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Tschüss Whatsapp! Hallo …?

Mit der erneuten Änderung der allgemeinen Geschäftsbedingungen von Whatsapp hat sich Mutterfirma Facebook keine Freunde geschaffen. Zeit für viele, sich eine neue Messenger-Plattform zu suchen.

Von Marc Bodmer

Von Beginn weg stand die kostenlose Messenger-App Whatsapp in der Kritik. Dies unter anderem, weil sie einfach zu hacken und der Schutz der Privatsphäre lausig war. Dennoch vermochte sie sich durchzusetzen, denn im Vergleich zu den SMS, die jedes Mal ein paar Rappen kosteten, waren die Kurzbotschaften via Whatsapp gratis. Dazu kamen noch Möglichkeiten wie das Erstellen von Gruppen, in denen man sich im eigenen Kreis einfach austauschen konnte. Diese Option wurde besonders bei Familien, Firmen, Sportvereinen und Schulen beliebt.

Anfang 2021 erschien beim Öffnen von Whatsapp ein Hinweis, dass die Nutzungsbestimmungen geändert werden. Wer diese nicht bis zum 8. Februar 2021 akzeptiere, könne die App künftig nicht mehr benutzen. Solche einseitigen Aufforderungen gibt es immer wieder; meistens werden sie ohne zu überlegen weggeklickt. Man will schliesslich das Angebot nutzen und sich nicht durch rund zehn Seiten verklausuliertes Juristendeutsch kämpfen, um am Ende doch nicht genau zu verstehen, worum es eigentlich geht.

Die Kurzfassung der Mitteilung vom 8. Februar bedeutet, dass Facebook, die Whatsapp im Februar 2014 für 19 Mia. US-Dollars kaufte, den Messenger-Dienst näher in ihr soziales Netzwerk einbinden will. Die offizielle Begründung lautet schöngeredet, dass die Dienstleistungen gegenüber den Kundinnen und Kunden dadurch verbessert werden. Kein Wort davon, dass Facebook einst versprochen hatte, gerade diesen Schritt nicht zu tun.

Der Monopolist wappnet sich

Es gibt verschiedene Gründe für diesen Schritt: Zum einen erwartet Facebook, dass mehr Nutzerinnen und Nutzer direkt aus Whatsapp Einkäufe bei Firmen tätigen möchten. Das soll durch die Änderung der AGB erleichtert werden. Es bedeutet aber auch, dass die Daten, die von Whatsapp gesammelt werden, künftig auch zu Facebook fliessen. Die Trennung zwischen Facebook und Whatsapp wurde bereits 2016 aufgeweicht, mit der Begründung, dass Spam so effizienter bekämpft werden könne und die Freundschaftsempfehlungen verbessert würden. Damals gab es noch die Möglichkeit, auf diese «Verbesserung» zu verzichten. Dieses Mal gibt es nur eine Entweder-oder-Option.

Zum anderen droht Facebook von verschiedener Seite Ungemach. In den USA sind Vorstösse im Gange, um die Machtposition von Facebook zu zerschlagen, umfasst doch der Konzern Facebook (2.6 Mia. Nutzer/Tag), Whats-App (2 Mia. Nutzer) auch Instagram (1.1 Mia. Nutzer). In Europa läuft ebenfalls eine Untersuchung gegen den Monopolisten. Wenn nun Facebook Whatsapp stärker ins Firmengefüge einbindet, wird eine von staatlicher Seite angestrebte Trennung erheblich schwieriger werden.

Die beliebtesten sozialen Netzwerke, in Millionen. Stand Oktober 2020. © Statista

Keine Begeisterung

Der Schritt von Facebook, Whatsapp und damit dessen gesammelte Daten verstärkt zu nutzen, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das ursprüngliche Ultimatum vom 8. Februar wurde in der Folge auf den 15. Mai verlängert.

Doch was heisst das nun für Whatsapp-Nutzerinnen und -Nutzer? Betrachtet man es etwas zynisch, kann man sagen, dass sich für sie nicht viel ändert. Facebook hat schon in den vergangenen fünf Jahren die Daten der Messenger-Nutzerinnen und -Nutzer ausgewertet. Jetzt geht der Monopolist einfach einen noch einen Schritt weiter, was ihm helfen wird, ein allumfassendes Nutzerprofil für Werbekunden zu erstellen. Kurz: Jetzt ist für alle, die das nicht wollen, ein guter Zeitpunkt, um sich von Whatsapp zu verabschieden und sich einem Angebot zuzuwenden, das nicht zu einer Datenkrake gehört wie Facebook.

Alternativen zu Whatsapp

Es bieten sich gemeinhin drei Messenger-Apps an, die – wie immer – ihre Vor- und Nachteile haben:

Signal: Tesla-Chef Elon Musk und Whistleblower- und Cybersicherheitsexperte Edward Snowden unterstützen Signal, der gemeinhin als der sicherste Messenger-Dienstleister gilt. Ironischerweise wurde Signal vom ehemaligen Whatsapp-Mitgründer Brian Acton und dem amerikanischen Kryptografen Moxie Marlinspike gegründet.
Vorteile: kostenlos, sehr sicher, open-source Software.
Nachteile: Noch kleine Nutzerzahl im deutschsprachigen Raum, die aber stark wächst. Handy-Nummer erforderlich.
Preis: gratis.
Plattformen: iOS / Android. Download



Telegram: Auch schon eine Weile auf dem Markt ist die russische App Telegram, die auf PC, Tablets und Smartphones funktioniert. Die App gilt als sicher, ist aber in Verruf gekommen, weil sie gerne von Verschwörungstheoretikern und Rechtsradikalen genutzt wird.
Vorteile: kostenlos, gute Verbreitung im deutschsprachigen Raum.
Nachteile: Unerwünschte Klientel, Handy-Nummer erforderlich.
Preis: gratis.
Plattformen: iOS / Android. Download


Threema: Das stärkste Verkaufsargument neben der hohen Sicherheit von Threema ist, dass die App in der Schweiz entwickelt wurde und sich der Datenschutz nach den lokalen Vorschriften orientiert. Viele Leute schrecken vor Threema zurück, weil der Messenger CHF 3.– kostet. Für diesen Preis bekommt man indes keinen Kaffee im Restaurant.
Vorteile: Relativ gut verbreitet im deutschsprachigen Raum, sehr sicher.
Nachteile: Nicht komplett open-source, kostenpflichtig.
Preis: CHF 3.–
Plattformen: iOS / Android. Download

Noch mehr Infos hier beim Fachmagazin Chip.

Eine Auswahl an praktischen Apps – von der Kundenkarte bis zum Sackmesser –, finden Sie hier.

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