© Jessica Prinz

Der Glücksbringer-Teddy

Kürzlich fragten wir unsere Leserinnen und Leser, welches Erinnerungsstück sie über die Jahre aufbewahrt haben – und was sie damit verbindet. In einer losen Reihe zeigen wir nun einige dieser sorgsam gehüteten Schätze und erzählen die Geschichte, die dahinter steckt. Heute: der Teddybär von Elsbeth Haberbosch.

Von Jessica Prinz

Teddybären – so weit das Auge reicht. Schon beim Eingang zu Elsbeth Haberboschs Wohnung in Schinznach-Bad wird man von den kuscheligen Tieren begrüsst. Fasziniert von den bärigen Gesellen war die Aargauerin schon immer. Als sie ihren Mann kennenlernte, übertrug sich diese Begeisterung auch auf ihn.

In Reih und Glied kuscheln sich die Bären auf einer Truhe im Schlafzimmer aneinander, jeder erzählt seine eigene Geschichte. Einer musste einmal – «der Arme!» – im Schrank warten, bis ihn Elsbeth Haberbosch ihrem Mann schenken konnte. Zwei andere teilten mit dem Ehepaar, das immer viel zusammen unternahm, täglich das Bett. «Guet Nacht, liebi Mutze, schlofit guet», verabschiedeten sich Elsbeth und Jürg Haberbosch dann allabendlich von ihren Lieblingen. Und noch heute ziert das Grab von Jürg Haberbosch ein kleiner Teddybär mit ebendieser Aufschrift. Eigentlich hatte die 84-Jährige ihn ursprünglich in den Sarg legen wollen, jetzt sei sie aber froh, dass sie den Bären doch noch bei sich habe, sagt sie. Als Andenken an ihren verstorbenen Jürg.

Einer der wichtigsten Bären ist und bleibt aber Böbeli. Ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk ihres Ehemannes, das sie vor allem an die Engadiner Marathons begleitete: am Arm ihres Mannes, eingepackt in einen Plastiksack.

Elsbeth Haberbosch mit Glücksbringer-Teddy Böbeli.

Jürg sei ihr grösster Fan gewesen, habe sie an den Marathons angefeuert und auch sonst immer unterstützt. Obwohl er wegen seiner Arthrose sportlich schon früh nicht mehr mit ihr mithalten konnte, gönnte er seiner Frau die Freude am Sport. «Er hat sich immer gefreut, wenn ich von einer schwierigen Wanderung, einem Marathon oder einer Skitour nach Hause gekommen bin und von meinen Erlebnissen erzählt habe». Obwohl er sich jedes Mal schreckliche Sorgen um sie gemacht habe. «Daran habe ich aber gar nie gedacht», gesteht Elsbeth Haberbosch heute.

Früher habe ihr Mann manchmal, wenn sie traurig gewesen sei, zu ihr gesagt: «Nimm doch ein wenig den Bären. Der tröstet dich.» Umgekehrt habe sie «Böbeli» manchmal Jürg Haberbosch in die Arme gedrückt, wenn er wegen seiner Arthrose oder zuletzt im Pflegeheim Schmerzen hatte. So manches Mal sei der Teddy also emotional sehr wichtig für die beiden gewesen. Heute ersetzt er Elsbeth Haberbosch ein wenig den fehlenden Ehemann.

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