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Mediation: Faire Lösung bei Streitigkeiten

Konflikte in der Familie oder Partnerschaft belasten die Beteiligten oft stark. Hannes ­Käser, Mediator bei Pro Senectute Kanton Bern, erklärt, wie eine Mediation helfen kann.

Konflikte gehören zum Leben, auch wenn wir sie manchmal lieber vermeiden möchten. Sie entstehen überall, wo Menschen einander begegnen, und häufig in Familien. Im Alter geht es dabei etwa um die Pflege und Betreuung von Angehörigen, um die Lebensgestaltung nach der Pensionierung, um unterschiedliche Erwartungen von Eltern an Kinder und umgekehrt, um Finanzen oder um Nachbarschaftsstreit.

Dauern Konflikte länger, belasten sie unsere Gesundheit und kosten viel Kraft. Ältere Menschen leiden oft stark, weil sie angesichts des nahenden Lebensendes ein grosses Bedürfnis nach Harmonie in der Familie verspüren und danach, alles Wichtige zu regeln. Hier kann eine Mediation helfen, eine faire Lösung zu finden, hinter der alle stehen. Dabei sitzen möglichst alle Beteiligten mitein­ander am Tisch. Eine neutrale Fachperson leitet als Mediatorin oder Media­tor das Gespräch durch verschiedene Phasen. Er oder sie sorgt unparteiisch dafür, dass alle ihre ­persönliche Sichtweise, Gefühle und Bedürfnisse einbringen können. Und dass man einander zuhört, ohne dass ein Streit eskaliert.

Raum für Lösungen schaffen

Oft führt dies zu Aha-Momenten, weil man vielleicht zum ersten Mal versteht, wie eine andere Person fühlt und warum sie so und nicht anders handelt. So gelingt es, auch in fest­gefahrenen Situationen Raum für Lösungen zu schaffen. Können sich die Parteien einigen, erstellen wir eine schriftliche Vereinbarung. Diese ist zwar juristisch nicht verbindlich, wird aber respektiert, weil sie alle ­gemeinsam entwickelt haben. In unserer Broschüre zitieren wir den Schriftsteller Kurt Tucholsky, der sagte: «Streitende sollten wissen, dass nie einer ganz recht und der andere ganz unrecht hat.»

Am Ende können alle profitieren

Die Teilnahme an einer Mediation ist freiwillig. Alle Beteiligten dürfen sie jederzeit abbrechen. Natürlich kann die Methode nicht jeden Konflikt ­lösen, gerade wenn er schon jahrelang schwelt. Dann erstellen wir eine Auslegeordnung und einigen uns ­darauf, dass man sich im Moment nicht einigen kann. Allein zu akzeptieren, dass eine Konfliktsituation besteht, kann entlasten. Manchmal lautet die Lösung auch, einander aus dem Weg zu gehen, anstatt weiter in alten Wunden zu stochern.

Im Gegensatz zu einer Gerichtsverhandlung können wir in der Mediation auch Themen und Gefühle einbeziehen, die ein Gericht nicht behandeln kann. Im Idealfall verbessern sich dadurch die Kommunikation, das gegenseitige Verständnis und damit die Beziehung der Beteiligten. So profitieren am Ende alle.

Beitrag vom 09.04.2026
Hannes Käser

ist Mediator und Sozialarbeiter FH bei der mediativen Konfliktberatung von Pro Senectute Kanton Bern. www.be.prosenectute.ch, Mail info@be.prosenectute.ch, Telefon 031 359 03 03.
Um das kostenlose Angebot zu nutzen, sollte mind. eine Person im AHV-Alter sein und im Kanton Bern wohnen.

 

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