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Ein gefährlich gutes Gewürz

Zimt ist in Coca-Cola und im Glühwein, und die alten Römer haben damit ihre sauren Weine in etwas Trinkbares verwandelt. Ein eigenartiges Gewürz, diese Baumrinde.

Text: Gaby Labhart

Zimt gehörte von Anfang an zu den teuersten Produkten, welche die Gewürzhändler aus Asien via Morgenland nach Europa brachten. Und er war wohl, so ganz belegen lässt es sich nicht, das erste überhaupt gehandelte Gewürz. Einst war er so teuer, dass man den arabischen Händlern noch Ende des 15. Jahrhunderts weisse Frauen und Eunuchen verkaufte, um etwas Zimt zu bekommen.

Ja, Zimt ist ein gefährliches Gewürz – auch heute noch. Man muss ihn mit Respekt behandeln, denn allzu viel ist zwar in diesem Fall nicht ungesund, aber bitter. Das ätherische Öl in der Rinde des Zimtbaumes, das den unvergleichlichen Aromenmix beinhaltet, ist ein Stoff, den die Natur notabene als Schutz für den Baum ausgebildet hat: als Abwehr gegen gierige Pflanzenfresser, aber auch als vorbeugendes Medikament gegen Pilzbefall und Krankheiten. Heute noch wird Zimtöl mit seinen gut 75 Prozent Zimtaldehyd in der Heilkunde angewandt.

Ceylon Zimt und Cassia Zimt
Der sri-lankische Zimt (links im Bild) stammt vom Echten Zimtbaum, der chinesische Zimt (rechts) vom Kassiabaum. © shutterstock

Nirgends steht geschrieben, wie der Geschmack der Rinde dieses Baums aus der Familie der Lorbeergewächse entdeckt wurde. Es wird wohl Zufall gewesen sein. Wie so oft. Erwähnt wird Zimt bereits in einem chinesischen Kräuterbuch von 2700 v. Chr. Eine der ältesten Überlieferungen von Zimt in mittelalterlichen Küchen stammt aus dem Kloster St. Gallen: Dort wurde bereits im 9. Jahrhundert Fisch mit Zimt aromatisiert. In der orientalischen, südostasiatischen, chinesischen und südasiatischen Küche werden die getrockneten Rindenröllchen häufig verwendet. Hierzulande gehört Zimt selbstverständlich in die Zimsterne und in den Apfelkuchen, über den Milchreis und ins Zwetschgenkompott. Aber schon bei der Frage, ob er ins Blaukraut oder zu den Randen passt, gehen die Meinungen deutlich auseinander.

Zwei Zimtsterne mit Zuckerguss liegen auf einer Holztischplatte, auf Zuckerkrümeln.
Zimtsterne dürfen an Weihnachten nicht fehlen. © shutterstock

Der chinesische Zimt stammt vom Kassiabaum (Cinnamomum cassia), seine Rinde gilt als schlichter als die vom Echten Zimtbaum (Cinnamomum verum), der auf Sri Lanka die beste Rinde hervorbringt. Dort hat ihn Vasco da Gama im 15. Jahrhundert entdeckt, als er für die portugiesische Krone den Weg ins Gewürzparadies Indien suchte. Händler und Kunden merkten schnell, dass der Zimt aus Ceylon, wie die Insel vor der Südspitze Indiens während der Kolonialzeit genannt wurde, der bessere war. Erst die Portugiesen, dann die Holländer und am Ende die Engländer drohten mit Todesstrafe, sollte jemand versuchen, Pflanzen ins Ausland zu schmuggeln. Das Besitz- und Handelsmonopol garantierte ihnen höchste Preise.

Zimt hilft verdauen und galt lange auch als Aphrodisiakum. Ein so wärmender, würzig-süsser, belebender Duft in der, nun ja, straffen Form … Sicher ist: Zimt hilft bei diffusen Magenbeschwerden, er wirkt gegen Blähungen und Unwohlsein im Darmbereich und beruhigt die Bronchien bei Husten und Heiserkeit. Da Zimt wärmt und durchblutungsfördernd ist, kann man das Öl äusserlich als Massageöl bei Muskelverhärtungen und Verspannungen anwenden.

Wie gesagt, Zimt ist ein mächtiges Gewürz. Dennoch muss man keine Angst haben, zu überwürzen. Wenn man merkt, dass genügend Zimt im Zwetschgenkompott ist, einfach die Stange aus der Pfanne nehmen.

Beitrag vom 02.12.2023

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