© Jasmin Frei

«Auch unsere Schweissdrüsen altern»

Der Zürcher Altersmediziner Michael Jäger erklärt, weshalb unser Körper im Alter mehr Mühe hat, auf das Wetter zu reagieren – und was dagegen hilft.

Der menschliche Körper muss sich dem Wetter ständig anpassen. Welche Eigenschaft beeindruckt Sie dabei am meisten?
Dass die Körpertemperatur dauernd stabil gehalten wird – egal ob die Aussentemperatur 30 oder 0 Grad beträgt. Dazu bedarf es einer stetigen genauen Messung und eines feinen Zusammenspiels ganz verschiedener Massnahmen der Wärmeproduktion und -ableitung im Körper.

Ältere Menschen haben Mühe mit der Hitze – wegen der schlechteren Wärmeregulation. Kann man aktiv etwas dagegen tun?
Ältere Menschen schwitzen weniger und haben meist ein vermindertes Durstgefühl. Aufgrund körperlicher oder auch kognitiver Einschränkungen sind viele nur bedingt in der Lage, auf Hitze angemessen zu reagieren. Am wichtigsten ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Um den altersbedingten Abbau der Schweissproduktion zu verringern, kann man auch diese trainieren, etwa mit regelmässiger körperlicher Aktivität oder Saunieren. Dies natürlich nur vorbeugend und nicht während der Hitzetage.

Im Alter beginnen wir, weniger stark zu schwitzen. Weshalb?
Millionen Schweissdrüsen, verteilt am ganzen Körper, sondern an einem normalen Tag etwa einen halben Liter Flüssigkeit ab. Beim Verdunsten entsteht Kälte. Mit zunehmendem Alter altern die Schweissdrüsen und die Funktion wird dadurch eingeschränkt. Auch die Zusammensetzung und der Geruch des Schweisses ändern sich. Zudem führen auch das verminderte Durstgefühl und die oft zu geringe Flüssigkeitsaufnahme dazu, dass ältere Menschen weniger schwitzen.

© mauritius images/shutterstock (Collage Zeitlupe)

Wechselhaftes aus der Welt des Wetters

Das Jahr 2021 ist von aussergewöhnlichen Wetterereignissen geprägt. Die Zeitlupe beleuchtet 14 wissenswerte, aber auch unterhaltsame Facetten aus der Meteorologie – von der kleinen Wolkenkunde bis zu historischen Ereignissen. Lesen Sie hier den Artikel.

Welche Medikamente können an Hitzetagen problematisch werden?
Da das Risiko eines Flüssigkeitsmangels bei Hitzetagen wie beschrieben sowieso hoch ist, sind natürlich harntreibende Medikamente (Diuretika) besonders problematisch. Bei einer verminderten Flüssigkeitsmenge sinkt oft der Blutdruck. Somit können alle blutdrucksenkenden Medikamente Probleme bereiten. Da sich bei einem Flüssigkeitsmangel zudem eine bereits eingeschränkte Nierenfunktion weiter verschlechtern kann, ist auch ein Einfluss auf viele von der Nierenfunktion abhängige Medikamente denkbar. Alle Medikamentenanpassungen sollten aber immer mit dem Arzt besprochen werden.

Welche Warnsignale sollte man ernst nehmen?
Bei zunehmender Schwäche, Schwindel und niedrigem Blutdruck sollte man mit seinem Arzt Kontakt aufnehmen.

Wie gefährlich ist der Klimawandel für ältere Menschen?
Dass alte Menschen bei extremer Hitze oft stark leiden, zeigt die erhöhte Sterblichkeit älterer Menschen in den Hitzesommern der letzten Jahre. Da man im Rahmen des Klimawandels mit vermehrten Wetterextremen rechnen muss, ist es offensichtlich, dass diese Altersgruppe besonders betroffen ist. Aber auch bei Starkregen und Überflutungen ist diese Gruppe aufgrund der oft eingeschränkten Mobilität in Fluchtsituationen oder auch bei zerstörter Infrastruktur übermässig gefährdet.

Nicht nur Hitze setzt Seniorinnen und Senioren zu, sondern auch Kälte. Wie schützt man seine Gelenke?
Häufig nehmen Gelenkschmerzen bei Kälte zu. Dies sollte jedoch nicht zu weniger Bewegung führen. Entsprechend angezogen sollte man deshalb auch an kalten Tagen nicht auf ausgiebige Spaziergänge verzichten. Dies verbessert die Durchblutung, bewahrt die Muskelkraft und Knochengesundheit und hält die Gelenke beweglich.

Auch Muskeln schützen vor Kälte. Bei welchen Beschwerden ist Muskeltraining ein gutes Präventionsmittel?
Die intensivste Wärmeproduktion aus der Muskulatur entsteht bei körperlicher Belastung. Der Abbau von Muskulatur ist sicher eine der grössten Gefahren für die Selbstständigkeit im Alter. Um dem Abbau entgegenzuwirken, ist nicht nur ein regelmässiges körperliches Training wichtig, sondern, wie wir Patienten in unserer altersmedizinischen Sprechstunde immer wieder aufzeigen, auch eine ausreichende Eiweissernährung. ❋

Zur Person

Dr. med. Michael Jäger ist Mitgründer, Geschäftsführer und ärztlicher Leiter von Age Medical – Zentrum Gesundheit im Alter in Zürich, der ersten Fachpraxis für Altersmedizin. Infos: age-medical.ch

Beitrag vom 06.09.2021

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