Auf zum nächsten Gang

Dieser Rundweg macht bei jedem Wetter Spass: In Sörenberg führt eine gemütliche Gastro-Winterwanderung an drei Restaurants vorbei, in denen je ein Gang aufgetischt wird – mitten im Unesco-Biosphärenreservat Entlebuch.

Bewegung ist gesund, heisst es allenthalben. Frische Luft ebenso, und bitte nicht zu viel aufs Mal essen, das schont den Magen! Die Sörenberger haben sich dazu ihre ganz eigene Kombination für ihre Gäste ausgedacht: eine gastronomische Wanderung, die man sowohl im Sommer als auch im Winter spontan an der Talstation der Bergbahn Rossweid buchen kann. Eine vorgegebene Startzeit gibt es nicht, es empfiehlt sich jedoch, morgens zu starten. Gegessen wird in drei verschiedenen Restaurants, den Start bildet eine kurze Fahrt mit der Gondel ab Sörenberg, hinauf auf 1465 Meter über Meer, danach folgt ein Cüpli.

Inne halten, die Ruhe geniessen

Wer das Glück hat, den rund zweieinhalb- bis dreistündigen, pink markierten Winterwanderweg in frisch verschneiter Landschaft anzutreten, taucht von den ersten Metern an in einen märchenhaften Fichtenwald ein. Auf der ersten Etappe, noch mit leerem Magen, folgt bereits der landschaftlich aussergewöhnlichste Höhepunkt der Wanderung: die geschützte Moorlandschaft, die im Winter einen ganz eigenen Charme versprüht. Hier fällt Flachlandmenschen besonders auf, wie selten sie sich an einem so stillen Ort aufhalten. Nur zwei kleine zwitschernde Vögel, die nervös von Ast zu Ast und von Bergföhre zu Bergföhre hüpfen, sind zu hören. Stehenbleiben und Geniessen ist angesagt, bei schönem Wetter thront im Hintergrund die Rothornkette auf der einen und die Karstlandschaft der Schrattenfluh auf der anderen Seite.

Das Herz der Biosphäre

Die Wanderung erfüllt damit einen weiteren gesundheitlichen Aspekt: Ruhepausen schaffen. Bekanntlich stuft die Weltgesundheitsorganisation WHO in Europa Lärm mittlerweile als grosses Übel für die Gesundheit ein. Schädlicher sind nur noch Feinstaub und verschmutzte Luft. Davon merkt man hier oben, in der Kernzone des Unesco-Biosphärenreservats, zum Glück nichts.

Das Herz der Biosphäre macht acht Prozent der Gesamtfläche aus. Hier darf der Mensch nicht eingreifen, während auf der Hälfte des Gebietes, in der Entwicklungszone, der Boden bewirtschaftet werden darf. Im insgesamt 400 Quadratkilometer grossen Gebiet gibt es 44 Hochmoore, 61 Flachmoore und 4 grosse Moorlandschaften. Nach zweieinhalb Kilometern ist es so weit:

Nach zweieinhalb Kilometern ist es so weit: Im Berggasthaus Salwideli zücken wir unsere Gastro-Tickets und erhalten zur Vorspeise einen garnierten Teller Rindscarpaccio mit Fleisch vom benachbarten Bauernhof (es gibt auch eine vegetarische Alternative). Die Produkte sollen aus der Region stammen, so die Devise für die Dreigangroute.

Wer denkt, die Winterwanderung habe nur bei schönem Wetter ihren Reiz, sollte sich bei Schneefall unter der Woche auf den Weg machen. Das Zusammenspiel von Ruhe, Wetter und der Aussicht auf den nächsten Zwischenhalt macht grossen Spass. In der zweiten Etappe lichtet sich die Landschaft, wird sanfter, bevor man sich 200 Höhenmeter weiter unten im Hotel Rischli den Hauptgang verdient hat. Beim Zeitlupe-Test gibt es ein Hackfleischschnitzel an Kräutersauce mit Reis und Gemüse. Für Vegetarier steht ein Pilztoast zur Auswahl. Den Hauptgang um 16 Uhr bestellen? Kein Problem! Zum abschliessenden Dessert – zurück in die Dorfmitte von Sörenberg – sind es nur noch knapp zwei Kilometer. Der Abschluss am Ufer der Emme gefällt ebenso wie die Crêpe mit Vanilleglace im Restaurant Bäckerstube. Und der Magen hat sich nach einem Dreigangmenü noch selten so leicht angefühlt

Gastronomische Winterrundwanderung Sörenberg

Postauto bis Haltestelle «Sörenberg, Post». CHF 50.– inkl. Dreigangmenü und Seilbahnfahrt zum Startpunkt Rossweid. Wanderzeit: Etwa 2,5 Stunden. Länge: 8,4 km, rund 350 Meter abwärts. Ideale Startzeit im Winter: bis 11 Uhr. Gastro-Billett direkt lösbar an der Talstation der Rossweid-Bergbahn in Sörenberg.
Weitere Infos: Telefon 041 488 11 85, www.soerenberg.ch/gastronomische-rundwanderung

Die Alternative für Hartgesottene

Wer eine kürzere Winterwanderung bevorzugt, kann seinem Kreislauf in Flühling etwas Gutes tun – den nötigen Mumm vorausgesetzt. Das Nachbardorf von Sörenberg hat gemäss Broschüre «die schönste Kneippanlage der Schweiz». Das Tretbecken am Schwandalpweiher ist auch im Winter kostenlos zugänglich. Der Rundweg bietet Sicht auf die Schwändelifluh (auch «Entlebucher Dolomiten» genannt). Infos: Distanz: 4,3 km, Gehzeit: 1,5 Stunden, 111 Höhenmeter. www.kneipperlebnis.ch

Beitrag vom 08.04.2019
Fabian Rottmeier