Helfen Sie dem Frühling etwas nach!
Der Lenz liegt wieder in der Luft. Diese zwölf Ausflüge führen Sie an Orte, wo sich die schönste Jahreszeit oft früh zeigt und besonders charmant gibt.
Text: Franz Ermel, Annegret Honegger, Maximilian Jacobi, Monica Müller
Schmuckstück im Süden
Gandria TI
Den Sentiero di Gandria bin ich schon als kleines Mädchen mit meinem Nonno spaziert und nun flaniere ich mit meinen Eltern und Kindern hier entlang. Der Spaziergang bietet eine wunderbare Aussicht auf den Luganersee und die umliegenden Berge. Dank eines besonders warmen Mikroklimas blüht hier alles früher als sonst wo – und es riecht immer nach Süden. Nach der ersten Bucht kann man wählen, ob man auf dem Hauptweg dem Ufer entlang bleibt oder die Abzweigung zum Olivenbaumweg einschlägt. An den Hängen des Monte Brè wachsen ausser Oliven auch Zypressen, Myrten, Lorbeer, und im Frühling sind die Wiesen ein einziges Blumenmeer. Das Ziel ist immer Gandria, eines der malerischsten Dörfer am Luganersee, dessen pastellfarbene Häuser sich aneinanderschmiegen und das sich wundersam im See spiegelt. (mom)
- Ab Lugano mit dem Auto oder Bus zum Parkplatz San Domenico in Castagnola. Der Rückweg zu Fuss oder mit dem Schiff.
www.zeitlupe.ch/gandria

Zartes Farbenmeer
Basel BS
Claude Monets Werk «Der Steg über den Seerosenteich» katapultiert einen bei jedem Wetter direkt in den Frühling: Smaragdgrün, zitronengelb und zartrosa flirren die Farben. Der Teich ist von Seerosenblättern und Blüten übersät, im Wasser bilden sich üppige Bäume und Sträucher sanft ab.
- Ab Basel SBB Bahnhof mit Tram 1 oder 2 bis «Kunstmuseum Basel» oder 15 Minuten spazieren. Das Werk ist Teil der permanenten Sammlung.
www.kunstmuseumbasel.ch

Stachlige Kugeln und meterhohe Kerle
Zürich ZH
Zürich beherbergt die artenreichste Sukkulenten-Sammlung der Welt. In den Gewächshäusern und im Steingarten der «Sukki» gedeihen mehr als 4400 verschiedene Arten und insgesamt mehr als 20 000 Kakteen und Sukkulenten. Mitte März bis Mitte April entwickeln sie bunte Blüten – oft überraschend in Form und Farbe.
- In Zürich mit dem Bus 161 oder 165 bis «Sukkulentensammlung» oder mit dem Tram 7 bis «Brunaustrasse», anschliessend fünf Minuten Fussweg.
www.stadt-zuerich.ch/sukkulentensammlung

Im Baumparadies
Aubonne VD
Im Aubonne-Tal liegt der grösste gestaltete Landschaftspark der Schweiz mit über 4000 Bäumen und Sträuchern aus aller Welt. Unter anderem ist da ein Wald mit amerikanischen Mammutbäumen, ein Hain mit japanischen Kirschbäumen und ein Feld mit heimischen Heckenrosen. Ein Unikum ist auch der Obstgarten, der insgesamt rund 260 alte, meist vergessene Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumensorten beherbergt.
- Anreise via Bahnhof Aubonne oder Rolle, von dort mit dem Postauto (Linie 725) bis zur Haltestelle «Arboretum»
www.arboretum.ch

Im Frühling schon am Sommer schnuppern
Poschiavo GR und Tirano (Italien)
Der Weg ist das Ziel: Ich mag die Zugfahrt vom Berninapass hinunter ins Puschlav deshalb so sehr, weil sie eigentlich immer eine Reise in eine andere Jahreszeit ist – im Herbst reist man zurück in den Sommer, im Winter in den Frühling und im Frühling schon wieder in den Sommer. Auch wenn die Fahrt lang ist, die Strecke – sie zählt zu Recht zum Unesco-Welterbe – ist kurzweilig, und die Abfolge der unterschiedlichsten Landschaften von hochalpin bis mediterran ist eindrücklich. Ich steige gerne schon in Poschiavo aus, wo man vom Bahnhof in 10 Minuten auf der Piazza Comunale mitten im Zentrum steht. Nicht verpassen: die schönen Zuckerbäcker-Palazzi mit ihren herrschaftlichen Gärten am Rand der Altstadt. Wer mag, fährt noch weiter und erreicht nach 40 Minuten das quirlige Städtchen Tirano, das bereits im Veltlin liegt. Die Altstadt erreicht man zu Fuss in gut 10 Minuten. Sie liegt auf der anderen Seite der Adda. (erf)
- Von Chur mit der RhB auf der Albulastrecke ins Engadin und weiter auf der Bernina-Strecke ins Puschlav. Umsteigen in Samedan/Pontresina oder St. Moritz.

Auf Adams Spuren
Altnau TG
Leicht erhöht und direkt am Bodensee gelegen hat Altnau mehr Apfelbäume als Einwohner – und einen herrlichen Blick auf den Bodensee. Der idyllische Altnauer Apfelweg zeigt, wie wichtig der Obstanbau seit Generationen für das Dorf ist. Ein Abstecher zum Altnauer Steg lohnt sich: Er ragt mit seinen 270 Metern am weitesten in den Bodensee und wird deshalb auch liebevoll «Eiffelturm vom Bodensee» genannt.
- Der Ausflug kann bequem am Bahnhof Altnau starten, die Strecke eignet sich auch gut für eine Velo-Tour.
www.zeitlupe/apfelweg

Turmherr oder -frau für einen Tag
Rapperswil SG
Auf einem Felssporn hoch über dem Städtchen thront Schloss Rapperswil. Ein Rundgang im Inneren führt auf eine fantastische Zeitreise durch seine 700-jährige Geschichte. Vom Gügelerturm aus eröffnet sich eine atemberaubende Rundum-Aussicht, über den Zürichsee, die umliegenden Rebberge und die verwinkelten Gassen des Städtchens. Diese laden zum Bummeln und Erkunden ein.
- Mit der S 5, S 7, S 15, S 26 oder S 40 von Zürich HB bis Rapperswil. Vom Bahnhof sind es zu Fuss 10 Minuten zum Schlosshügel.
www.schlossrapperswil.ch

Halbinsel auf Zeit
Lac de la Gruyère FR
Die Île d’Ogoz im Lac de la Gruyère ist eine hübsche kleine Insel mit Ruinen zweier Burgen. Im Frühling kann man die Insel für wenige Wochen über eine Kiesbank zu Fuss erreichen. Denn der Greyerzersee ist ein Stausee und nach dem Winter wird der Spiegel gesenkt, um das Wasser aus der Schneeschmelze aufzufangen.
- Anreise via Bahnhof Fribourg, mit dem Bus 336 bis zur Haltestelle Le Bry Village, von dort aus dem ausgeschilderten Wanderweg folgen.
www.zeitlupe.ch/ogoz

Mini-Safari
Mönchaltorf ZH
Wer erspäht die «Little Big Five» Hermelin, Haubentaucher, Kleiner Moorbläuling, Laubfrosch und Elritze? Oder den seltenen Eisvogel mit seinem blau schillernden Gefieder? Die Naturstation Silberweide bietet Natur pur am Greifensee: Auf dem Erlebnispfad und im Besucherzentrum Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume entdecken, aus der gut getarnten Hütte Vögel beobachten, mit den Enkeln den naturnahen Abenteuerspielplatz erkunden – oder einfach sitzen und die Natur auf sich wirken lassen. Am 28. März startet die Saison.
- Anreisetipp für Wandernde: Die Naturstation Silberweide liegt an der neuen Via Natura, welche die schönsten Landschaften, Naturphänomene und Naturzentren im Kanton Zürich verbindet. www.vianatura.zuerich
- Bus 842 ab Uster bis Riedikon, Chis/Naturstation plus zehn Minuten zu Fuss.
www.silberweide.ch, Tel. 044 942 18 74

Ein Fest für die Sinne
Locarno TI
Im Kamelienpark Locarno wachsen fast 1000 Kamelienarten. Ihre zartrosa bis dunkelroten Blüten markieren das Ende des Winters. Vom 18. bis 22. März findet die Kamelienschau Locarno mit Rahmenprogramm statt. Der 15 000 Quadratmeter grosse Park am Lago Maggiore lädt aber auch ausserhalb der Ausstellungstage zum Flanieren ein.
- Ab Bahnhof Locarno mit dem kostenlosen «Camelie Bus» bis zum Kamelienpark.
Mit RailAway gibts 20 Prozent Rabatt auf die Ausstellung.
www.zeitlupe.ch/kamelien

Insel-Hopping
Stresa (Italien)
Die Borromäischen Inseln im Lago Maggiore bieten mediterranes Flair, prächtige Paläste und Gärten in einem. Mit dem Boot lassen sich die drei Hauptinseln Isola Bella, Isola Madre und Isola dei Pescatori in einem Tag erkunden: Die Isola Bella ist bekannt für den prunkvollen Palazzo Borromeo und die barocken Terrassengärten, durch die weisse Pfauen schreiten. Auf der Isola Madre gibt es eindrückliche exotische Pflanzen zu entdecken. Die Isola dei Pescatori schliesslich lädt zu einer Mittagspause in einem der Fischrestaurants ein.
- Über Domodossola mit dem Zug nach Stresa, auf der Piazza Marconi sind Hop-on-/Hop-off-Bootstickets erhältlich.
www.isoleborromee.com/de

Mein Freund, der Gletscher
Rosenlaui BE
Seit Jahrzehnten schleppt meine Familie Verwandte und Bekannte aus dem Ausland her, als wäre die Berglandschaft eine Begründung: «Seht, darum leben wir in der Schweiz.» Wir nannten ihn «den grossen Laui», nachdem der Junge einer Freundin ihn so taufte, weil er «Rosenlaui» falsch verstanden hatte. In der Gletscherschlucht erzählte ich meinen ersten Wortwitz auf Englisch, einem britischen Kollegen meines Vaters, ich zeigte auf die Felsbrocken, um die das Wasser toste und brüllte: «The rolling stones.» Er nickte höflich. Als junger Mann zeltete ich unterhalb der Mondlandschaft, die das Gletschereis zurückliess. Am Morgen wärmte ich mich an einem Kaffee im Jugendstilhotel am Fusse des Berges, in dem die Glühbirnen flackern, weil der Strom im Gebirgsbach erzeugt wird. Bald werde ich ihn meiner Tochter vorstellen, den «grossen Laui». (mja)
- Ab Meiringen mit dem Auto oder Postauto
zum Rosenlaui-Hotel. Das Postauto fährt erst ab Mai.
www.rosenlauischlucht.ch

Gemeinsam unterwegs
- … mit Pro Senectute: Ob Wanderung, Ausflug oder Besichtigung – Pro Senectute bietet in allen Regionen ein vielfältiges Programm. Alle Adressen auf prosenectute.ch oder via Tel. 058 591 15 15.
- … mit den Schweizer Wanderwegen: Mit den Wanderweg-Organisationen können Sie auch geführt wandern. Und das digitale Anschlagbrett vermittelt eine Wanderbegleitung vom Genusswanderer bis zur Gipfelstürmerin. www.schweizer-wanderwege.ch, Tel. 031 370 10 20.
- … mit «Zäme go laufe»: Unkompliziert und in der Nähe gemeinsam spazieren ab 60 – derzeit in 30 Gemeinden in SG, SO, ZG und ZH. Die Erlebnisse in der Natur stärken die Gesundheit und das soziale Netz. www.zämegolaufe.ch, Telefon 044 360 41 14.