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Verlust und Trauer: Der Computer kann helfen

Ein neues Online-Selbsthilfeprogramm unterstützt Witwen und Witwer im Trauerprozess. Testen Sie es jetzt im Rahmen einer Studie.

Der Tod des Partners oder der Partnerin ist eines der einschneidendsten und belastendsten Erlebnisse, das einen im späteren Lebensalter trifft. Die meisten Betroffenen vermögen den Verlust nach einer gewissen Zeit selbst zu verarbeiten und die veränderte Lebenssituation so zu gestalten, dass ihnen wohl ist.

Viele wissen aber nicht, wie sie mit ihrer Trauer umgehen sollen. Etwa zehn Prozent der Betroffenen entwickeln eine anhaltende Trauerstörung: Sie fühlen sich weiterhin einsam, traurig oder deprimiert und leiden unter körperlichen Problemen wie etwa schlechtem Schlaf. Weil Betroffene häufig ihr Umfeld nicht mit ihrer anhaltenden Trauer belasten und keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollen, könnten Online-Selbsthilfeprogramme diese Lücke füllen.

In der Schweiz mitentwickelt

Ein Forschungsteam der Universität Bern und der Fachhochschule Nordwestschweiz hat an der Entwicklung eines solchen Internet-Selbsthilfeprogramms zur Trauerbegleitung mitgearbeitet. SOLENA soll ältere Witwen und Witwer in ihrem Trauerprozess begleiten und unterstützen. Derzeit wird es in einer Studie getestet: Betroffene, die gewisse Kriterien erfüllen, können kostenlos teilnehmen.

Das Programm SOLENA besteht aus zehn Kapiteln mit Lesestoff und Übungen, die in den Alltag integriert werden. Während mehrerer Wochen setzt man sich mit dem Verlust und den eigenen Reaktionen darauf auseinander. Dabei geht es um Themen wie Informationen über Trauerreaktionen oder um Möglichkeiten, wie man den Alltag sowie Gefühle und Gedanken positiv beeinflusst.

Im Vordergrund stehen einerseits die Akzeptanz des Verlustes sowie die Anpassung an die neue Lebenssituation. Man lernt, Stärken (wieder) zu finden und Möglichkeiten kennen, für sich selbst zu sorgen und positive Gefühle, Gedanken und Erlebnisse zu fördern. Ziel ist es, dass die Trauernden lernen, ein aktives, zufriedenes und sinnerfülltes Leben zu gestalten.

Lektüre, Übungen und E-Mails

Das Programm dauert zehn Wochen, wobei meist ein Kapitel pro Woche absolviert wird. Neben der Lektüre, Übungen und Tipps für den Alltag erhält man unterstützende E-Mails einer Psychologin der Universität Bern. Empfohlen wird, etwa sechzig Minuten pro Woche für das Programm aufzuwenden.

Teilnehmen können Witwen und Witwer, die ihre/n Partner/ vor mehr als einem Monat verloren haben und Unterstützung im Umgang mit Trauer und Verlust suchen. Neben Deutschkenntnissen sind ein Computer mit Internetzugang sowie die Bereitschaft nötig, während des Programms Fragebögen auszufüllen. Selbstverständlich kann die Teilnahme jederzeit abgebrochen werden.

Erforscht wird, wie gut das Programm Trauer, depressive Symptome und Einsamkeit reduziert. SOLENA basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und wurde speziell für ältere Erwachsene entwickelt. Es präsentiert seine Inhalte in einfach zu bedienender Form. Die Teilnehmenden leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung von Online-Selbsthilfeprogrammen zur Trauerbewältigung.

Vorsicht: SOLENA eignet sich nicht für Menschen, die sich in einer akuten Krise befinden oder schwere psychische oder körperliche Störungen haben, die sofort behandelt werden müssen.

SOLENA: Informationen, Ablauf, Anmeldung


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Beitrag vom 04.04.2022

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