Wenn das Geld nur knapp reicht

Wer seine Ausgaben ständig nach möglichen Einsparungen überprüft und (wenn möglich) regelmässig etwas zur Seite legt, der kommt auch mit einem kleinen Budget über die Runden.

Viele neu Pensionierte merken rasch: Das Geld reicht knapp für den Lebensunterhalt. Das gilt besonders bei einem frühzeitigen Berufsausstieg. Die Renten aus AHV und Pensionskasse fallen niedriger aus. Selbst beim ordentlichen Übergang in den Ruhestand ist heute angesichts niedriger Zinsen und längerer Lebenserwartung mit laufend tieferen Leistungen aus der beruflichen Vorsorge zu rechnen. Natürlich verbessert privat angespartes Alterskapital, etwa mit der steuerbegünstigten Säule 3a, die finanzielle Situation. Nur ist das nicht für alle möglich. Studien zeigen, dass rund ein Drittel aller über 65-Jährigen in einem Einpersonenhaushalt mit weniger als 2500 Franken über die Runden kommen müssen. Oft sind es Rentnerinnen, abhängig einzig von der AHV, weil sie berufsbedingt keine oder nur eine kleine Pensionskassen-Rente beziehen.

Umso wichtiger ist es, frühzeitig einen Finanzplan zu erstellen. Zunächst sollte man sich einen Überblick zur individuellen Vermögens- und Vorsorgesituation verschaffen. Dazu gehören Kontoguthaben, Immobilien, Wertschriften sowie Vorsorgegelder aus AHV, Pensionskasse und Säule 3a. Entscheidend ist, ob man den bisherigen Lebensstandard auch im Ruhestand beibehalten will. Vor allem Reisen und Freizeitbeschäftigungen können rasch ins Geld gehen. In einem Budget geht es nun darum, den geschätzten Einkommensbedarf mit den Rentenleistungen aus AHV und Pensionskasse zu vergleichen. Wenn diese finanziellen Mittel nicht ausreichen, stellt sich die Frage, wie viel man zusätzlich vom Vermögen braucht. Eine Faustregel besagt: Die Renteneinkünfte sollten den Grundbedarf decken, der sich aus dem individuell erstellten Ausgabenbudget ergibt. Zur Finanzierung von Ferien und Freizeit wird demgegenüber die vorhandene Vermögenssubstanz angezapft.

Bei einem kleinen Budget lohnt es sich, die Ausgaben genauer zu betrachten. Sparpotenzial gibt es etwa bei der Krankenkasse, der Hausratsversicherung oder dem Internet-Abonnement. Für den Kleiderschrank sollte man nur kaufen, was wirklich für den täglichen Bedarf notwendig ist. Bei den übrigen Anschaffungen lässt sich mit Ausleihen statt Kaufen viel Geld sparen. Zudem entlastet der Umstieg vom Auto aufs Velo das Ausgabenbudget erheblich. Weitere kleine Sparideen: Für das Treffen mit Freunden werden Essen und Getränke zum Picknick-Platz mitgenommen, anstatt Kaffee und Zvieri im Restaurant zu bestellen. Neben den normalen Lebenshaltungskosten addieren sich gerade solche kleinen Ausgaben am Jahresende zu einem respektablen Betrag.

Wenn im Alter nicht viel Geld vorhanden ist, fällt das Sparen verständlicherweise schwer. Trotzdem ist es möglich. Je früher man beginnt, umso besser. Auch mit einem kleinen Haushaltsbudget sollte jeden Monat ein fixer Betrag zur Seite gelegt werden. Ideal ist die Überweisung von 10 Prozent der verfügbaren finanziellen Mittel auf ein separates Sparkonto oder in einen Spar- plan. Ganz nach dem Sprichwort: «Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.» Wie hoch der Sparbatzen auch immer ausfällt: Er vermittelt den Menschen mit kleinem Budget ein motivierendes Gefühl von Sicherheit.

Beitrag vom 07.02.2022
Kurt Speck

ist Wirtschaftswissenschaftler, Ex-Verleger und -Chefredaktor der Handelszeitung. Er publiziert zu Finanz- und Vorsorgethemen.

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