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Surprise, Surprise – Straaaassemagazin!

Das Berner Kornhausforum widmet den Strassenzeitungen und deren Verkäuferinnen und Verkäufern aus aller Welt eine Ausstellung.

Text: Marc Bodmer

Man trifft sie überall an – besonders auf belebten Strassen, Plätzen, in der Nähe von Bahnhöfen und Einkaufszentren. Mit ihren roten Westen sind die Suprise-Verkäuferinnen und -Verkäufer nicht zu übersehen. Manche stehen still da und halten das Heft vor sich, andere ahmen die Zeitungsverkäufer von einst nach und rufen statt «Extrablatt, Extrablatt!» nun «Surprise, Surprise – Straaaassemagazin, frisch ab Presse!» Vom Verkauf des Strassenmagazins erhalten sie die Hälfte des Preises von acht Franken und verdienen so ihr Geld.

«Das Konzept wirkt auf den ersten Blick simpel», schreibt Rebecka Domig in der Anfang Mai erschienenen Nr. 574 von Surprise. «Wie faszinierend, dass diese Idee nicht nur in Bern, Basel oder Zürich funktioniert, sondern auch in Dortmund, Skopje, Belgrad, Oklahoma City, Rio de Janeiro, Kapstadt, Taiwan oder Sydney!» Zusammengeschlossen im internationalen Netzwerk von Strassenzeitungen sind heute 92 «Street Papers» in 35 Ländern und 25 Sprachen.

Menschen in Ausstellungen – ausgestellte Menschen?

Die Kunsthistorikerin Rebecka Domig hat für das Kornhaus-Forum in Bern die Ausstellung «Wie Strassenzeitungen Leben verändern – How Street Papers Change Lives» kuratiert. Dabei sah sie sich mit einer Herausforderung konfrontiert: «Es macht keinen Sinn, eine Ausstellung über Strassenzeitungen zu machen, ohne über die Menschen zu sprechen.» Doch die Objektivierung von Menschen im Rahmen von Ausstellungen hat eine problematische Geschichte. Und: «Im Ausstellungsraum wird jedes Thema zum Ding und jede Lebensgeschichte zum Objekt, das von den Besucherinnen und Besuchern nach Lust und Laune begutachtet wird.» 

Sich dieser Problematik und der Vorgeschichte bewusst, hat sich Rebecka Domig trotzdem dafür entschieden, Porträts und Geschichten von Strassenmagazin-Verkäuferinnen und -Verkäufern aus der ganzen Welt mit deren Einverständnis zu zeigen. «Es sind wertschätzende Einblicke in Lebenswelten, die in vertrauensbasierten Situationen entstanden sind und journalistischen Standards entsprechen. Durch die Geschichten lässt sich eindrücklich nachvollziehen, wie gesellschaftliche Mechanismen dazu beitragen, dass Menschen in die Armut gedrängt werden.» Und das geschieht selbst in der Schweiz schneller und öfter als man denkt.

«Wie Strassenzeitungen Leben verändern», bis 3.8.24, Kornhausforum, Kornhausplatz 18, Bern, Eintritt frei.


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Beitrag vom 27.05.2024

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