, da er wusste, dass sein Schiff in schlechtem Zustand und überladen war. Ein internationaler Fonds, gespiesen von Zahlungen der Reederei und deren Versicherungen, muss für den Schaden in der Höhe von mehreren Milliarden Euro aufkommen. Einhüllen-Tanker wurden bereits ab 2010 verboten. Seit sie die Ozeane nicht mehr befahren, hat die Zahl und die Schwere der Katastrophen abgenommen.


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Beitrag vom 01.02.2022

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