Heutige Liebe erklärt

Was hat es mit Tinder auf sich? Worin unterscheiden sich Polyamorie und offene Beziehungen? Was sind eigentlich Red Flags? Die Zeitlupe bringt Licht ins Dating-Dunkel der heutigen Jugend.

Von Marc Bodmer und Jessica Prinz

Beziehung

Friends with Benefits / Freundschaft Plus

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«Friends with Benefits» bedeutet das Ausleben von Sex mit befreundeten Personen, ohne dass man eine (traditionelle) romantische Beziehung zu dieser Person hat. Dabei wird die Unkompliziertheit einer Freundschaft mit der Vertrautheit von regelmässigem Sex kombiniert. «Freundschaft Plus» ist also etwas zwischen einer festen Beziehung und einer rein sexuellen Affäre.

Mingle

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«Mingle» ist eine Wortpaarung aus «mixed» und «single». Es bedeutet, dass jemand offiziell Single ist, aber in beziehungsähnlichen Strukturen lebt. Im Unterschied zur «Freundschaft Plus» geht es bei Mingles nicht ausschliesslich um Sex. Mingles wollen durchaus auch die Vorteile einer Paarbeziehung erleben: Dates, romantische Abende zu zweit oder Wochenendausflüge gehören zum Programm. Verschiedene Eigenschaften von Beziehung und Single-Sein werden zu einer unverbindlichen Bindung auf Zeit vermischt.

Polyamorie / offene Beziehung

Der Wortbestandteil «poly» ist schon verräterisch, steht er doch für «viel». Wir kennen das Polytechnikum, eine Hochschule, an der verschiedene technische Fachrichtungen unterrichtet werden, oder die Polyklinik, ein Spital, das sich diversen Krankheiten widmet und nicht nur einer spezifischen Problemstellung. 

Bei der Polyamorie geht es um eine Beziehungsform, die mehr als zwei Menschen einschliesst. Entscheidend ist, dass alle, die in dieser polyamoren Beziehung sind, von allen anderen wissen. Das ist eine der Regeln, die im Vorfeld definiert wird. Manchmal gehören Hierarchien dazu, manchmal sind alle Partnerinnen und Partner dieses Beziehungskosmos gleichgestellt. Wichtig ist vor allem: Alles basiert auf Einvernehmlichkeit und Transparenz.

Swingen

Menschen, die swingen, haben sexuelle Kontakte auch ausserhalb der Beziehung, auch mit fremden Personen. Begegnungen finden meist an speziellen Orten statt, wo sich Gleichgesinnte finden (Klubs, Partys; es gibt aber auch Reise-Angebote usw.). Swingen kann man allein oder als Paar.

So schön kann Verliebtsein sein… Wären da nicht all die Red Flags und das endlose Swipen – mit anschliessender Gefahr, geghostet zu werden. © pexels/ Brett Jordan

Dating

Tinder & Co.

Vor zehn Jahren erschien die App «Tinder» auf den Smartphones. Tinder, zu deutsch Zunder, ist eine Online-Single-Börse. Wer also Ausschau nach einer Liebespartnerin hält oder einen Partner sucht, kann dies auf «Tinder» tun. 

Wem das gezeigte Bild nicht passt, wischt es nach links weg. Gefällt das Porträt, kann man es nach rechts wischen. Haben beide nach rechts «geswiped» (siehe Swipen), entsteht ein «match» (eine Deckung). Danach kann man in Kontakt miteinander treten und chatten. 

In der Art von «Tinder» gibt es inzwischen diverse soziale Netzwerke wie «Bumble» (hier können nur Frauen den ersten Schritt bei der Kontaktaufnahme machen, wenn sie mögen) oder «Lovoo» (gehört zur Parship Meet Group und nutzt standortbezogene Daten, um eine mögliche Verbindung herzustellen).

Swipen

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«Swipen» heisst auf Deutsch «wischen» und wird in Zusammenhang mit dem «Blättern» auf Bildschirmen verwendet. Viele Soziale-Netzwerk-Apps wie «Tinder» oder «Tiktok» nutzen links und rechts Swipes für die Bewertung von Inhalten.

Ghosting

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Wiederum aus dem Englischen kommt der Begriff «ghosting», abgeleitet von «ghost», Geist oder Gespenst. Mit «ghosting» wird ein unerwarteter Abbruch einer Beziehung bezeichnet. Jegliche Versuche, einen Kontakt aufzubauen oder nachzufragen, laufen ins Leere. Ursprünglich beschränkte sich dieses unfeine Verhalten auf die Beziehungswelt, inzwischen macht es sich auch in der Geschäftswelt breit.

Cuffing Season

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Die Nächte werden länger und kälter. Die Lust, nach draussen zu gehen, macht dem Kuscheln vor dem Fernseher Platz. In der Zeit von Herbst bis Frühling, in den USA auch als «Cuffing Season» bekannt, wollen die wenigsten allein sein. Darum sind sie eher darauf aus, sich zu binden oder aneinanderzuketten, denn «to cuff» heisst, jemandem Handschellen anlegen. 

Gaslighting

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Wer den Psychothriller «Gaslight» von George Cukor mit Ingrid Bergman gesehen hat, vergisst ihn nicht. Darin spielt die schwedische Schauspielerin Paula, die junge Ehefrau des charmanten Pianisten Gregory (Charles Boyer). Über eine längere Zeit inszeniert Gregory insgeheim kleine Zwischenfälle, die seine labile Gattin immer mehr an ihrem Verstand zweifeln lassen und sie an den Rand des Wahnsinns führen. 

Beim «Gaslighting» besteht ein Vertrauensverhältnis zwischen Täter und Opfer. Der Manipulator (es kann natürlich auch eine Manipulatorin sein) schirmt das Opfer von der Aussenwelt und Drittpersonen möglichst ab, damit keine Überprüfung der Gegebenheiten durch diese erfolgen kann.

Love Bombing

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Das «Love Bombing» beginnt nach der Phase der Verliebtheit. Wenn die Schmetterlinge im Bauch verflogen sind, werden die narzisstischen Züge einer Person in der Partnerschaft spürbar. Diese beginnt, das Gegenüber mit Liebe zu bombardieren und zu ersticken, aber nur, wenn dieses sich den Vorstellungen entsprechend verhält. Durch das «Liebesbombardement» soll die Partnerin – oft sind die Love Bomber männlich – abhängig und gefügig gemacht werden.

Red Flags

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«Red Flags» sind übersetzt rote Fahnen. Im Dating-Kontext bezeichnet man damit Warnsignale, die man keinesfalls ignorieren sollte. «Red Flags» können fragwürdige Charaktereigenschaften oder Handlungsweisen eines Gegenübers sein, die schon in einem frühen Stadium des Kennenlernens darauf hinweisen, dass zwei Menschen nicht zusammenpassen. Dann sollte man besser die Finger voneinander lassen, um nicht in einer unglücklichen oder gar toxischen Beziehung zu enden.

Lesbisch, queer, FLINTA? Vielleicht weiss man das auch einfach nicht so genau. © pexels/ Suzy Hazelwood

Gender

LGBTQ

/el-dschi-bi-ti-kju/
Die Abkürzung LGBTQ kommt aus dem Englischen. Zerlegt man sie in ihre Einzelteile, bedeuten die Buchstaben Lesbian (lesbisch), Gay (schwul), Bisexual (bisexuell), Transgender (transgender), Queer (siehe Queer). Was mit einem einfachen LGB anfing, nimmt heute grössere Ausmasse an. Mittlerweile gesellen sich je nach Kontext auch Intersexual (intersexuell), Asexual (asexuell) oder ein Pluszeichen oder der Genderstern (siehe Genderstern) dazu.

Queer

/kwiir/
«Queer» wird als Sammelbegriff für Menschen verwendet, deren soziales Geschlecht oder ihre sexuelle Orientierung nicht der heterosexuellen Norm entspricht. Ursprünglich ist es ein englisches Schimpfwort und bedeutet quer oder seltsam. Während der Emanzipationsbewegungen in den USA Mitte der 90er-Jahre begannen nicht-heterosexuelle Menschen, sich den Begriff anzueignen und positiv zu verwenden. Heute bezeichnen sich viele mit Stolz selbst als «queer».

Nonbinär

Die Vorstellung, dass es nur ein weibliches und ein männliches Geschlecht gibt, also eine binäre Geschlechtervorstellung, wird heute oft als veraltet bezeichnet. Jüngere Generationen gehen eher davon aus, dass es zwischen «Männchen» und «Weibchen» noch viele Facetten von Geschlechtern gibt, die sich bisweilen nicht klar kategorisieren lassen, sondern vielmehr als Spektrum gelesen werden sollen. Jemand, der vielleicht rein äusserlich als Frau gelesen wird, kann sich durchaus als Mann definieren – oder als nonbinär oder genderfluid (also wenn sich das soziale Geschlecht mit der Zeit oder abhängig von gewissen Situationen verändert).

Etwas schwierig kann es werden, wenn es um die Verwendung der richtigen Pronomen geht. Die richtige Handhabung ist allerdings reine Gewöhnungssache. Menschen, die sich als nonbinär verstehen, möchten nicht als Frau oder Mann bezeichnet werden und folglich nicht mit den Pronomen sie/ihr oder er/sein angesprochen werden. Häufig wird anstelle eines Pronomens schlicht der Name ausgesprochen. Manche Personen verwenden alternativ geschlechtsneutrale Pronomen wie «sier» (Kombination aus sie und er), das schwedische «hen» oder die englischen Begriffe «they/them» (Mehrzahl sie/ihr).

Genderstern

Wie bei der Verwendung der passenden Pronomen werden auch um den sogenannten Genderstern immer mehr Diskussionen laut. Im journalistischen Kontext wird der Genderstern vermehrt verwendet, damit sich auch Menschen, die sich nicht als klar weiblich oder männlich definieren, angesprochen und abgebildet fühlen. Die einen sehen ihn als Verhunzung der deutschen Sprache und weigern sich vehement, ihn in den geschriebenen Text einzubauen. Die anderen sehen es als wichtige Notwendigkeit, um das sich wandelnde Bild unserer Gesellschaft auch sprachlich wiederzugeben.

FLINTA

Das Akronym FLINTA steht für Frauen, Lesben, Intersexuellen (ehemals Zwitter), Nicht-Binären, Trans und Agender Personen. Oder kurz: Um alles, was sich nicht eindeutig als hetero-männlich (siehe cis-Gender) definiert. Der Begriff wird hauptsächlich im Kontext von Veranstaltungen verwendet. So gibt es heutzutage vermehrt Anlässe, die mit «FLINTA only» gekennzeichnet werden, dass also nur die erwähnte Personengruppe willkommen ist – und sogenannte cis-Männer (siehe cis-Gender) exkludiert werden.

cis-Gender

/zis-dschender/
Mit diesem Begriff werden Menschen bezeichnet, die sich mit dem gleichen Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt anhand der primären Geschlechtsteile zugewiesen wurde.

Schwerpunkt «Liebe ist…»

Zwei rote Herzen, handgemalt

Im Juni steht in der Zeitlupe die Liebe im Zentrum: Welches sind Traumpaare im Garten, wie diskutieren Jung und Alt über die Liebe, wohin führt der Liebesweg und was genau ist eine Surrogatpartnerschaft? Das und vieles mehr finden Sie auf zeitlupe.ch/liebe-ist

Beitrag vom 18.06.2022

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