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Hormone aus dem Lot

Nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren können Probleme mit der Schilddrüse auftreten. Hunde erkranken häufiger an einer Schilddrüsenunterfunktion, Katzen an einer Schilddrüsenüberfunktion. Beide Erkrankungen sind gut therapierbar.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) tritt meist bei Katzen auf, die schon etwas älter sind. Ursache ist meist eine gutartige Vergrösserung der Schilddrüse. Sie bewirkt, dass die Schilddrüsenhormone unkontrolliert und in hohem Masse produziert und ausgeschüttet werden. Die vergrösserte Schilddrüse ist bei der Untersuchung oft spürbar.

Katzen, die an einer Überfunktion leiden, zeigen oft Heisshunger und deutlichen Gewichtsverlust, aber auch Verdauungsstörungen wie Erbrechen oder Durchfall sind häufig. Sie trinken zudem sehr viel und müssen deshalb deutlich mehr Harn absetzen. Die hohen Schilddrüsenhormone führen überdies zu einer hohen Herzfrequenz. Die Tiere sind sehr unruhig und miauen vermehrt. Oft suchen sie zum Schlafen auch kühle Plätze auf.

Die Symptome zeigen sich meist sehr deutlich. Im Bluttest kann das erhöhte Schilddrüsenhormon T4 nachgewiesen werden. Als Therapie kommt ein Medikament zur Anwendung, das die Synthese der Schilddrüsenhormone reduziert. Das Medikament muss lebenslang eingenommen werden und kann als Tablette verabreicht werden. Falls eine Tablettengabe nicht möglich ist, kann das Medikament als Salbe an die Innenseite der Ohrmuschel appliziert werden. Der Hormonspiegel reguliert sich dank der Behandlung nach wenigen Wochen. Die Katzen nehmen wieder an Gewicht zu, haben eine bessere Lebensqualität und eine deutlich längere Lebenserwartung.

Schilddrüsenunterfunktion bei Hunden

Von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) betroffen sind vor allem mittelgrosse bis grosse Hunde im mittleren Alter. Ursachen dafür sind meist eine Entzündung oder eine Atrophie (Verkleinerung) der Schilddrüse. Die Symptome sind vielfältig: Müdigkeit, Lethargie und Leistungsschwäche. Der Vierbeiner nimmt auch stetig an Gewicht zu, obwohl Fütterung und Appetit konstant sind. Oft leiden die Vierbeiner an wiederkehrenden Hautproblemen und Ohrentzündungen. Da sich die Krankheit und die daraus folgenden Symptome nur langsam entwickeln, ist es für Hundehalterinnen und -halter nicht wirklich einfach, die Veränderungen zu erkennen. Sie werden oft mit einem normalen Alterungsprozess verwechselt.

Die Diagnose erfolgt durch eine Blutuntersuchung, in der das Schilddrüsenhormon T4 und das schilddrüsenstimulierende Hormon cTSH untersucht werden. Der Test ist jedoch nicht immer eindeutig und in einigen Fällen sind weitere Stimulationstests nötig. Eine bestätigte Schilddrüsenunterfunktion kann gut behandelt werden. Die Hunde erhalten täglich Tabletten, die synthetisch hergestelltes Schilddrüsenhormon enthalten. Dadurch wird der tiefe Hormonspiegel ausgeglichen. Bereits nach wenigen Wochen sind die Vierbeiner wieder deutlich vitaler und auch die Hautund Gewichtsprobleme normalisieren sich. Die Therapie erfolgt lebenslang.

Die Schilddrüse

Im Bereich des Halses liegt die Schilddrüse auf der Luftröhre. Ihre Hauptaufgabe ist die Produktion der Hormone T4 und T3, die das Wachstum, den Stoffwechsel, die Organentwicklung und Teile des Nervensystems beeinflussen. Unbehandelte Erkrankungen der Schilddrüse können mit der Zeit Folgeschäden an verschiedenen Organen im Körper verursachen.

Mirjam Kündig

ist Tierärztin in Küsnacht.
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