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Dialog auf Augenhöhe

Arzttermine können verwirrend sein, vor allem, wenn einen der Arzt oder die Ärztin mit Fachausdrücken bombardiert. Mit einer guten Vorbereitung lässt sich das verhindern.

Ich bin chronisch krank und deshalb bei mehreren Spezialisten in Behandlung. Manchmal fühle ich mich nach einem Arzttermin verunsichert, weil ich wegen der vielen Fachausdrücke nicht alles verstanden habe. Zudem muss es immer sehr schnell gehen, sodass für meine Fragen kaum Zeit bleibt. Was kann ich tun, um die Kommunikation mit meinen Ärzten zu verbessern?»

Zuallererst: Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Ein Arzt ist heute kein Halbgott in Weiss mehr, sondern ein Experte, für dessen Dienstleistungen Sie bezahlen. Da dürfen Sie im Gegenzug auch erwarten, dass er sich klar ausdrückt, Ihre Fragen beantwortet und Sie gut berät.

Trotzdem erleben die meisten Patientinnen und Patienten die Sprechstunde als psychischen Ausnahmezustand. Sie spüren, dass die Zeit knapp ist und die Ärztin einen enormen Wissensvorsprung hat. Zudem sind sie besorgt darüber, was bei der Untersuchung herauskommen könnte. Das alles macht einen nervös und unsicher, man kann sich nicht mehr so gut konzentrieren und behält auch nicht alles im Gedächtnis, was die Ärztin sagt.

Studien haben gezeigt, dass Patientinnen und Patienten im Schnitt nur etwa 40 Prozent der ärztlichen Informationen richtig verstehen und davon die Hälfte schon nach ein paar Tagen wieder vergessen haben. Eigentlich erschreckend! Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung. Überlegen Sie sich zu Hause in aller Ruhe: Welche Informationen braucht der Arzt von mir? Und was möchte ich selbst von ihm wissen?

Notieren Sie Ihre Symptome und die Symptomentwicklung, die bisherige Behandlung und Ihre Fragen in Stichwörtern auf einem einzigen Blatt Papier (nicht mehr!), schön übersichtlich und gross genug geschrieben, damit Sie es auch ganz sicher lesen können. Bringen Sie die Fragen in eine Rangfolge. Wenn die Zeit knapp wird, können Sie so wenigstens die wichtigsten Punkte klären. Wichtig für den Arzt oder die Ärztin ist, dass Sie Ihre Beschwerden möglichst präzise beschreiben.

Falls Sie Schmerzen haben: Sind sie eher stechend, schneidend, krampfhaft oder brennend? Wo genau treten sie auf, wie häufig und in welchen Situationen? Wenn Sie Arztberichte, Laborbefunde oder Röntgenbilder haben, bringen Sie sie mit, ebenso wie eine Liste Ihrer Medikamente, inklusive der selbstgekauften. Damit verhindern Sie, dass es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt, falls Ihnen die Ärztin etwas Neues verordnet.

Am besten, Sie machen sich während des Gesprächs Notizen. Das hilft Ihnen, sich später besser zu erinnern. Scheuen Sie sich nicht davor, genau nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Fassen Sie zur Kontrolle das, was der Arzt gesagt hat, mit Ihren eigenen Worten zusammen. Bei allfälligen Missverständnissen wird der Arzt Sie korrigieren. Falls die Zeit nicht reicht, um alle Ihre Fragen zu klären, fragen Sie, ob Sie einen zweiten Termin vereinbaren können. In vielen Fällen ist das problemlos möglich.

Beratung in Ihrer Nähe

Im «Café Med» der Akademie Menschenmedizin kann man sich unentgeltlich von Ärztinnen, Psychologen, Sozialarbeitern und anderen Fachpersonen beraten lassen. Das «Café Med» gibt es in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich. Auch Begleitung zum Arzttermin ist möglich. Mehr Informationen dazu im Internet unter menschenmedizin.com.

Beitrag vom 11.04.2022
Nora Herzog

ist Diplompsychologin, Kursleiterin und Dozentin für Altersthemen.

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