Mein Vater und die Bienen

Regelmässig erreichen uns Geschichten, Texte und Zuschriften unserer Leserinnen und Leser. Diese wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Heute: Die Bienenvölker in Elsbeth Zürrers Kindheit.

Mein Vater war ein grosser Naturfreund und so gehörten auch Bienen in sein Leben. Ich bin mit Bienen aufgewachsen, ein kleines, für vergangene Zeiten fürstliches Bienenhaus war in unserem Besitz.

Jeweils im Frühjahr kam Bewegung in die Bienenvölker. Ich habe noch genau vor Augen, wie mein Vater ein Ohr an einen Bienenkasten hielt und dann genau wusste, ob sich die junge Königin mit ihren Vasallen zum Wegfliegen bereithielt. Er verstand das Summen der Bienen und konnte deren Sprache deuten.

Es war eine Zeit des Wartens. Wetter und Klima mussten stimmen. Während diesen Tagen sass meine Mutter jeweils um die Mittagszeit mit ihrer «Lismete» als Hüterin der Bienen ganz in der Nähe des Kastens. Neben ihr ein grosser Kessel mit Wasser und eine Pumpe. Als dann plötzlich aus dem Schlitz eines Bienenkastens die braun-gelben Tierchen ins Freie strömten, nahm sie die Pumpe in die Hand. Die neue, noch junge Königin musste geschützt werden. Prasselte also Regen hernieder, bildeten die Bienen einen Mantel um sie – wodurch für die Imker erkennbar wurde, wo sich die Königin befindet.

Ein Imker war meist schnell zur Stelle und holte die Königin in einer dafür vorgesehenen Kiste ab. So war es jedenfalls gedacht. Doch flogen die Bienen meist weiter, ähnlich einer Wolke. Mit Pfannen und Deckeln schlagend rannten Jung und Alt dem Schwarm hinterher, der Lärm imitierte ein sich näherndes Gewitter. So war es möglich, die Bienen einzufangen, auch wenn oft nur mühsam. Zur Beruhigung wurden die Bienen anschliessend in einen Raum gestellt.

Ein Rätsel bleibt mir bis heute: Gestochen wurden wir nur selten von den «Immen». Unser Besuch wurde jedoch ständig gestochen – Geschrei und grosse Schmerzen waren die Folge. – Lag es am Geruch, den Gesten, der Körpersprache?

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