Essen auf die Schnelle

Unsere Grossmütter brauchten im Schnitt dreimal länger, um Mahlzeiten zuzubereiten. Sogenannter Convenience-Food (Bequem-Essen) hat die Kochzeiten verkürzt, industriell vorgefertigte Speisen sind zum Milliardengeschäft geworden. Doch wie gesund sind diese? Eine Expertin klärt auf.

Redaktion: Roland Grüter

80 Prozent aller Lebensmittel sind geschnitten, vorgekocht oder andersartig verarbeitet. Ist die Bequem-Kost eine Erfindung der Neuzeit?
Nein. Bereits unsere Grosseltern setzten auf eingemachte und getrocknete Speisen. Damals stand aber nicht die Bequemlichkeit im Vordergrund, sondern die Haltbarmachung rasch verderblicher Speisen ‒ um sich damit für die harten, erntefreien Wintermonate zu wappnen. Die Zubereitung erfolgte meist zu Hause, und wie wir wissen, ist solche Rüst-und Kocharbeit nicht eben bequem, sondern aufwändig. Der industriell produzierte Convenience-Food, wie wir ihn kennen, kam erst in den 1960er-und 1970er-Jahren in Mode.

Woher rührt der Erfolg der Industrieware? Bio, vegan, saisonal und regional gelten doch als Schlagwörter der Stunde.
Personen, die den Fokus auf Bio, saisonal und regional legen, werden wahrscheinlich weniger verarbeitete Lebensmittel einsetzen. Aber auch in dieser Sparte gibt es immer mehr Convenience-Produkte – Bio-Tiefkühlgemüse, Bio-Spätzli, Bio-Forelle mariniert etc. Im veganen Sortiment ist der Anteil besonders hoch. Will man Fleisch, Käse oder Joghurt überzeugend imitieren, sind aufwändige Zubereitungsprozesse mit einer Unzahl von Hilfs-und Zusatzstoffen nötig.

«Besonders empfehlenswerte Produkte sind: ungewürztes Tiefkühlgemüse, ungezuckertes Tiefkühlobst oder ungesalzene Tomatenprodukte.»

Ruth Ellenberger, Ernährungsberaterin

Convenience-Produkte stehen unter Generalverdacht, ungesund zu sein: vor allem tisch- und garfertige Produkte stehen in der Kritik; weshalb?
Achtung: Pauschal lassen sich Convenience-Produkte nicht verurteilen. Vorgerüstete Salate, Tiefkühlgemüse oder zugeschnittenes Fleisch gehören ja auch dazu. In tisch-oder garfertigen Produkten aber sind wesentliche Faktoren vorbestimmt, die über die Ernährungsqualität entscheiden. Die Zucker-, Salz-und Fettanteile sind gegeben. Was besonders bei den Fetten heikel ist. Hierbei spielt nicht einzig die Menge eine wichtige Rolle, sondern auch die Qualität. Nicht selten werden minderwertige, ungesunde Fette verwendet, etwa Palm-und Kokosfett oder gehärtete pflanzliche oder tierische Fette. Wer sich eine Übersicht verschaffen will, muss also erst das Kleingedruckte lesen.

Welche Produkte sind empfehlenswert, welche verdächtig?
Besonders empfehlenswerte Produkte sind: ungewürztes Tiefkühlgemüse, ungezuckertes Tiefkühlobst oder ungesalzene Tomatenprodukte (in der Dose, im Glas oder getrocknet). Hier können wir über den Zucker-, Salz-und Fettgehalt einer Mahlzeit mehrheitlich selbst bestimmen. Nicht zu empfehlen ist der regelmässige Konsum von Wurstwaren, Fleischpasteten, süssen oder salzigen Backwaren auf Weissmehlbasis, gezuckerte Joghurts, Fertig-Birchermüesli, gesalzene Frischkäsezubereitungen mit Rahm etc. Vorgekochte Hülsenfrüchte oder Rösti aus dem Beutel jedoch sind punkto Salzgehalt absolut vertretbar.

Gibt es Massstäbe, die man in der Bewertung ansetzen kann?
Ja. Wer ein Fertigmenü beurteilen will, sollte folgende Punkte berücksichtigen: Der Gemüseanteil sollte möglichst hoch sein (um 120 Gramm), der Fettanteil sollte pro 100 Gramm Fertiggericht höchstens 5 bis 6 Gramm ausmachen ‒ das Eiweiss wiederum rund fünf Gramm.

Was, wenn diese Werte nicht eingehalten sind?
Dann sollte man von den Speisen weniger essen und diese aufwerten: Ist beispielsweise der Gemüseanteil zu klein, lässt sich ein Fertigmenü mit Salat oder Tiefkühlgemüse ergänzen. Oder mit einem hartgekochten Ei, falls der Eiweissgehalt zu tief sein sollte.

Lässt sich Convenience-Food überhaupt sinnvoll in die gesunde Ernährung integrieren?
Durchaus ‒ vorausgesetzt, man setzt die Produkte mit Verstand ein und wählt sie sorgsam aus. Gegen eine Beutelsuppe ist nichts einzuwenden, vor allem wenn man sie mit ein paar gesunden Zutaten ergänzt. Man kann beispielsweise eine Gemüse-Cremesuppe mit halbierten, nicht erhitzten Cherry-Tomätli, mit Peperoni-oder Gurkenwürfeli aufwerten. Wer dazu ein Vollkornbrötchen oder etwas geräucherte Forelle, Käse, Hüttenkäse oder ein Ei isst, sichert sich damit sogar eine vollwertige Mahlzeit.

Auch vorgewaschene Fertigsalate gehören zum Convenience-Segment: Wie sieht es mit deren Vitamin-Power aus?
Schwierige Frage. Ein frischer Gartensalat gewinnt das Kräftemessen auf jeden Fall. Ist der Salat jedoch nicht gartenfrisch, fällt die Bilanz möglicherweise anders aus, zumal wir diesen daheim vor dem Verzehr ebenfalls waschen und rüsten müssen. Die Testergebnisse sind sehr divers. Salate, ob vorgerüstet oder frisch, sind aber immer eine Bereicherung im Tagesmenü, alleine der wertvollen Nahrungsfasern wegen. Deshalb rate ich Menschen, welche die Küchenarbeit möglichst klein halten wollen, durchaus zu vorgerüsteten Salaten. Man kann diese ganz entspannt geniessen, so wie tiefgekühlte Gemüse auch.


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Beitrag vom 07.02.2022
Ruth Ellenberger (57)

ist dipl. Ernährungsberaterin HF SVDE und Mitinhaberin des Ernährungszentrums Zürich, ernaehrungszentrum.ch

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