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Der grüne Schutzpatron

Die Bitterstoffe im Rosenkohl haben ihm einst ein schlechtes Image verpasst. Dabei stecken so viel Vitamin C und Mineralstoffe in den Röschen, die uns helfen, im Winter Erkältungen vom Leib zu halten.

Text: Anita Lehmeier

Rosenkohl, Fenchel, Spinat, Artischocke und Koriander haben einen grossen gemeinsamen Nenner: Sie polarisieren, und zwar heftig. Entweder man liebt sie – oder man hasst sie. Den traurigen Spitzenplatz der meistgehassten Gemüse hält tatsächlich Rosenkohl. Das ergab eine Umfrage im Jahr 2008 der US-Firma Heinz, weltbekannt für ihr Ketchup. Verantwortlich für die Aversion gegen Rosenkohl und Co. sind die Bitterstoffe.

Die heftige Reaktion darauf ist genetisch bedingt. Unsere Gene diktieren nämlich weitgehend unser Geschmacksempfinden, das folglich sehr individuell ist. So machen einige einen weiten Bogen um alles Bittere, andere spüren es kaum. Neben den Genen spielt auch das Alter eine Rolle: Kinder reagieren sensibler auf Bitterstoffe als ältere Semester. Für viele Knirpse ist also Röselichöhl ein echter Horror.

Liebe auf den zweiten Blick

Wer sich an diesen knallgrünen Schrecken aus Kindertagen erinnert und seither Rosenkohl meidet, dem sei ein neuer Versuch empfohlen. Früher war mehr Bitterkeit in den Kohlröschen, der Schuldige trug den Namen Glucosinolat. Dieser ist in den heute gängigen Sorten herausgezüchtet.

Ein weiterer Helfer bei der Geschmacksoptimierung ist übrigens Frost. Idealerweise sollte Rosenkohl nach einer Frostnacht geerntet werden. Minusgrade verfeinern das Aroma, weil sie Stärke in Zucker umwandeln. Dem erwünschten Frost kann man nachhelfen, indem man die Röschen für zwei Stunden im Tiefkühlfach durchfrieren lässt.

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Linsen-Rosenkohl-Dal

Schnelles, einfaches Vegi-Gericht: Das Gericht aus roten Linsen und Tomaten wird mit feinen Streifen von Rosenkohl, gebratenen Käsewürfeln und Sauerrahm serviert.

Zutaten für ein Hauptgericht für 4 Personen: 2 Knoblauchzehen; 1 Schalotte; 4 EL Olivenöl; 300 g rote Linsen; 1 l Gemüsebouillon; 1 Dose gehackte, geschälte Tomaten à 400 g; Salz und Pfeffer; 200 g Rosenkohl; 200 g Bratkäse, z. B. Paneer; 180 g Saurer Halbrahm

So gehts: Knoblauch und Schalotte hacken. In der Hälfte des Öls andünsten. Linsen dazugeben und kurz mitdünsten. Mit Bouillon ablöschen. Tomaten beimischen und zugedeckt ca. 20 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Inzwischen Rosenkohl im Salzwasser ca. 10 Minuten weich kochen. Abgiessen und etwas abkühlen lassen. Rosenkohl in feine Streifen, Käse in Würfel schneiden und im restlichen Öl rundum anbraten. Dal mit Rosenkohl, Käse und Halbrahm anrichten.

Zubereitung: ca. 30 Minuten


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Der Genuss – oder eben je nach Gusto der Verzehr – von Rosenkohl lohnt sich in jedem Fall. Er ist nicht nur Rekordhalter auf der Hass-Skala, sondern auch als Lieferant von Vitamin C. Enthält er doch mehr von dem Stoff, der uns im Winter Erkältungen vom Hals hält, als Zitronen oder andere Kohlsorten. Neben dem Vitamin C, das unsere körpereigene Abwehr stärkt, kann Rosenkohl mit weiteren wichtigen Inhaltsstoffen auftrumpfen, etwa mit Eisen, Magnesium, Kalium, Folsäure und Vitamin B1, das unsere Nerven stärkt und die Konzentrationsfähigkeit erhöht.

Kraftfutter für Sportfans

Die Antioxydanten in den hübschen, grünen Kugeln wirken zudem entzündungshemmend. Und weil sie erst noch energiearm und eiweissreich sind, macht sie das zum idealen Kraftfutter für Sportfans und alle, die ihren Plus-Pfunden den Kampf angesagt haben. Forscher der Universität Wien wollen sogar herausgefunden haben, dass Rosenkohl als Beilage die zellschädigenden Stoffe in stark gebratenem oder gegrilltem Fleisch neutralisieren können.

Es spricht also einiges dafür, Rosenkohl eine kulinarische Chance zu geben. Mit nur 210 Gramm Konsum pro Kopf und Jahr behandeln wir Schweizerinnen und Schweizer ihn zu Unrecht eher stiefmütterlich. Ein berühmter Gemüsekoch hat mir den Tipp gegeben, das Salz erst nach dem Kochen der Röschen zuzugeben. So behalten sie ihre frische grüne Farbe und setzen in der trüben Jahreszeit Glanzpunkte auf dem Teller.  

Beitrag vom 16.01.2023

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