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Mehr Power, mehr Spass, mehr Herausforderungen

Mit dem E-Bike ist man müheloser und schneller unterwegs als mit dem Velo. Die elektrische Unterstützung bringt Genuss, aber auch Gefahren. Geschwindigkeit, Gewicht und Handhabung werden oft unterschätzt. Tipps von Experten für ein sicheres Fahrvergnügen.

Zeitlupe Redaktorin Annegret Honegger
© Jessica Prinz

Text: Annegret Honegger

E-Bikes boomen. Bald jedes zweite Velo in der Schweiz verfügt über elektrische Unterstützung. Mit dem Rückenwind aus der Steckdose überwindet man Steigungen und längere Distanzen locker. Weil das E-Bike heute zum Lifestyle gehört, sind neue Bevölkerungsgruppen damit unterwegs: Geschäftsleute e-biken zur Arbeit, Eltern und Grosseltern chauffieren Kinder und Enkel im Cargo-Bike herum, Senior/innen machen Veloferien.

Doch die Statistik zeigt: Der E-Bike-Boom führt auch zu mehr und schweren Unfällen. «Drei Viertel sind Selbstunfälle, weil viele ihr E-Bike zu wenig beherrschen», erklärt Stephan Lingenhel. Zusammen mit Peter Gschwend hat der E-Bike-Pionier und BFU-zertifizierte E-Bike-Instruktor die Plattform spontEbike.ch gegründet. Die beiden zeigen in Kursen, wie man nicht nur gut und schnell, sondern auch sicher E-Bike fährt und auf geführten Ausfahrten sein E-Bikes mit all seinen Möglichkeiten auskostet.

Denn so einfach, wie es aussehen mag, sind E-Bikes nicht zu fahren. Sie stellen Einsteiger/innen auch vor Herausforderungen. Peter Gschwend betont: «Ein E-Bike hat mit einem gewöhnlichen Velo ungefähr so viel gemeinsam wie ein Porsche mit einem Döschwo!» Auch wer Velo fahre oder früher Velo gefahren sei, solle sich mit Grundlagen und Handhabung vertraut machen, bevor er oder sie aufs E-Bike sitzt und losfährt. Peter Gschwend und Stephan Lingenhel empfehlen Anfänger/innen einen Kurs, damit neben dem Fahrspass auch die Technik stimmt.

Hier die Tipps der Experten für den Einstieg:

  • Vorausschauend fahren:
    Eine grössere Geschwindigkeit erhöht die Ansprüche an Überblick, Reaktion, Reflexe und Koordination. Bei hohem Tempo ist vorausschauendes Fahren deshalb besonders wichtig! Vorsicht ist angesagt, vor allem bei unübersichtlichen Stellen, Kreuzungen, Zebrastreifen, mit Kindern, Hunden oder bei Autos, die aus einer Seitenstrasse einbiegen. Die übrigen Verkehrsteilnehmer/innen unterschätzen häufig, wie schnell sich E-Bikes nähern.
  • Bremsbereit fahren:
    Da man mit E-Bikes schneller unterwegs ist als mit einem Velo, hat dies einen längeren Bremsweg zur Folge. Diesen kann man deutlich verkürzen, wenn man stets bremsbereit fährt und somit schneller reagieren kann.
  • Fahren und Bremsen üben:
    Mit einem E-Bike ist man nicht nur schneller unterwegs, sondern es wiegt auch mehr als ein Velo. Anfangs braucht es Zeit, bis man sich an Gewicht, Anfahrschub und die Geschwindigkeit gewöhnt und ein Gefühl für das Fahrzeug entwickelt hat. Am besten übt man an einem geschützten Ort Kurven, Abbiegen mit Rück-Blick und Handausstrecken, steil Bergauf- und Bergabfahren sowie das Bremsen bei verschiedenen Geschwindigkeiten inklusive ein paar Punkt-Bremsungen.
  • Passendes Tempo wählen:
    Je schneller man fährt, desto anspruchsvoller. Deshalb das Tempo immer so wählen, dass man sich sicher fühlt und das Fahrzeug beherrscht. Wer wenig Risiko will, fährt langsam. Viele E-Biker/innen unterschätzen, dass sie mit der Tretunterstützung rasch eine höhere Geschwindigkeit erreichen als auf dem Velo. Je nach Kategorie fährt man ungefähr so schnell wie ein Mofa oder ein Auto im Stadtverkehr.
  • Sichtbarkeit erhöhen:
    Helle und/oder reflektierende Kleidung und Accessoires sind sinnvoll. Eingeschaltetes Licht sorgt auch tagsüber für Sichtbarkeit und Sicherheit. Als präventive Massnahme (die zudem kaum Strom braucht) kann dies anderen Verkehrsteilnehmenden signalisieren, dass ein E-Bike naht. NEU: Ab 1. April 2022 müssen alle E-Bikes immer mit eingeschaltetem Licht fahren!
  • Sicher Anfahren:
    Zum Anfahren nimmt man das E-Bike zwischen die Beine und positioniert die Hände gut am Lenker. Motor und Gang auf die tiefste Stufe stellen, einen Fuss auf die Pedale und langsam losfahren. Den Sattel stellt man am Anfang am besten so tief ein, dass man sitzend mit den Fussspitzen den Boden berührt. Das sorgt für Sicherheit und Stabilität. Denn je nach Modell und Motorstufe setzt die elektrische Unterstützung kräftig ein, sobald man in die Pedale tritt.
  • Passende Unterstützung wählen:
    Mit der elektrischen Unterstützung haushälterisch umgehen. Die höchste Stufe (sie heisst Turbo, Max, Boost o.ä.) braucht man meist nur in steilen Aufstiegen. Spart man Energie, hält die Batterieladung länger. Wie viel Unterstützung man benötigt, ist auch abhängig von der persönlichen Tagesform. Naht eine grosse Steigung, rechtzeitig einen tieferen Gang einlegen und den Motor auf eine höhere Stufe stellen. Dank Unterstützung überwindet man auch steile Stücke ohne grosse Anstrengung. Wer absteigt, muss hingegen ein schweres Bike den Berg hinaufstossen.
  • Geltende Vorschriften kennen:
    Andere Länder, andere Verkehrsregeln – zum Beispiel bezüglich Helm- oder Warnwestenpflicht, Benutzung der Velowege etc. Erkundigen Sie sich bei Touren im Ausland vorgängig nach den Vorschriften.
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amusebike-Kurse: Pedalen und geniessen

Der Name ist Programm: Diese E-Bike-Kurse führen schrittweise zum sicheren Fahrvergnügen und verbinden Theorie und Praxis mit Spass und Genuss. Durch praktische Übungen lernt man sein E-Bike besser kennen und sich im Verkehr optimal zu verhalten. In kleinen Gruppen geht es unter kundiger Leitung auf eine leichte Tour. Inbegriffen ist ein geselliger Abschluss mit einem kleinen Imbiss.

Alle Kurse in der Deutschschweiz unter www.amusebike.ch

Dieser Kurzfilm gibt einen Einblick

In Basel finden in Zusammenarbeit mit Pro Senectute beider Basel neun amusebike-Kurse zwischen April und September statt, jeweils an Dienstagen und Donnerstagen von 16 bis 18:30 Uhr. Dort startet der Kurs mit einer Einführung durch die Basler Kantonspolizei. Informationen: Pro Senectute beider Basel, Telefon 061 206 44 66, Mail info@bb.pro-senectute.ch, www.bb.prosenectute.ch/amusebike

Alle Kurse sind im Sinne der Verkehrssicherheit und Unfallverhütung kostenlos.

  • Haben Sie auch schon einen E-Bike-Kurs besucht und davon profitiert? Erzählen Sie uns im Kommentar von Ihren Erfahrungen!
  • Weitere interessante Artikel zum Thema Gesundheit & Bewegung lesen Sie hier.
Beitrag vom 12.03.2022

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