Not lindern und Freude bereiten

Sechs Fachleute aus verschiedenen Institutionen und Organisationen erzählen, für welche Anliegen ihrer Klientinnen und Klienten sie von der Hatt-Bucher-Stiftung unterstützt wurden. Zeitlupe Leserinnen und -Leser können sich mit etwas Glück auf die Gratiskonzerte am 9. November 2022 in der Zürcher Fraumünster-Kirche freuen.

Text: Usch Vollenwyder

Weihnachtsgeschichten

Claudio Senn Meili, Geschäftsleiter, und Carla Cathomas, Stellenleiterin der Beratungsstelle Chur/Nordbünden, kennen die Hatt-Bucher-Stiftung seit langem.

Claudio Senn Meili
Carla Cathomas

Gegründet 2004, bewilligte die Hatt-Bucher-Stiftung bereits im Juni 2005 das erste Gesuch von Pro Senectute Graubünden. Seither stellt das Bündner Kompetenzzentrum fürs Alter regelmässig Gesuche für Einzel- und Projekthilfe. Alle Anträge werden begründet, und jedem Erstgesuch liegt eine kurze Biografie bei. Die Stiftungsverantwortlichen sollen sich ein Bild machen können, wohin und zu wem ihre Unterstützung fliesst: in ein Generalabonnement für die Bündner Verkehrsbetriebe zum Beispiel, für eine Reittherapie für eine psychisch erkrankte Person oder auch als Taschengeld für ein Abonnement der «Jägerzeitung». Claudio Senn hebt als ausserordentliches Projekt das «Weihnachtstelefon» hervor:«Der Corona-Winter 2020 war wegen der Kontaktbeschränkungen eine grosse Herausforderung. Wir suchten nach Möglichkeiten, wie wir der älteren Bevölkerung in unseren Bergtälern die bevorstehende Adventszeit erleichtern konnten. So organisierten wir das Weihnachtstelefon: Wir engagierten Bündner Stimmen – unter ihnen zum Beispiel der Schauspieler Andrea Zogg –, die in einem professionellen Aufnahmestudio eine Weihnachtsgeschichte erzählten. Die verschiedenen Geschichten liessen sich je nach Tastenwahl am Telefon abhören. Weit über tausend Anrufe wurden getätigt. Und das Schönste: Im darauffolgenden Winter offerierte uns die Hatt-Bucher-Stiftung nochmals einen Projektbeitrag von fünftausend Franken.»

Für die Klientinnen und Klienten von Pro Senectute Graubünden sind solche Zuwendungen ein Geschenk. Ihre Dankbarkeit sei gross, sagt Carla Cathomas, ein kurzes Dankesschreiben meist selbstverständlich: «Dank der Hatt-Bucher-Stiftung wird das Leben für die Beschenkten lebenswerter.»


Schmerztherapie

Ilona Schmidt ist Geschäftsleiterin von Palliaviva in Zürich. Von den Zuwendungen der Hatt-Bucher-Stiftung profitieren zahlreiche schwerstkranke Menschen.

Ilona Schmidt

Vor acht Jahren übernahm die erfahrene Pflegefachfrau Ilona Schmidt die Leitung von Palliaviva, der spezialisierten Spitex-Organisation für schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen. Auf der Suche nach finanzieller Unterstützung lernte sie die Hatt-Bucher-Stiftung kennen. Das spannende und offene Gespräch mit dem damaligen Geschäftsführer bestärkte sie in ihren Visionen: Die palliative Betreuung sollte nicht zentral, sondern vielmehr in den Regionen verankert und die regionale Verbundenheit genutzt werden. Dafür durfte Ilona Schmidt schon mehrmals auf die Unterstützung der Hatt-Bucher-Stiftung zählen. Auch von anderen Anschaffungen profitiert die ganze Organisation.

«Vor einigen Jahren durften wir eine Frau betreuen, deren Schmerzen mit herkömmlichen Medikamenten nicht mehr behandelbar waren. Im Spital hätte man sie sedieren können. Doch sie wollte wach bleiben, letzte Dinge ordnen und bewusst Abschied nehmen. Das war nur möglich dank einer Schmerzpumpe, deren Anschaffung in grosszügiger Weise von der Hatt-Bucher-Stiftung unterstützt wurde. Die Schmerzpumpe kam schliesslich nicht nur ihr, sondern auch weiteren Patientinnen und Patienten zugute.»

Palliaviva nutzt verschiedenste Informationskanäle, um an die Öffentlichkeit zu gelangen. Für Ilona Schmidt ist es selbstverständlich, dass dabei die Unterstützung der Hatt-Bucher-Stiftung hervorgehoben wird: «Ich schätze die Transparenz und Offenheit in dieser Zusammenarbeit ganz besonders.»


Hasenglück

Christine Bickel war bis vor Kurzem Leiterin des Bethesda Alterszentrums Salem im glarnerischen Ennenda. Kleinere und grössere Alltagsfreuden müssen über Spenden gedeckt werden.

Christine Bickel

Die Pflegetaxen sind tief im Kanton Glarus. Sie decken den Grundbedarf, doch Ausgaben für Freizeit und Vergnügen übersteigen schnell die finanziellen Möglichkeiten. Christine Bickel ist froh, kann sie bei der Hatt- Bucher-Stiftung um Unterstützung nachfragen. Die vier jährlichen Termine zum Einreichen der Gesuche sind fix im Kalender eingetragen. An Ideen für Einzel-und Projekthilfe unter dem Motto «Freude bereiten» mangelt es nicht: Ein Ländlernachmittag zum Beispiel, ein Zirkusbesuch oder ein Harfenkonzert sind für das ganze Haus eine Abwechslung und ein Fest. Zum 100-Jahr-Jubiläum des Zentrums wurde eine grosszügige Unterstützung gesprochen. Für diesen namhaften Betrag ist Christine Bickel besonders dankbar.

Hervorheben möchte sie die Hasenvilla, die von fünf Zwergkaninchen bewohnt wird. «Unser Highlight», sagt sie: «Vor fünf Jahren haben unsere Mitarbeitenden vom Technischen Dienst einen alten Kasten in ein Hasenhaus umgebaut. Bei der Hatt-Bucher-Stiftung stellten wir ein Gesuch für Zwergkaninchen. Bald schon konnten wir die zwei schwarzen, zwei beigen und das braune Häschen taufen. Später bekamen wir zusätzlich Geld für ein Aussengehege, jetzt können wir mit Unterstützung der Stiftung die alte Hasenvilla ersetzen. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich sehr. Viele von ihnen sind ja mit Tieren aufgewachsen. Sie können die Kaninchen jederzeit besuchen und dürfen beim Füttern mithelfen. Wir geben ihnen die Kaninchen in den Arm oder auf den Schoss, Pflegebedürftigen haben wir sie auch schon ans Bett gebracht.»

Zwei Bewohner des Altersheims Salem in Ennenda vor einem Hasenstall, finanziert von der Hatt-Bucher-Stiftung, mit Hasen auf dem Schoss.
© Samuel Trümpy

Für Christine Bickel sind die Kaninchen ein nachhaltiges Projekt und ein grosser Mehrwert. Für die Bewohnenden sei es wunderbar, auf diese Weise Nähe, Wärme und Leben zu spüren. Dankbar wurde an der Hasenvilla ein Messingschild angebracht: «Geschenk der Hatt-Bucher-Stiftung».


SBB-Generalabonnement

Felix Schmid ist Finanzverwalter der Gemeinde Tägerwilen TG. Als Privatbeistand betreut er Menschen in Geldnot. Ein schmales Budget gerät schnell in Schieflage.

Felix Schmid

Er sei Finanzverwalter mit einer sozialen Ader, sagt Felix Schmid. Deshalb hat er auch eine Zusatzausbildung im gesetzlichen Sozialbereich gemacht und freut sich auf seine baldige Pensionierung, wenn er noch mehr Zeit für seine sozialen Engagements hat. Es sei eine rundum befriedigende Aufgabe, Menschen in Geldnöten zu beraten oder ein Schuldensanierungsbudget zu erstellen. Am liebsten von A bis Z, vom ersten Kontakt an bis hin zum Erfolgserlebnis, wenn die Finanzen wieder im Lot sind. Als PriMa – privater Mandatsträger – führt er Beistandschaften für Betroffene aus der Gemeinde und in seinem Bekanntenkreis. Ein besonderes Anliegen sind ihm die älteren Menschen: Wer Ergänzungsleistungen bezieht, hat kaum finanziellen Spielraum. Bereits ein Zeitungsabonnement, ein Ausflug, ein Coiffeur- oder ein Zahnarztbesuch können zum unerschwinglichen Luxus werden. Dann ist Felix Schmid froh, kann er bei der Hatt-Bucher-Stiftung um Unterstützung nachfragen. «2017 wurde ich Beistand eines ehemaligen Mitarbeiters bei den SBB. Auch über die Pensionierung hinaus hatte er noch zu einem vergünstigten Tarif ein Generalabonnement beziehen können. Als ich für ihn Ergänzungsleistungen beantragen musste, konnte er sich sein GA nicht mehr leisten. Ich musste es einziehen und den SBB zurückschicken. Es brach ihm das Herz, denn sein GA war für ihn weit mehr als nur eine Möglichkeit zum Reisen: Es verband ihn mit seinem früheren Leben. Ich versprach ihm, nach einer Lösung zu suchen. Im darauffolgenden Jahr reichte ich bei der Hatt-Bucher-Stiftung ein Gesuch ein. Es wurde bewilligt – und mein Klient erlebte Weihnachten! Ich bin jetzt noch ganz gerührt, wenn ich an seine grosse Freude denke!»

Achtzehn Gesuche hat Felix Schmid seit 2014 eingereicht, die meisten für Heimbewohnerinnen und -bewohner. Für jedes Erstgesuch erstellt er ein ausführliches Dossier mit einem Foto: Die Hatt-Bucher-Stiftung soll die Menschen kennenlernen, denen sie ihre Unterstützung zukommen lässt.


Familienferien

Magdalena Petrovic führt als Sozialarbeiterin im Zürcher Sozialzentrum Selnau gegen fünfzig Beistandschaften. Altersarmut ist für sie traurige Realität.

Magdalena Petrovic

Manchmal ist Magdalena Petrovic frustriert. Dann, wenn Klientinnen und Klienten in einer Notsituation sind und sie nicht helfen kann, weil die finanziellen Mittel fehlen. Es seien Schicksale, die man sich kaum vorstellen könne – Menschen ohne Rente, von Armut betroffen, oft mit einem Rucksack voller psychischer und körperlicher Probleme. Als Berufsbeiständin hilft sie, das vorhandene Geld – in der Regel sind es Ergänzungsleistungen – einzuteilen. Meist reicht es, um über die Runden zu kommen. Luxus liegt nicht drin. Auf der Suche nach finanzieller Unterstützung stiess Magdalena Petrovic vor fünf Jahren auf die Hatt-Bucher-Stiftung. Bis heute sei sie dankbar für diese Entdeckung. Zwei bis vier Mal pro Jahr stellt sie seither für Klientinnen und Klienten ein Gesuch – für einen Wintermantel, ein neues Bett, einen Seniorenausflug oder ein paar Ferientage.

«Einer meiner Klienten wünschte sich sehnlichst, noch einmal mit seiner Frau und der Tochter ins Tessin zu fahren. Sein eigenes knappes Budget hätte eine solche Ausgabe nicht verkraftet. Ich stellte einen Antrag auf Feriengeld: Der Mann war bereits sehr alt und die geplanten Tage im Tessin vielleicht die letzte Möglichkeit, noch einmal mit Frau und Tochter zusammen zu sein. Der Aufenthalt wurde zu einem einmaligen Erlebnis, allein ein Restaurantbesuch zu einem Höhepunkt. Natürlich könnte man sagen, Ferien seien keine Notwendigkeit. Aber sie sind wichtig für die Gesundheit und die soziale Integration – und schweisst eine Familie zusammen: Mutter und Tochter werden auf diese gemeinsamen Tage zurückblicken, wenn der Vater nicht mehr da ist.»

Wie ein Lichtstrahl falle die Unterstützung der Hatt-Bucher-Stiftung in eine manchmal so aussichtslose Situation, sagt Magdalena Petrovic. Ihre Klientinnen und Klienten spüren dann, dass sie nicht allein sind. Dass es noch jemanden gibt, der sich für sie einsetzt. «Die Stiftung ist für die Betroffenen ein grosser Segen.»

Für Lebensqualität im Alter

Hatt Bucher LogoDie 2004 gegründete Stiftung engagiert sich für die Lebensqualität der älteren Menschen in der Schweiz.
Jährlich behandelt sie Hunderte von entsprechenden Gesuchen, die ihr via Altersorganisationen und Fachpersonen aus dem Altersbereich eingereicht werden.

Unter dem Motto «Freude bereiten» ermöglicht die Stiftung auch die traditionellen Konzerte im Fraumünster in Zürich. Dieses Jahr spielt das Schweizer Jugendsinfonie-Orchester Werke von Wolfgang Amadé Mozart und Ludwig van Beethoven.

Hier können Sie den Talon für die Verlosung herunterladen und ausdrucken.

Beitrag vom 12.09.2022

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