© TI Gaienhofen/Achim Mende

Halbinsel Höri: Wandern mit Seeblick

Wie ein Dreieck ragt die Halbinsel Höri in den westlichen Bodensee. Sie steht grösstenteils unter Natur- und Landschaftsschutz. Wanderer und Naturfreundinnen fühlen sich auf diesem Flecken Deutschlands wohl.

Text: Usch Vollenwyder

Als Gott die Welt erschuf, habe er zuerst die Kontinente, die hohen Berge, die grossen Seen und breiten Flüsse geformt. Am Ende seiner Schöpfung seien die Kleinode dieser Erde entstanden – und erst ganz zuletzt das hügelige Wiesenland zwischen Rhein- und Zellersee am westlichen Ende des Bodensees. So gut soll ihm das Werk gelungen sein, dass er ausgerufen habe: «Etz hör i». Soweit die Legende um die Entstehung der «Höri», einer sechzig Quadratkilometer grossen Halbinsel, die zum grossen Teil unter Natur-oder Landschaftsschutz steht.

Wie ein breites Dreieck ragt die Landzunge zwischen Stein am Rhein und dem deutschen Radolfzell in den Bodensee. Ihre Spitze mit dem kleinen Dorf Horn zeigt zur Insel Reichenau; in der Ferne ist die Silhouette von Konstanz zu erkennen. Auf der Anhöhe über dem breiten Schilfgürtel thront die Pfarrkirche St. Johann mit ihrem gestuften, stumpfen Turm. Heute ist sie wegen der Aussicht auf den Untersee – dem westlichen Teil des Bodensees – ein beliebtes Ausflugsziel: Kleinere und grössere Schiffe kreuzen auf dem Wasser, Segelboote schaukeln im Wind, bewaldete Hügel säumen das Schweizer und deutsche Ufer. Nachts ziehen sich die hellen Lichter von Dörfern und Städtchen den dunklen See entlang.

Wandern im Naturschutzgebiet

Gleich neben der Kirche befindet sich das Hotel Hirschen – Ausgangspunkt einer Halbtageswanderung rund um Horn. Ein Cappuccino auf der Terrasse ist unverzichtbar bevor es losgeht: Neben der Kirche führt der Wanderweg in einem weiten Bogen durch Obstwiesen und an Gemüsegärten vorbei hinunter zur Hornstaaderstrasse, wo er gleich wieder links einbiegt in den Hörnliweg. Dort befindet sich auch das Hotel Seehörnle, ein anerkannter Integrationsbetrieb, in welchem rund dreissig Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam das Hotel mit seinen dreissig Zimmern, dem Restaurant und den verschiedenen Seminarräumen führen.

Dahinter beginnt das Naturschutzgebiet: Das Seeuferist gesäumt von einem breiten, unzugänglichen Schilfgürtel. Nur das Schnattern, Pfeifen und Singen verschiedener Seevögel begleitet die Wandernden. Diese Flachwasserzone hat für die Vogelwelt eine europaweite Bedeutung. Über 10‘000 Blässhühner und andere Wasservögel verbringen hier die Winter. In anderen Teilen des Schutzgebiets entsteht ein urtümlicher Auenwald, in dem Grauspecht, Piroloder Nachtigall und viele Insektenarten leben. In den Streuwiesen wachsen das Fleischrote Knabenkraut oder der Blaue Lungenenzian. Archäologische Ausgrabungen in der Nähe brachten Kupferfunde aus einer jungsteinzeitlichen Seeufersiedlung hervor.

Der breite Wanderweg – er ist gleichzeitig auch Veloweg – führt bis zum Badeplatz unterhalb von Gundholzen, dem kleinsten und ruhigsten der Höri-Dörfer. Haubentaucher und Enten rascheln im Schilf. Flach fällt das Ufer ab. Bäume geben Schatten, Weidenäste hängen bis fast zur Wasseroberfläche hinunter, Bänke laden zum Verweilen ein. Eine friedliche Stimmung herrscht. Erst nach einer langen Pause geht die Wanderung weiter, führt vom Seeufer weg, durchquert Gundholzen und steigt an bis zum Wasserturm oberhalb des Dorfes. Wenige Steintreppenstufen führen hinauf auf die Plattform.

Uferlandschaft mit Schilf auf der Halbinsel Höri.
Landschaft auf der Halbinsel Höri © TI Gaienhofen

Für die Mühen des kurzen Aufstiegs wird man mit einer Rundum-Aussicht verwöhnt: Der Blick schweift hinunter auf den Zellersee, in Richtung Radolfzell und den Bodanrück, auf nahe Obsthaine, Wiesen und Wälder. Die höchste Erhebung ist mit gut 700 Meter der Schienerberg; bei guter Witterung sind auch die Schweizer und Österreicher Alpen zu sehen. Vom Wasserturm, der ursprünglich als Aussichtsturm gebaut und später ebenfalls als Wasserreservoir genutzt wurde, geht die Wanderung über Nebensträsschen weiter nach Gaienhofen.

Die Höri und Hermann Hesse

In Gaienhofen lebte von 1904 bis 1912 auch Hermann Hesse. Frisch verheiratet, zog der Schriftsteller und spätere Literaturnobelpreisträger in dieses Dorf, um ein einfaches Leben auf dem Land zu führen. Zunächst wohnte er in einem schlichten Bauernhaus am Dorfplatz, 1907 zog er in sein eigenes, stattliches Landhaus. «Gaienhofener Umweg» nannte er später seine acht Jahre am Bodensee. Das Hesse Museum im ehemaligen Schul- und Rathaus zeigt das künstlerische Schaffen des Dichters während dieser Zeit.

In Gaienhofen befindet sich auch der Hörimarkt mit Angeboten für den täglichen Bedarf und vielen lokalen Produkten. Im Kultur- und Gästebüro gleich nebenan bekommt man alle Informationen zur Tourismusregion Höri. Von dort aus führt auch wieder ein Strässchen hinunter an den See; dann geht es dem Strandweg entlang zurück bis wiederum in die Hornstaaderstrasse. Nur noch kurz ist der Aufstieg zum Gasthaus Hirschen, dem Ausgangspunkt der Wanderung. Nach den rund zweieinhalb Stunden Wanderzeit meldet sich der Hunger. Ein Blick in die Karte zeigt: Von deftigen Ochsenspezialitäten bis leichten Sommergerichten hat man die Qual der Wahl. Nicht fehlen darf ein Glas Rot- oder Weisswein – selbstverständlich aus einem Rebberg am Bodensee.

Weitere Informationen und Internetadressen:

Zwischen Stein am Rhein und Radolfzell D verkehrt in regelmässigen Abständen der Höribus. (www.suedbadenbus.de; Linie 7368)

www.halbinsel-hoeri.de
www.hotelhirschen-bodensee.de
www.hesse-museum-gaienhofen.de

Sie besitzen noch kein Abonnement der Zeitlupe?

Abonnieren Sie die Zeitlupe und lesen Sie alle unsere Artikel auch online.

Ich möchte die Zeitlupe abonnieren