© SBS / Matthias Auer

Dank grosser Schrift

Die Grossdruckbücher der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte ermöglichen auch Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung ein entspanntes Lesen – dank spezieller Schrift. Das Angebot umfasst 6000 Titel. 

Text: Fabian Rottmeier

«Ein Leben ohne Bücher ist wie eine Kindheit ohne Märchen, ist wie eine Jugend ohne Liebe, ist wie ein Alter ohne Frieden.» So beschreibt es der deutsche Germanist und Philosoph Carl Peter Fröhling. Die SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte sorgt dafür, dass auch Personen, die mit einer starken Sehbeeinträchtigung zurechtkommen müssen, unbeschwert lesen können. Jährlich stellt die SBS nebst anderen Formaten rund 500 Grossdruckbücher in ihrer eigenen Druckerei her. 6000 Bücher sind bereits zur Ausleihe per Postversand vorhanden. Mehr über das allgemeine SBS-Sortiment lesen Sie hier.

Die Tiresisas machts

Für die Grossdruckbücher wird die Schrift Tiresias verwendet, die eigens für diesen Zweck in England entwickelt wurde. Gedruckt werden die Werke in Schriftgrösse 17, auf Bestellung auch in Grösse 20 oder 25 Punkt. Die Tiresias ist dicker gehalten als übliche Laufschriften. Da die Buchstaben eher hoch als breit sind, kann die Schrift auch dann noch relativ gut gelesen werden, wenn etwa aufgrund einer altersbedingten Makuladegeneration ein Sehverlust im zentralen Gesichtsfeld vorliegt, so die SBS. Das Grossdruck-Sortiment der schweizweit einmaligen Bibliothek umfasst deutschsprachige Romane, aber auch aktuelle Sach- und Kochbücher sowie Kinder- und Jugendbücher. Letztere ermöglichen auch sehbeeinträchtigten Grosseltern ein Vorlesen, beispielsweise des Buchs «Der Tag, an dem der Opa den Wasserkocher auf den Herd gestellt hat», das für den Prix Chronos 2022 nominiert worden ist. Der Leseförderungspreis wird von Pro Senectute und Pro Juventute vergeben (lesen Sie dazu auch diesen Artikel). Bei der Unterhaltungsliteratur setzt die Bibliothek stark auf Schweizer Autorinnen und Autoren: Blanca Imboden, Christine Brand, Martin Suter, Franz Hohler oder Alex Capus sind nur einige Beispiele.

Die Grossdruckbücher werden in mehrere Bände à 25 mal 20 Zentimeter aufgeteilt – mit jeweils maximal 200 Seiten. So bleibt die Lektüre leicht und handlich. Die Bücher können beim Lesen auch flach abgelegt werden, ohne dass sie zuklappen (sehr praktisch, wenn man beim Lesen beispielsweise mal einnickt).

Es braucht nur eine Bestätigung

Für den Dienst der SBS können sich alle anmelden, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung herkömmliche gedruckte Bücher nicht (mehr) lesen können. Aus rechtlichen Gründen braucht es für die Anmeldung die Bestätigung über die Seh- oder Lesebeeinträchtigung durch eine Fachperson (zum Beispiel Haus- oder Augenarzt, Fachpersonen in Beratungsstellen oder Low-Vision-Fachpersonen). Nähere Informationen erfahren Sie auf sbs.ch oder per Telefon 043 333 32 32. Alle Titel finden sich auf online.sbs.ch und können dort oder per Telefon oder E-Mail ausgeliehen werden. Auch ein Bücherkauf oder eine gezielte Neubestellung ist möglich. Ein Grossdruckbuch kostet dabei nie mehr als die entsprechende Erstausgabe im Handel. Getreu dem Credo: Lesevergnügen für alle. ❋

© Sonja Ruckstuhl

Tipp: Die Zeitlupe hören statt lesen

Haben Sie gewusst, dass Sie sich die Zeitlupe als Abonnentin oder Abonnent auch vorlesen lassen können? Dank einer Partnerschaft mit SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte sind sämtliche Printartikel auf zeitlupe.ch auch als Hördatei verfügbar. Sie wurden von einer professionellen Sprecherin eingelesen. Die Hördateien finden Sie beim Anklicken der einzelnen Texte in der Menüspalte «Magazin» – sie sind jeweils mit einem auffälligen roten Balken gekennzeichnet.

  • Lesen Sie auch hier unser Porträt über Dominique Lüdi. Die Sprecherin der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte liest allmonatlich die Zeitlupe-Artikel ein.
Beitrag vom 15.11.2021

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