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Das Smartphone als Statussymbol

Das Smartphone ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. War es lange Zeit gang und gäbe, alle Jahre das Handy zu wechseln, so zeigen sich nun zwei Trends: längere Nutzungsdauer und der Kauf von teureren Geräten. Die Zeitlupe hat die neue iPhone-Generation unter die Lupe genommen.

Portrait von Marc Bodmer
Marc Bodmer,
Zeitlupe-Redaktor
© Jessica Prinz

In Vorbereitung zu diesem Artikel habe ich mich vermehrt auf die Handy-Modelle geachtet, die mir im Freundeskreis, aber auch unterwegs in den öffentlichen Verkehrsmitteln vor die Augen kommen. Auffällig ist dabei – und das ist nicht neu –, dass der Prozentsatz an Apple-Geräten in der Schweiz hoch ist. Das bestätigt auch die Comparis-Smartphonestudie 2021: Die Handys des amerikanischen Unternehmens werden klar bevorzugt. So legt der Marktanteil von 42,6 Prozent (2019) auf 46,6 Prozent im vergangenen Jahr zu. Sprich: Fast jedes zweite Smartphone in der Schweiz ist ein iPhone. Oder anders gesagt: Unter den 10 beliebtesten Geräten sind 7 iPhones. Bei den über 55-Jährigen steigt die Zahl der Samsung-Nutzenden auf fast 38 Prozent (Gesamtmarkt: gut 32 Prozent).

Besonders von Frauen und einem jüngeren Publikum werden die Smartphones aus Cupertino, Kalifornien, geschätzt. Dazu sagt der in der Comparis-Studie zitierte Digitalexperte Jean-Claude Frick: «Der Kult um Apple-Smartphones trifft vor allem bei der jüngeren Zielgruppe einen Nerv. Dazu kommt das riesige Zubehörangebot, welches so bisher nur Apple bietet.» Der Markenkult schwindet mit zunehmendem Alter. So kennen Menschen ab 55 Jahren wohl noch die Hersteller ihres Geräts, aber nur jede fünfte Person weiss, welches Modell genutzt wird.

Gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte in Deutschland telefonieren nur noch knapp 30 Prozent täglich mit dem Smartphone, während die Nutzung von Messaging-Apps wie Whatsapp, Threema und Signal sowie E-Mail steigt. Durch diese Veränderungen werden auch die Anforderungen an die Geräte geprägt. Wer vermehrt auf dem Handy schreibt, spielt oder Videos schaut, wünscht sich einen grösseren Bildschirm und vor allem eine längere Akku-Laufzeit.

Ärgerliches beim Handy

Betrachtet man die Kriterien vor dem Kauf eines neuen Smartphones so zeigt sich gemäss einer Umfrage in Deutschland folgendes Bild: 1. Robusteres Bildschirmglas, 2. Verarbeitungsqualität und 3. Akkulaufzeit. Auch in der Schweiz ist die Akkulaufzeit das grösste Ärgernis im Handy-Alltag. «Immer ausgefeiltere Technik, bessere Kameras und hochauflösende Bildschirme brauchen viel Strom», sagt denn auch Jean-Claude Frick von Comparis.

Auf die Kundenwünsche hat Apple mit der jüngsten iPhone-Generation reagiert. Längere Batterielaufzeit ist zwar kein derart attraktives Attribut wie ein Bildschirm, dessen Auflösung fast unsere Wahrnehmungsfähigkeit übersteigt, aber doch ein Kaufargument. Gemäss Apple wurde die Akkulaufzeit bei den aktuellen iPhones um 2,5 Stunden verlängert. Wer wie ich zwar auf dem Handy Games spielt, Musik hört, telefoniert und SMS verschickt, kommt mehrere Tage mit der gleichen Ladung aus. Anders sieht es beim Einsatz von Streaming-Diensten wie Netflix oder Apps aus, die die ständig auf die Standortdaten zurückgreifen. Diese Programme verbrauchen berüchtigt viel Strom.

Die Widerstandskraft des Ceramic Shield

Neben der iPhone-Dichte fiel mir bei meinem kleinen Feldexperiment auf, dass viele der in Gebrauch stehenden Bildschirme von Handys entweder einen Sprung haben oder hässlich zersplittert sind. Das ist nicht weiter verwunderlich bei einem Gerät, das über 96 Prozent der Bevölkerung auf sich trägt und nicht immer sorgfältig behandelt. Sie werden in die Gesässtasche verstaut, was die Nutzenden aber nicht daran hindert, sich hinzusetzen. Die Folge davon: Die Handys werden verbogen, das Glas unter Spannung gesetzt. Beliebt ist auch, das Smartphone lässig in die Brusttasche des Hemdes zu schieben, was oft damit endet, dass es in der WC-Schüssel baden geht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Display Schaden nimmt, wächst mit dem Gewicht. Die jüngste Pro-Generation von Apple ist auch die schwerste. So wiegt das «normale» Pro 204 Gramm, während der Max-Bruder volle 240 Gramm auf die Waage bringt. Wenn ein solches Gerät vom Schreibtisch auf den Boden donnert, dann – passiert nichts. Das Ceramic Shield ist in der Tat das härteste Glas, das in Handys verbaut wird und nicht bloss ein Marketing-Hype. Eingefasst wird es von einem Band aus Chirurgenstahl. Die Kombination scheint recht widerstandsfähig. Wer mag, kann sich schmerzhafte Drop-Tests hier anschauen:

Drei Kameras mit Telefon

Natürlich kauft niemand ein Handy, weil der Akku mehr Pfupf hat oder das Display nicht gleich beim ersten Absturz zerspringt. Da muss schon noch mehr geboten werden. In Zeiten von Corona, Home Office und Videokonferenzen kommt der Kamera und der Tonübertragung mehr Bedeutung zu. Hersteller wie Apple haben das Augenmerk auf die Fähigkeiten der Kamera gerichtet, denn die Möglichkeit, Momente auf Video zu bannen oder als Fotografie festzuhalten, ist ungeheuer reizvoll – insbesondere ausserhalb der Arbeitswelt.

In den letzten Jahren hat die Qualität der eingebauten Kamerasysteme der iPhone-Pro-Serie beeindruckende Fortschritte gemacht. Lange waren Aufnahmen bei mässigen Lichtverhältnissen mit dem Handy ein Ding der Unmöglichkeit. Dank des Nachtmodus’ sind mit den neueren iPhones auch stimmige Aufnahmen bei prekären Lichtverhältnissen möglich. Seit der 11. Generation lassen sich in der Nacht Bilder von Feuerwerk schiessen, welche die Schönheit des Spektakels wiedergeben. Laufend wurde an den Linsensystemen gearbeitet, herausgekommen ist eine Kombination von drei Kameras mit folgenden Werten: Telebrennweite ƒ/2.8, Weitwinkelbrennweite ƒ/1.5 und Ultra-Weitwinkel mit einer Brennweite von ƒ/1.8. Sie ist deutlich lichtstärker (laut Apple um 92%) geworden und verfügt über einen Autofokus.

Für Blumenfreundinnen und andere Detailversessene bietet das 13er Pro neu eine Makrofunktion, die sich automatisch einschaltet, wenn man sich einem Objekt nähert. Diese Makrofunktion ist auch nützlich im Alltag, macht sie doch Dinge sichtbar, die von blossem Auge kaum zu erkennen sind. Sprich: Sie funktioniert wie eine Lupe und zwar mit hell erleuchtetem Bildschirm! So lassen sich auch Menues in romantischem Kerzenlicht gut entziffern.

Das iPhone denkt mit

Unterstützt werden die Fotokameras durch künstliche Intelligenz. Das heisst, was die Linsen nicht auf die Reihe kriegen, rechnet die Software hoch. Angetrieben wird diese von einem Chip, der – gemäss Apple – schneller ist, als alles, was die Konkurrenz derzeit zu bieten hat. Gerechnet wird zum Beispiel, wenn bei einem Porträtbild der Hintergrund «verschwommen» wirkt, um das Gesicht im Vordergrund zu betonen. Dieser sogenannte Bokeh-Effekt wird künstlich hergestellt und kommt der optischen Hintergrundunschärfe nahe, wenn auch im Detail (wie zum Beispiel bei Haaren im Gegenlicht) Unterschiede feststellbar sind.

Die künstliche Intelligenz greift auch bei meinem Lieblingsfeature ein, dem oben erwähnten Nachtmodus. Hier werden bei schwachen Lichtverhältnissen mehrere Aufnahmen ohne Blitz gemacht und zu einem möglichst guten zusammengefügt. Dadurch wird das Verwackeln bei längeren Belichtungszeiten ausgeglichen. Unscharfe Stellen auf dem einen Bild werden durch scharfe der anderen Aufnahme ersetzt. Der lernfähige Algorithmus optimiert Kontrast und Farben zu einem Resultat, das sich meist sehen lassen kann. Mehr zu den Kamerafunktionen findet sich hier.

Die Freude einer Oscar-Gewinnerin

Wenn an Geburtstagen gesungen und gefeiert wird, wenn der Beginn einer jungen Pianisten-Karriere ansteht, dann reichen Bilder nicht aus, um die Freude einzufangen. In solchen Momenten ist Video die Wahl, um Erinnerungsmomente festzuhalten. Doch statt einfach drauf zu halten, bietet die jüngste iPhone-Generation eine spannende Option, den Kinomodus. Hier kann während des Filmens der Fokus der Kamera gewählt werden. So kommt mehr Dynamik ins Video und bereitet den Weg, um eine Geschichte zu erzählen.

Solche Fokusfolgen gleich während des Drehs zu bestimmen, ist anspruchsvoll. Oft handelt es sich um eine spontane und nicht um eine eingeübte Situation wie beispielsweise eine Theateraufführung, deren Proben man bereits verfolgt hat und deshalb den Ablauf kennt. Darum erlaubt das iPhone 13 eine Nachbearbeitung von Videos bis hin zu Fokusveränderungen bei Aufnahmen im Kinomodus. In den Händen von Profis wie der zweifachen Oscar-Gewinnerin Kathryn Bigelow sieht es dann so aus:

Nun mag man sich berechtigterweise Fragen: Brauche ich Kamerafunktionen wie den Kinomodus, der Oscar-Preisträgerinnen und Kameraprofis in Ekstase versetzen, wenn ich den zweiten Geburtstag meines Neffen filme? Wie so oft lautet die Antwort: Kommt drauf an. Wer gerne und viele Videos macht, kommt früher oder später an den Punkt, dass er oder sie die Qualität ihrer Aufnahmen verbessern möchte. Man wird – in der Regel – kritischer, weil man aus der Flut eine Auswahl treffen muss, schon nur aufgrund der limitierten Platzverhältnisse. Vom iPhone 13 Pro gibt es ein Modell mit einem Terabyte Speicherplatz; das macht sich aber auch im Preis deutlich bemerkbar: CHF 1737.–.

In mancher Hinsicht bieten die Modelle iPhone 13 Pro und Pro Max Qualitäten, die bis anhin (semi-)professionellen Foto- und Filmkameras vorbehalten war. Der grosse Unterschied: «Die Funktionen der iPhones sind ausgereift, die Kameras gut und idiotensicher», sagt Comparis-Digital-Experte Jean-Claude Frick. Dieser Aussage habe ich eigentlich nichts beizufügen, ausser: Durch das auffällige Drei-Kamera-System ist auch für Laien sofort erkennbar, um welches iPhone es sich handelt, wenn es demonstrativ auf den Tisch gelegt wird. So gewinnen die Pro-Modelle auch laufend als Statussymbole an Bedeutung.

Nur teuer oder eine Investition?

Wie kaum eine andere Firma vermag Apple Begehrlichkeiten zu wecken, aber bei der aktuellen Smartphone-Generation wurde in erster Linie auf Wünsche der Kundinnen und Kunden Rücksicht genommen. Das dürfte mit ein Grund sein, warum keine revolutionären neuen Features integriert wurden. Vielmehr wurde in vielen Belangen bereits Gutes optimiert und insbesondere das Kamerasystem auf ein Niveau angehoben, das in manchen Fällen mit $5000 teuren Spiegelreflexkameras mithalten kann, wie dieser Test zeigt.

In Anbetracht dessen relativiert sich der hohe Preis der beiden Flaggschiffe iPhone 13 Pro (ab CHF 1129.–) und Pro Max (ab CHF 1229.–). Und im Vergleich zur klobigen Fotokamera ist das Handy stets zur Hand. Für Apple dürfte die Rechnung aufgehen, denn immer Leute sind bereit, CHF 800.– oder mehr für ihre digitalen Begleiter auszugeben. Und: Der Investition in Spitzentechnologie kann mit einer längeren Nutzungsdauer Rechnung getragen werden. Gemäss Comparis-Studie ist der Anteil der Personen, die ihr Handy vier oder mehr Jahre nutzen wollen, von 32,8 Prozent 2019 auf 39,1 Prozent 2021 angestiegen. Vor allem ältere Personen wollen ihre Smartphones mehr als vier Jahre nutzen. Das macht nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch Sinn.

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