Strohmuseum: Von Stroh zu Gold
Das Schweizer Strohmuseum in Wohlen AG pflegt seit 50 Jahren die Tradition des kunsthandwerklichen Strohflechtens und entwickelt sie weiter. Sein Jubiläum feiert es am 30. Mai mit einem Fest für Gross und Klein.
Kennen Sie «Klein-Paris»? So nannte man Wohlen im aargauischen Freiamt, das für zwei Jahrhunderte ein bedeutendes Zentrum der Strohflecht-Industrie war. Aus schlichten Strohhalmen flochten Bäuerinnen und Bauern feinste Zöpfe und Geflechte als Hutgarnituren, um der Armut zu entgehen. Was als kunstvolles Handwerk begann, wurde mit der Zeit immer stärker industriell verarbeitet und von den damaligen «Strohbaronen» bis nach Paris, London und New York exportiert. Stroh bescherte Wohlen einen wirtschaftlichen Aufschwung und machte es weltbekannt.


Um 1900 gab es im Kanton Aargau über 100 Strohfirmen, davon 31 direkt in Wohlen. Regionale Muster wurden streng gehütet und über mehrere Generationen weitergegeben. Nach dem ersten und vor allem dem zweiten Weltkrieg begann jedoch der Niedergang: Die Mode veränderte sich und die aufwändige Handarbeit konnte preislich je länger je weniger mit der internationalen Konkurrenz mithalten. (Lesen Sie hier die Erinnerungen einer Wohlenerin)
An die Blütezeiten der Strohindustrie erinnert das Schweizer Strohmuseum in der ehemaligen Fabrikantenvilla Isler, das vor 50 Jahren erstmals seine Tore öffnete. Der multimediale und interaktive Rundgang beginnt beim bäuerlichen Kunsthandwerk, geht weiter über die frühe industrielle Massenproduktion für den launenhaften internationalen Modemarkt und schliesslich bis zum Niedergang der Industrie im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Kinder und Jugendliche können das Museum mit speziellen Programmen kennenlernen. Das Schweizer Strohmuseum, der Verein «stroh-in-form» sowie die Schweizerische Strohstiftung pflegen die Tradition des kunsthandwerklichen Strohflechtens bis heute und entwickeln sie weiter.

Schweizer Strohmuseum, Bünzstrasse 5, 5610 Wohlen. Mittwoch bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 12 bis 17 Uhr.
- Dauerausstellung zur Geschichte der Aargauer Strohgeflechtindustrie
- Jubiläumsfest am Samstag, 30. Mai 2026 ab 14 Uhr
- Sonderausstellung «Prix Paille – aus der Sammlung in die Gegenwart»: 30. Mai 2026 bis 25. April 2027
- Kursprogramm zu den vielseitigen Techniken der Strohverarbeitung
- Führungen: Kostenlose Führung durch die Dauerausstellung immer am ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr
50 Jahre Schweizer Strohmuseum am 30. Mai 2026
Zum 50-Jahr-Jubiläum des Schweizer Strohmuseums steigt am 30. Mai ein grosses Fest mit einem bunten Programm. Mitglieder des Vereins «stroh-in-form» zeigen traditionelle Flechttechniken. In der Strohwerkstatt können Gross und Klein Freiämter Flechttechniken selbst kennenlernen. Führungen blicken auf 50 Jahre Strohmuseum zurück und Zeitzeug:innen erinnern sich. Kinder können Park und Museum auf einer Schnitzeljagd entdecken. Festansprachen halten unter anderem Susanne Wille, Generaldirektorin SRG, und Regierungsrätin Martina Bircher. Das Abendprogramm bestreitet ab 19 Uhr Nicole Bernegger mit Soul und Pop.
«Prix Paille»: Sonderausstellung ab 30. Mai
Am Festtag eröffnet auch die neue Sonderausstellung zum «Prix Paille», den das Schweizer Strohmuseum zu seinem Jubiläum initiiert hat. Der mit 12’000 Franken dotierte Wettbewerb lud Gestalter:innen aus Kunst und Design ein, sich mit der Hutgeflechtindustrie und der Sammlung des Museums auseinanderzusetzen und daraus eigenständige, zeitgenössische Arbeiten zu entwickeln. Die 15 in der Ausstellung präsentierten Projekte zeugen von einer intensiven Beschäftigung mit dem Material Stroh und der Geschichte seiner Verarbeitung.