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Der Rekordhalter

Federkohl hat eine unvergleichliche Karriere hingelegt: vom verpönten Armeleuteessen zum Favoriten der Show- und Polit-Prominenz, ja zum «gesündesten Lebensmittel der Welt».

Text: Anita Lehmeier

Wo es nach Kohl roch, war früher Jammer und Elend zu Hause. Dem Duft von gekochtem Kohl hing jahrzehntelang der Ruch von Entbehrung an. Er war zum Armeleuteessen schlechthin abgestempelt. Das grosse Naserümpfen hatte seinen Höhepunkt 2013, als sich der Fastfood-Gigant McDonald’s in einem Werbespot über Federkohl lustig machte.

Von diesem Image-Tiefpunkt ging es mit dem krausen Gemüse dann aber nach ganz oben. Zwei Jahre später war der verpönte Federkohl auf dem Gipfel des Superfood-Ruhmes angekommen, als die US-Sängerin Beyoncé in einem Pulli mit dem Aufdruck «Kale» (englisch Name für Federkohl) auftrat. Das Video wurde im Internet 418 Millionen Mal angeklickt. Hollywood-Stars von Jennifer Aniston bis Sean Connery und Gesundheits-Fanatiker von Gwyneth Paltrow bis Sting liessen sich fortan vorzugsweise mit knatschgrünen Kale-Smoothies ablichten. Das Kochbuch «50 Shades of Kale» wurde zum Bestseller.

Liebeserklärung aus dem Weissen Haus

Als dann noch die Präsidenten-Gattin Michelle Obama im Fernsehen für das Grünzeug warb und es als Beilage im Weihnachtsmenü des Weissen Hauses auftischen liess, war Federkohl wahrlich in aller Munde. Zudem feiern die Amerikaner immer am ersten Mittwoch im Oktober den nationalen Tag des Grünkohls. Selbst McDonald’s knickte ein und tischte in Kalifornien Grünkohl in einem Frühstücksgericht auf…

Wie so viele Moden schwappte die Grünkohlwelle bald nach Europa: kein Lifestyle-Magazin, und kein In-Restaurant kam darum herum, dem Federkohl zu huldigen. Der Hype hierzulande lässt sich mit der Anbaustatistik des Bundes belegen: Wurden im Jahr 2000 in der Schweiz mickrige 22 Tonnen Federkohl geerntet, waren es 2020 sagenhafte 570 Tonnen. Die Ernte passiert übrigens immer in Handarbeit – die zarten Blätter des Federkohls verlangen das. Die Anbauflächen, vor allem im Kanton Zürich gelegen, stiegen von 3 Hektaren im Jahr 2010 auf 24 Hektaren anno 2019.

Superfood der Rekorde

Der Branchenorganisation Pro Spezie Rara ist es wohl zu verdanken, dass das gesunde Wintergemüse nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in Vergessenheit geriet. Was ein herber Verlust gewesen wäre. Nimmt man Federkohl unter die Lupe, wird er seinem Ruf als Superfood rekordmässig gerecht: Kein anderes Lebensmittel beinhaltet mehr Betacarotin, keine andere Kohlsorte liefert mehr Vitamin C oder Proteine. Letzteres schätzen Veganer sehr als Eiweissquelle. Er enthält mehr Kalzium pro Kalorie als Milch, was zum Schutz vor Osteoporose beiträgt. Und im satten Grün der Blätter steckt zellverjüngendes Chlorophyll, ausserdem Omega-3-Fettsäuren, die Arthritis, Asthma und Autoimmunkrankheiten vorbeugen.

Selbst optisch ist Federkohl eine Wohltat: In einer grauen kargen Winterlandschaft grünt er auch bei Frost unverdrossen vor sich hin und erfreut das Auge mit Farbe. Poesie-Affine «tauften» regionale Varianten mit hübschen Namen wie Lerchenzunge, Winnetou, Hoher Roter Krauser oder Oldenburger Palme.

Federkohl tut übrigens nicht nur uns Menschen Gutes, sondern auch der Umwelt. Beim sogenannten Biomonitoring wird er zur Reinigung der Böden von Schadstoffen gepflanzt. Rund um Flughäfen beobachtet man derzeit, ob er gar die Auswirkungen des Luftverkehrs auf die Umgebung mindern kann.

© Migusto / Martina Meier

Federkohlsuppe mit blauen Kartoffeln

Hauptgericht für 4 Personen (Rezept von Daniel Tinembart, Migusto)

Zutaten: 1 Zwiebel; 2 Knoblauchzehen; 400 g mehligkochende Kartoffeln; 3 EL Raps; l200 g Federkohlblätter, gerüstet gewogen; 1,2 l Gemüsebouillon; Salz; Pfeffer; ca. 8 blaue Kartoffeln, z. B. St. Galler; 4 EL Kürbiskerne; 150 g Feta

So geht’s Zwiebel und Knoblauch hacken. Mehligkochende Kartoffeln in feine Scheiben schneiden.
Öl in einem hohen Topf erhitzen. Zwiebel, Knoblauch und Kartoffeln ca. 3 Minuten darin dünsten. Federkohlblätter dazugeben. Mit Bouillon ablöschen und zugedeckt 25 bis 30 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen.
Suppe pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Inzwischen die blauen Kartoffeln separat in Salzwasser weichkochen und in dünne Scheiben schneiden. Kürbiskerne hacken.
Suppe mit Kartoffelscheiben und Kürbiskernen anrichten. Feta darüberbröseln und sofort servieren.

Tipp: Suppe nach Belieben mit etwas Olivenöl beträufeln.

Zubereitung: ca. 15 Minuten, Köcheln lassen: 25 bis 30 Minuten; Gesamt: 45 Minuten

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Beitrag vom 07.02.2022

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