Planung der ersten Teppichbeete, ca. 1830.

Zeitreise ins Grüne

Vor gut 200 Jahren wurde die Geschichte der Schweizer Gartenkultur umgeschrieben. Ein Buch führt zurück in diese Pionierjahre – und in Gärten und Parks, die damals begründet wurden, und noch heute überzeugen.

Das 19. Jahrhundert hat die Schweizer Gartenkultur massgebend geprägt. Unbekannte Pflanzen aus Übersee wurden herbei geschifft, neue wissenschaftliche Erkenntnisse der Botanik brachten Sorten mit grossen Blüten und in kühnen Farbschattierungen hervor, der Handel und die Zucht begann zuwachsen und beheizbare Gewächshäuser halfen selbst empfindlichen Exoten über den Winter. Kurzum: Die Möglichkeiten, sich als Hobbygärtner zu verwirklichen, explodierten. Die Gemeinde der Gartenfreunde wuchs entsprechend rasant und mit ihr die Faszination an der Natur. Die Schweizer Gartenkultur erlebte im 19. Jahrhundert eine Hochblüte – viele Ideen dieser Zeit prägen die Beete bis heute.

Eeva Ruoff, Dozentin für Geschichte und Theorie der Landschaftsarchitektur und Präsidentin der Schweizer Stiftung zur Erhaltung von Gärten, nimmt Interessierte in ihrem Buch «Schweizer Gartenkunst – Der neue Stil im 19.Jahrhundert» mit auf eine Zeitreise – mit wissenschaftlichem Ernst, mit vielen Anekdoten und faktenreichen Ausführungen. Sie beschreibt die herausragenden Moden und Züchtungen und führt durch wichtige private Gärten und Parks, die vor über 150 Jahren gestaltet wurden: etwa durch den Boveri-Park in Baden, die Gartenanlagen der Chesa Planta in Samedan. Viele Anlagen dieser Jahre bestehen und überzeugen noch immer.

Haus und Park des Landguts Varembé in Le Petit-Saconnex, heute Genf. Darstellung aus dem späten 18. Jhdt.
Haus und Park des Landguts Varembé in Le Petit-Saconnex, heute Genf. Darstellung aus dem späten 18. Jhdt.

Die Ausführungen füllen über 230 Seiten. Sie lassen sich aber gutportioniert lesen, da die Autorin ihren Rückblick in viele Kapitel unterteilt und darin jeweils ein klar umrissenes Thema vertieft. Sie beschreibt beispielsweise den Siegeszug der Rosen, zeigt auf, wie diese in Mode kamen und schliesslich zur Königin der Blumen gekrönt wurden. Oder sie erklärt, wie die Schweiz im 19.Jahrhundert den Obstanbau förderte, diesen gar zur Bürgerpflicht erklärte. Der Kanton Aargau erliess am 24. Oktober 1808 ein Gesetz, das Hochzeiten und Familien das Pflanzen von Obstbäumen vorschrieb. Jakob Nüsperli, Pfarrer zu Kirchberg bei Aarau, gründete deshalb eine Baumschule und hatte damit riesigen Erfolg. Spediteure in Basel, Bern, Luzern, Solothurn und Zürich verteilten seine Bäume quer durch die Schweiz. Er selber wurde unter einer seiner Linden zu Grabe getragen. In deren Schatten liegt der Mann noch immer, auf dem Friedhof der Gemeinde Küttigen.

«Schweizer Gartenkunst – Der neue Stil im 19.Jahrhundert», Eeva Ruoff, NZZ Libro, 232 Seiten, Richtpreis: 78 Franken.

Buchcover: Schweizer Gartenkunst