
Wohnen ü76
Eine neue Studie der Hochschule Luzern im Auftrag des Bundesamtes für Wohnungswesen BWO beleuchtet die Wohnsituation und Mobilität älterer Menschen in der Schweiz.
Die Mehrheit der über 76-Jährigen wohnt zentral, mit guter Anbindung an die Infrastruktur und verfügt über ausreichend Wohnraum. Viele profitieren zudem von günstigen, langjährigen Mieten. Defizite bestehen hinsichtlich Barrierefreiheit und Anpassungsmöglichkeiten an die sich ändernden Wohnbedürfnisse. Ein Grossteil der Wohnungen älterer Menschen wurde vor 1980 erbaut, als Barrierefreiheit noch keine Priorität hatte. So erschweren fehlende Lifte, Türschwellen und unpraktische Raumaufteilungen das selbstständige Leben im Alter.
Die Studie zeigt, dass ältere Menschen selten umziehen. Nur gut 5 Prozent der über 76-Jährigen wechselten 2022 ihren Wohnsitz, viele davon zügelten in Alters- oder Pflegeheime. Der Umzugsradius ist im Vergleich zu jüngeren Bevölkerungsgruppen sehr klein: Die Hälfte aller Umzüge erfolgte in einem Umkreis von nur zwei Kilometern. Die Gründe dafür sind vielfältig: Ältere Menschen fühlen sich mit ihren Wohnungen und Quartieren verbunden und haben dort oft über Jahrzehnte Beziehungen und Netzwerke aufgebaut. Wegen der günstigen Bestandesmieten würde eine Züglete in den meisten Fällen eine finanzielle Mehrbelastung bedeuten. Zudem ist ein Umzug teuer und die heutzutage schnellen, digitalen Vermietungsprozesse schrecken ab und verunmöglichen einen längeren Entscheidungsprozess.
Weil viele ältere Menschen allein oder mit Partnern im gleichen Alter leben, besteht das Risiko von Isolation und mangelnder Unterstützung im Alltag. Besonders alleinstehende Frauen sind gefährdet. Den oft erhobenen Vorwurf, dass besonders viele ältere Menschen in Einfamilienhäusern wohnen und damit überproportional vie Wohnraum vereinnahmen, bestätigt die Studie nicht. Der Anteil der Haushalte mit Personen ab 76 Jahren in Einfamilienhäusern liegt mit 24 Prozent nahe am landesweiten Durchschnitt von 22 Prozent. Der Anteil von Personen ab 76, die ausschliesslich mit Personen dieser Altersgruppe in Einfamilienhäusern leben, macht nur 1,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung aus.
Die Studie empfiehlt, ältere Menschen gezielt in ihrer aktuellen Wohnsituation zu unterstützen, damit sie möglichst lange selbstbestimmt wohnen können. Wichtig ist auch Hilfe bei der Suche nach altersgerechten Wohnungen, die barrierefrei gebaut oder altersgerecht renoviert sein sollten und wenn möglich eine Verbindung zu Pflegeeinrichtungen bieten.