Eleganz in Weiss

Schwäne sind beeindruckend schöne Vögel, die in der Kulturgeschichte eine grosse Rolle spielen. Während Höckerschwäne einst in der Schweiz angesiedelt wurden, nutzen nordische Sing- und Zwergschwäne die Seen des Landes als Winterquartiere. 

Singschwäne © shutterstock

Schon vor Urzeiten erfreute man sich am anmutigen Anblick der weissen Schwäne. Unzählige Mythen der Kelten, Germanen und antiken Kulturen ranken sich um das edle Tier, Reinheit, Schönheit und die Kraft des Weissagens wurden dieser Vogelart zugeschrieben. Kaum weniger gross ist ihre Bedeutung in der neueren Kulturgeschichte. Als Ballettmotiv wurde der «sterbende Schwan» weltbekannt, während der Schwanengesang sprichwörtlich steht für das letzte Werk eines Musikers oder eines Dichters. 

Dabei waren die Höckerschwäne, die solchen Anlass zur Verehrung gaben, keineswegs seit je in Mitteleuropa heimisch. Ungefähr im 16. und 17. Jahrhundert gelangten etliche der schönen Vögel als wertvolle Geschenke in den Besitz mitteleuropäischer Adeliger. Von da an bevölkerten sie manche Weiher in Parkanlagen und Schlossgärten. Auf verwilderte Abkömmlinge dieser Ziervögel gehen auch die Höckerschwäne zurück, die sich heute so zahlreich und zutraulich an Schweizer Seeufern zeigen. 

Natürlicherweise leben Höckerschwäne von Nordosteuropa bis nach Russland und südwärts in der Schwarzmeerregion und im östlichen Mittelmeerraum. Diese «wirklich wilden» Höckerschwäne zeigen wie andere nordische Schwäne ein saisonales Zugverhalten, wobei sie im Norden brüten und im Süden überwintern. Dabei verwischen sich die Grenzen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets teilweise mit den Vorkommen, die in Gebieten Europas angesiedelt wurden. 

Langer Hals zum Gründeln

Als eindeutiges Merkmal tragen Höckerschwäne einen schwarzen Höcker über dem Ansatz ihres roten Schnabels. Dieser ist beim Männchen etwas grösser und zur Brutzeit besonders gross ausgebildet. Der lange Hals, den sie meist in elegant geschwungener Haltung tragen, ist keineswegs zur blossen Zierde da. Er erlaubt es ihnen, bis in einiger Tiefe nach Wasserpflanzen oder anderer Nahrung zu suchen. Tauchen können sie nämlich nicht, im Gegensatz zu vielen Enten. Ihre Nahrungsaufnahme wird auch erleichtert durch eine Reihe von Hornlamellen an den Schnabelrändern, die zusammen mit der Zunge eine Art Seihapparat bilden. Damit können sie wie andere Entenvögel winzige Nahrungsteilchen aus dem Wasser filtern und aufnehmen. 

Brot sollte man den Schwänen übrigens nicht füttern. Es entspricht nicht ihrer natürlichen Nahrung und schwächt ihre Gesundheit, wenn sie zu viel davon aufnehmen. An verdorbenem Brot sind auch schon manche Schwäne gestorben. Vom Füttern ist generell abzuraten, meist ist dies ohnehin verboten, denn es kann zu einer übermässigen Vermehrung der Vögel führen und sie vom Weiterfliegen abhalten, wenn ihre natürliche Pflanzennahrung in einem bestimmten Gewässerbereich knapp wird. 

So übernutzen sie ihre eigenen Lebensräume und leiden unter Dichtestress, der Aggressionen zwischen den Vögeln fördert. Am Luzerner Seeufer wurden Schwäne, die durch fütternde Besucher aus dem Wasser gelockt wurden, geradezu zur Plage. Manch einer verirrte sich bis in die Stadt hinein und musste ans Wasser zurückgebracht werden. 

Leicht s-förmiger Hals

Ein Höckerschwan von der Seite fotografiert.
© Stephen Hickman/ unsplash

In englischer Sprache wird der Höckerschwan als «stummer Schwan» (Mute Swan) bezeichnet, da er meist völlig ruhig bleibt und keine laut trompetenden Rufe von sich gibt wie andere Schwäne. Seine Rufe sind eher leise, doch dafür hört man von den fliegenden Höckerschwänen auffallende, sausend klingende Fluggeräusche, die bei den anderen Schwänen fehlen. Gereizte Höckerschwäne bringen ein leises Fauchen vor, zum Beispiel bei Störung durch allzu nahe tretende Menschen. 

Die Silhouette des Höckerschwans unterscheidet sich leicht von derjenigen der Singschwäne und Zwergschwäne, welche die schweizerischen Gewässer als Wintergäste aufsuchen. Er trägt seinen Hals leicht s-förmig gebogen, während Sing-und Zwergschwäne den Hals gerader in die Höhe recken. Beide dieser nordischen Gäste tragen einen gelben Schnabel mit schwarzer Spitze, wobei der gelbe Bereich beim Singschwan ausgedehnter ist. Der Zwergschwan ist etwas kleiner als der Singschwan und sucht eher selten das tiefere Binnenland auf. In der Schweiz überwintert er aber seit Längerem regelmässig am Bodensee. 

Vor allem die Singschwäne sind geradezu berühmt für ihre Ruffreudigkeit und ihre volltönende Stimme, die auch posaunenartige Klänge umfasst. Ihr Brutgebiet liegt im hohen Norden Europas und erstreckt sich ostwärts über Sibirien. In den 1940er-Jahren wären sie in ihrem nordfinnischen Brutgebiet durch intensive Jagd beinahe ausgerottet worden, selbst den Jungvögeln stellte man damals nach, und die Eier wurden gesammelt. Singschwäne sind aber wie die meisten Schwäne weit verbreitet und gelten heute trotz einigen Gefahren als nicht gefährdet. Als grosse Zugvögel sind sie etwa Stromleitungen und Windturbinen ausgesetzt, die immer wieder Opfer fordern. 

Schwarze Schwäne im Süden

Ein schwarzer Schwan versteckt seinen Schnabel unter den Federn.
© David Clode/ unsplash

Wunderschön sind auch die schwarzen Trauerschwäne, die man gelegentlich in Zoos oder Tierparks sieht und die zeitweise – aus einer Privathaltung stammend – frei fliegend am Thunersee lebten. Natürlicherweise sind Trauerschwäne in Australien verbreitet, wo sie sich entlang von Stadtgewässern oft wenig scheu gegenüber dem Menschen zeigen. Neben dem Schwarzhalsschwan, der in Südamerika beheimatet ist, sind sie die einzigen Schwäne der Südhalbkugel. 

Wenn Trauerschwäne in normaler, ruhender Körperposition bleiben, dann liegen ihre Schwingen im Gefieder versteckt, und der Körper der Tiere erscheint vollkommen schwarz. So sind manche unkundige Beobachter verblüfft, wenn sich bei fliegenden Exemplaren die weissen Schwungfedern der Flügel zeigen. 

Sie sind etwas kleiner als der Höckerschwan und tragen ihren langen Hals ebenso geschwungen wie dieser. Sie kennen auch dieselbe Art von Droh-und Imponiergeste mit angehobenen Flügeln und leicht zurückgebeugtem Hals. Ihr glänzend schwarzes Gefieder ist im Rückenbereich leicht gekräuselt, der Schnabel und die Augen erscheinen, mit Ausnahme einer hellen Querbinde am Vorderschnabel, leuchtend rot. 

Eine etwas grössere Unterart dieser schönen Schwäne kam auf Neuseeland vor, wurde aber schon früh ausgerottet. Später, in den 1860er-Jahren, wurden die australischen Trauerschwäne im einstigen Verbreitungsgebiet ihrer verschwundenen Verwandten eingeführt. Ihre Zahl nahm überraschend schnell zu, wobei gemutmasst wird, dass ein paar der Vögel von selbst eingewandert seien. So leben heute wieder mehrere Populationen von Trauerschwänen auf Neuseeland und füllen wohl mehr oder weniger die Nische aus, die ihre ausgestorbenen Verwandten hinterliessen. 

Erste Berichte von Entdeckern in Australien, die schwarze Schwäne erwähnten, mussten den damaligen Europäern völlig widersinnig vorgekommen sein. Schwäne kannte man bis dahin nur als reinweisse Tiere. Es dauerte lange, bis die Zweifel ausgeräumt waren und die Existenz schwarzer Schwäne als real akzeptiert wurde. Heute kennt man den Begriff «schwarzer Schwan» als Metapher für ein völlig unerwartetes Ereignis.