© Monique Wittwer

Alle paar Meter eine Dosis Freundlichkeit

Das Covid-19-Impfzentrum Luzern ist auch ein Begegnungsort der Generationen. Hier treffen täglich 1400 grösstenteils ältere Menschen auf 20 Zivilschützer und Zivildienstleistende. Die jungen Männer prägen die Atmosphäre.

Text: Fabian Rottmeier, Fotos: Monique Wittwer

Auf dem Gelände der Messe Luzern gibt es für Seniorinnen und Senioren derzeit zwei Optionen: den Besuch einer multimedialen Monet-Ausstellung (AHV-Eintrittspreis: CHF 24.15) – oder eine Corona-Impfung (gratis, aber mit Wiederholungspflicht). Wer nun denkt, Monet sei spannender, könnte sich täuschen. Nicht nur die Dimensionen des Impfzentrums des Kantons Luzerns sind beeindruckend, sondern auch der reibungslose Ablauf, an Dutzende beteiligt sind. Sie alle tragen dazu bei, dass (zum Zeitpunkt des Zeitlupe-Besuches) wochentags 1400 Menschen ihre Impfung erhalten. In den 16 «Impfkojen», wie man sie hier nennt, wird im Schnitt alle 20 Sekunden gepikst.

Der Luzerner Weg zur Covid-19-Impfung führt im Uhrzeigersinn durch die Hallen 3 und 4. Das Gelände ist auch ein Begegnungsort der Generationen. Alle paar Meter treffen die vielen impfwilligen Pensionierten auf junge Männer in ihren Zwanzigern. Neben Freiwilligen und Angestellten erbringen hier 13 Zivildienstleistende und 7 Zivilschützer ihren Dienst. Sie grüssen, kontrollieren ID-Karten, weisen den weiteren Weg, begleiten die Impfpersonen zum nächsten Posten, tragen die abgefüllten Spritzen zu den Ärztinnen und Ärzten oder informieren nach der Impfung über die erforderliche Ruhepause von 15 Minuten. Kurz gesagt: Sie helfen – gut gekennzeichnet in ihren Tenüs. Die «Zivis» in Braun und Hellblau arbeiten einen bis drei Monate lang hier, die Zivilschützer in Schlammgrün und Orange bleiben zwei Wochen.

Sie fallen aber nicht bloss wegen ihrer Kleidung auf. Sondern auch, weil sie äusserst hilfsbereit und freundlich agieren. Zivi Michael Brun etwa weist alle einzeln an einen freien Schalter, wo für jede angemeldete Person unmittelbar vor dem Impfen eine kurze medizinische Vorabklärung stattfindet. Er tut dies mit denselben einladenden Gesten, wie er sie aus seinem Beruf als Serviceangestellter kennt. Und er macht es mit Leidenschaft, fast schon tanzend. Er spricht von einer grossen Dankbarkeit, die ihm entgegengebracht werde (an Ostern erhielt er gar kleine Geschenke). «Mit unserer Hilfe nehmen wir den Menschen ein wenig die Nervosität oder Angst», sagt er.

Menschen statt Nummern

Zivilschutz-Einsatzleiter Joël Monteil ist für die Gruppe der jungen Helfer verantwortlich. Darunter finden sich Köche, Studenten, Schreiner, Maurer oder Schlosser. Er attestiert allen ein «ausgesprochen gutes Händchen» im Umgang mit älteren Menschen und eine starke Eigeninitiative. Seit der Inbetriebnahme des Zentrums Mitte Januar habe sich eine eingeschworene Gruppe gebildet. Das grösste Kompliment? «Viele sagen, wir retten hier Leben.» Wichtig sei ihm, das Gefühl zu vermitteln, dass man nicht wie eine Nummer abgefertigt werde. «Wir versuchen, wann immer möglich, auf jede Person einzeln einzugehen.» Wenn jemand beispielsweise allein erscheine und Hilfe benötige, begleite man sie oder ihn auf Wunsch durch alle neun Posten.

«Alles guet gange? Chömed Si guet hei.» Auch Zivi und Automechaniker Marcin Scalet fühlt sich im Impfzentrum wohl. «Das viele Lob, das wir erhalten, tut mir auch persönlich gut», sagt er. An diesem Morgen führt er ältere Menschen mit Gehschwierigkeiten die 18 Treppenstufen hinunter zu den Impfkojen oder trägt deren Rollatoren.

Ob beim Fiebermessen am Eingang oder beim Einweisen an den Schalter für den Impfnachweis am Ende: Es sind nur kurze Begegnungen, die zwischen Jung und Alt stattfinden. Doch deren Wirkung sollte man nicht unterschätzen. Die kleinen Interaktionen vermitteln ein Gefühl des Aufgehobenseins. Immer weist jemand den Weg, grüsst höflich oder wünscht einen schönen Tag. Die Freundlichkeit im Impfzentrum ist – das Wortspiel sei erlaubt – ansteckend. Die Seniorinnen und Senioren erwidern sie oft mit Witz und Dankbarkeit. Eine soeben geimpfte Frau lobt beim Verlassen des Impfzentrums nicht nur die Organisation und die Atmosphäre: «Es sind auch die Details, die ein gutes Gefühl hinterlassen: Wer den Impfausweis erhält, wird mit seinem Namen angesprochen. Eine schöne Wertschätzung.» ❋

Beitrag vom 10.05.2021

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