© Monique Wittwer

Rundgang durchs Impfzentrum

Die Zeitlupe hat das Luzerner Impfzentrum besucht, indem die grösstenteils älteren Impfwilligen auf junge «Zivis» und Zivilschützern treffen. Eine Bildreportage.

Fotos: Monique Wittwer, Text: Fabian Rottmeier

Und plötzlich begegnen die jungen Männer im Covid-19-Impfzentrum Luzern 1400 grösstenteils älteren Menschen – täglich. In vielen Schweizer Impfzentren sind derzeit nicht nur freiwillige Helferinnen und Helfer im Einsatz, sondern auch Zivildienstleistende und Zivilschützer. Dass es dabei zu einem heiteren Generationenaustausch zwischen Jung und Alt kommt, lesen Sie im Artikel in unserer Mai-Ausgabe, die am 11. Mai erscheint.

Zeitlupe-Fotografin Monique Wittwer hat bei der Recherche im Impfzentrum Luzern viele schöne Momente und spannende Einblicke eingefangen.

Im Uhrzeigersinn zur Covid-19-Impfung

Messe Luzern, 8.30 Uhr: Bevor das Impfzentrum öffnet, versammeln sich die 7 Zivilschützer und 13 Zivildienstleistenden bei Zivilschutz-Einsatzleiter Joël Monteil. Er stellt sicher, dass sein Team komplett anwesend ist und gibt wichtige Tagesinfos weiter.

Um 9 Uhr öffnen die Türen des Covid-19-Impfzentrums. 1400 «Impflinge», wie man sie intern manchmal nennt, strömen an diesem Tag im April 2021 bis 17 Uhr in die Hallen 3 und 4 der Messe Luzern. Die Impf-Kapazität soll laufend ausgebaut werden. Beim Eingang kontrolliert ein Zivilschützer, ob alle, die ins Zentrum möchten, auch tatsächlich einen Termin haben, der auf ihren Namen lautet.

Jede Person wird gebeten, eine frische Einwegmaske aufzusetzen. Sie wird mit einer langen Pinzette überreicht.

Nachdem an der Stirn die Temperatur gemessen wurde, erfolgt die nächste Einlasskontrolle. Pro «Impfling» ist eine Begleitperson erlaubt. Diese wird mit einem runden, grünen Kleber an der Jacke gekennzeichnet.

Damit sich die Menschen nicht zu nahe kommen oder voreilig zu den Impfkojen schreiten, werden sie gebeten, im Wartebereich Platz zu nehmen, bis ihr Termin aufgerufen wird. Dies ist pro «Zeiteinheitsgruppe» alle fünf Minuten der Fall.

Die Messe Luzern ist auch deshalb ein idealer Standort für ein Covid-19-Impfzentrum, weil die Hallen 3 und 4 sehr grossräumig sind – und für alle ein passendes Plätzchen bieten. Die Stimmung ist gelassen. Die Meisten freuen sich, dass sie sich endlich impfen lassen dürfen.

Wer zu seinem Termin aufgerufen wird, muss sich per Identitätskarte oder Pass ausweisen. Ein Zivilschützer und ein «Zivi» übernehmen diese Aufgabe.

Ein weiterer Posten auf dem Weg zur ersten oder zweiten Corona-Impfung ist geschafft.

Bis dahin gilt es noch 18 Treppenstufen zu meistern (oder den Umweg über eine rollstuhlgängige Rampe zu nehmen). Zivildienstleistende weisen freundlich und aufmerksam den Weg, helfen beim Treppengang oder tragen die Rollatoren nach unten. Die «Zivis» leisten im Impfzentrum als Militärdienstersatz einen ein- bis dreimonatigen Dienst. Zivilschützer stehen jeweils zwei Wochen im Einsatz.

Die nächste Station: eine kurze medizinische Vorabklärung beim sogenannten «Check-In».

Wie in einem noblen Restaurant empfängt Zivi Michael Brun die impfwilligen Seniorinnen und Senioren.

Der gelernte Serviceangestellte trumpft mit eleganten Gesten und viel Freundlichkeit auf und weist die Leute an einen freien Check-In-Schalter. In den ersten Tagen nach der Eröffnung teilte hier noch niemand die Impfwilligen ein – was dazu führte, dass praktisch alle zu den ersten Schaltern strömten, statt sich gleichmässig auf alle 16 zu verteilen. Pro Tag kommt Michael Brun auf rund 20 000 Schritte – vor und zurück, vor und zurück.

Pro Stunde wurden beim Zeitlupe-Besuch 175 Menschen geimpft. Apotherkerinnen und Apotheker ziehen die Spritzen im Akkord auf. Pro Stunde schaffen sie rund 50 Impfdosen. Ein Fläschchen reicht für zehn Spritzen. Präzision ist gefragt – dunkle Wände als Kontrasterweiterung helfen dabei. «Impfstoff nur stehend lagern!!!», steht auf den Kühlschränken, in denen die Impffläschchen gelagert werden. Wenige Meter daneben stapeln sich Schachteln, die von Hand mit Informationen wie etwa «Nadeln rot 1912 St.» beschriftet worden sind.

Hinter jeder Impfung stehen viele fleissige Helferinnen und Helfer, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Darunter auch viele Freiwillige.

16 Ärztinnen und Ärzte verimpfen in Impfkojen, die aus Trennwänden bestehen, wie man sie aus gewöhnlichen Messen kennt. Der abgebildete Arzt hat sich seine Koje mit zwei selbst ausgedruckten Ferienfotos etwas einladender gestaltet. An der Wand hängt ein Zettel: «Mittagspause 12.00 bis 12.30». Unter den Ärzten sind auch einige, die bereits pensioniert sind, sich aber für die Impf-Aktion zur Verfügung gestellt haben.

Nach wenigen Sekunden ist die Impfung geschafft. Und nach einer 15-minütigen Ruhepause und dem Abholen der Impfbescheingung gehts auch bereits wieder Richtung Ausgang – falls erwünscht auch mithilfe eines Zivis oder Zivilschützers.


Zeitlupe-Redaktorin Usch Vollenwyder (69) hat die erste Corona-Impfung bereits hinter sich – lesen Sie hier, weshalb Sie danach emotional aufgewühlt war.

Lesen Sie hier auch das Porträt über den 82-jährigen Albert Hersche, der zu den ersten gehörte, die sich im Kanton Appenzell Innerrhoden gegen das Coronavirus impfen liessen.

  • Frau Ursula Ehgartner-Seiler sagt:

    Der Rundgang durch die Impf-Anlage gefällt mir gut. Sie wird vielen Besuchern die Angst nehmen und sie werden beruhigt das Impfzentrum besuchen und sich das Stich-(li) machen lassen.

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