Immer perfekt frisiert

Margot Flachsmann Meyer aus Arlesheim BL legte bereits als Kind Wert auf eine schöne Frisur. Auf dem Foto um 1950 zeigt die 14-Jährige ihre Zopf-Pracht.

Als kleines Mädchen stieg ich jeweils auf einen Stuhl und kontrollierte im Spiegel, ob meine Mutter mich wirklich perfekt gekämmt hatte. War der Scheitel krumm, wollte ich nicht in den Kindergarten. Später frisierte ich mich selbst: Meine Zöpfe befestigte ich als Schnecken über den Ohren oder steckte sie hoch wie auf dem Bild mit meiner kleinen Schwester. An Festtagen flocht ich mir Maschen und Blumen ins Haar.

Schwarzweissfoto: Die damals 14jährige Margot Flachsmann Meyer mit einer schön geflochtenen Frisur, mit ihrer kleinen Schwester abgebildet.
© zVg

Mein erstes Geld verdiente ich, indem ich in den Sommerferien bei den Grosseltern in Rheinfelden die Hunde reicher Kurgäste spazieren führte. Auch später sparte ich jeden Franken für den Coiffeur und für Kleider. Die Röcke mit den gestärkten Petticoats, die man damals trug, gefielen mir sehr. Ich erinnere mich auch an meine ersten Hosen: blau-weisse Segelhosen, die ich immer erst auswärts anzog, damit meine Eltern nichts merkten.

Bevor ich mit 18 als Au-pair nach Paris ging, schnitt ich mein langes Haar ab und schenkte den Zopf meiner Schwester. Paris galt im Zürich meiner Jugend als sündige Stadt. Ich genoss meine Zeit dort in vollen Zügen, ging oft ins Konzert, in die Oper, ins Theater und ins Museum. Weil ich Kaiser Napoleon sehr verehrte, legte ich mich im Louvre einmal sogar verbotenerweise in sein Bett … Später wurde aus mir eine richtige Weltenbummlerin. Zum Glück erlebte ich die goldenen Zeiten, als man immer eine Stelle fand, um Geld für die nächste Reise zu verdienen.

Jetzt mit 85 ist mein Haar längst weiss. Meine Haarspangen von früher habe ich bis heute aufbewahrt. Betrachte ich sie, so steigen wunderbare Erinnerungen auf. Davon zehre ich an Tagen, an denen nicht mehr alles so einfach ist wie damals.

Aufgezeichnet von Annegret Honegger


Beitrag vom 07.03.2022

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