Masturbieren ist lange abgewertet worden. Dabei tut man sich damit ausschliesslich Gutes: Solosex fördert Wohlbefinden und Gesundheit.
Eliane Sarasin ist Sexualmedizinerin und Gynäkologin im «Swiss Breast Care»-Zentrum der Zürcher Klinik Bethanien. Sie beantwortet Ihre Fragen zu Liebe, Partnerschaft und Sexualität.
«Ich bin 85 Jahre alt und fühle mich fit, aktiv und lebenslustig. Da ich verwitwet bin, fehlt mir jedoch ein Mann, mit dem ich Sex haben könnte. Deshalb befriedige ich mich ab und zu selbst. Allerdings habe ich dabei oft ein ungutes Gefühl. Kann ich mir damit schaden? Raube ich mir so nicht die Energie, die ich für anderes bräuchte?» Alice, 85
Um das Thema Masturbation ranken sich leider bis heute ungeheure Mythen. Viele Menschen Ihrer Generation haben in der Kirche noch gelernt, dass Selbstbefriedigung eine Sünde sei und schwach, dumm oder blind mache. Auch die elterliche Erziehung war diesbezüglich lange sehr verklemmt. Dabei ist Masturbation mitnichten schädlich, im Gegenteil. Wenn Sie sich selbst befriedigen, tun Sie sich und Ihrem Körper ausschliesslich Gutes.
Orgasmen sind gesund
Zum Beispiel verbessern Sie die Durchblutung Ihres Beckenbodens. Frauen, die regelmässig masturbieren, leiden deshalb seltener unter trockenen Vaginalschleimhäuten. In der Folge kommt es weniger zu Blasenentzündungen, vaginalen Infektionen und Inkontinenz. Auch das Herzkreislaufsystem wird angekurbelt. Beim Orgasmus – ganz egal, ob mit oder ohne Partner – schüttet der Körper entspannende Stoffe aus, die sogar schmerzstillend wirken. Falls Sie zum Beispiel unter Rücken- oder Gelenkbeschwerden leiden, könnten sie nach der Selbstbefriedigung eine Besserung spüren. Bei Männern kommt noch ein anderer Benefit hinzu: Regelmässige Orgasmen können das Risiko für Prostatakrebs deutlich senken. Masturbation ist also nicht energieraubend, sondern eine Ressource für Genuss und Lebensenergie. Wer sich selbst befriedigt, fördert damit aktiv seine Gesundheit.
Solosex bedeutet Selbstfürsorge
Früher hat uns die Kirche eingeredet, dass Sexualität ausschliesslich in der Ehe und zur Reproduktion erlaubt sei. Heute sehen das die meisten Menschen zum Glück anders. Masturbation ist eine eigenständige Form der Sexualität. Sie hat den Vorteil, dass man sich nicht um die Bedürfnisse eines Vis-à-vis kümmern muss, sondern sich ganz und gar auf die eigene Lust konzentrieren und dabei seine erotischen Vorlieben entdecken kann. Betrachten Sie Solosex nicht als Trostpflaster oder Ersatzlösung für «richtigen» Sex mit einem Partner, sondern als Selbstfürsorge. Genauso, wie Sie sich etwas Feines zum Essen kochen oder etwas Schönes anziehen, tun Sie auch Ihrem Körper etwas Gutes.
Selbstbefriedigung ist universell
In allen Kulturen der Welt und in allen Altersgruppen befriedigen sich die Menschen selbst. Wobei die Häufigkeit – wie beim Partnersex auch – mit zunehmendem Alter abnimmt. Eine britische Studie hat gezeigt, dass bei Frauen zwischen 66 und 76 Jahren noch etwa ein Drittel masturbiert. Bei den über 80-Jährigen sind es noch 10 bis 15 Prozent. Zu dieser Gruppe gehören auch Sie. Seien Sie stolz darauf, dass Sie sich noch so lebendig fühlen! ![]()
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