Blick über den Neckar auf die Heilig-Geist-Kirche von Heidelberg. (© Reinhard Schmid/Huber-Images)

Acht Tage unterwegs auf vier Flüssen Deutschlands

Die nächste Zeitlupe-Leserreise führt per Schiff auf die vier süddeutschen Flüsse Saar, Mosel, Rhein und Neckar. Ein gemächliches Tempo, spannende Städtestopps und hübsche Landschaften machen die achttägige Reise zum willkommenen Perspektivenwechsel.

Text: Fabian Rottmeier

Manchmal sind es überraschende Momente, die von einer Flussreise in Erinnerung bleiben. Etwa das Schnattern von rund 200 Wildgänsen, die innert Sekunden am Schiff vorbeifliegen. Oder der Moment, wenn man nachts aus dem Kabinenfenster blickt – und sogar die stark beleuchtete Chemiefabrik faszinierend schön aussieht. Reisen heisst auch, mit offenen Augen unterwegs zu sein. Auf der 570 Kilometer langen «Flussquartettfahrt» mit der «Thurgau Casanova» fällt das Staunen leicht. Das im Antikstil gestaltete Schiff passiert auf den miteinander verbundenen Flüssen Saar, Mosel, Rhein und Neckar insgesamt 30 Schleusen, Dutzende Schlösser, faszinierende Land- und Ortschaften. Ein Einblick in die Leserreise anhand von vier Beispielen, die besonders überrascht haben:

Sonnenuntergang am Hotel Burg Hornberg in den Weinbergen oberhalb der Neckar im Naturpark Neckartal-Odenwald bei Neckarzimmern
Sonnenuntergang beim Hotel Burg Hornberg in den Weinbergen oberhalb der Neckar im Naturpark Neckartal-Odenwald bei Neckarzimmern © Reinhard Schmid/Huber-Images

17 Schichten

Wer sich auf dem Sonnendeck aufhält, braucht manchmal mehrere Kleiderhüllen, um dem Fahrtwind zu trotzen. Doch das ist alles nichts im Vergleich zu den bis zu 17 Schichten, die der Adel einst im Winter im Schloss Ludwigsburg trug. Heizungen waren in den 452 (!) Räumen Fehlanzeige, Cheminées eine Seltenheit. Auf dem Besuch dort erlebt man die Kälte in dem 300 Jahre alten Barockwerk nicht nur persönlich, sondern hört beim Rundgang auch viele weitere spannende Fakten und Geschichten. So ist die Anlage bis ins letzte Detail symmetrisch gehalten, was sich unter anderem an Türen  äussert, die lediglich eine Wand verdecken. Alles soll sich spiegeln. Besonders eindrücklich sind der original erhaltene Seidendamast, der königliche Theatersaal und die Grösse und Weite der Galerien. Am Ende bleibt genügend Zeit, um die drei weitläufigen Schlossgärten selbst zu erkunden.

Ebbe und Flut

Das Leben an Bord erinnert an die Gezeiten. Vor und nach den drei abwechslungsreichen Mahlzeiten herrscht reger Betrieb in den Gängen. Dazwischen breitet sich auf dem 96 Gäste fassenden Schiff immer wieder eine angenehme Ruhe aus. Die einen lesen, andere spielen Karten, gönnen sich ein Nickerchen im Zimmer oder gehen an Deck. Schön auch, wie sich unter den Reisenden nach wenigen Tagen eine lockere Atmosphäre und ein Zusammengehörigkeitsgefühl einstellt. Die Gespräche weiten sich auch gerne mal an den Nachbartisch aus. Die Ortsrundgänge im putzigen Bad Wimpfen, in Koblenz oder der Weinerlebnisausflug an der Mosel fördern das Wir-Gefühl ebenfalls.

Das unfassbare Fass

Neben Mainz stehen auch Deutschlands älteste Stadt Trier und die Universitätsstadt Heidelberg auf der Route: Die pulsierende Altstadt von Heidelberg mit ihren 350 Kneipen liegt direkt am Neckar. Auf dem Stadtrundgang führt die Schweizer Standseilbahn zum Wahrzeichen, der mittelalterlichen Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Bauzeit: 400 Jahre. So schön die alten Schlossmauern in der Nachmittagssonne auch leuchten, besonders eindrücklich ist «Das Grosse Fass». 220 000 Liter Wein kann die mittlerweile vierte, 281 Jahre alte Ausführung schlucken. Doch weil das Holzfass unfassbar gross ist, aber nie dicht war, wurde es nur dreimal gefüllt. Heute ist es per Treppe und Plattform begeh- und vor allem erlebbar.

Zeit zum Schauen

Der Vorteil, wenn man mit 13 bis 20 Stundenkilometern reist? Es bleibt mehr Zeit, sich die Landschaft am Uferrand anzuschauen. Zudem ist die Zugluft weniger steif, aber trotzdem noch stark genug, um den Kopf zu lüften und dabei über alles Mögliche zu sinnieren. An Deck zu sitzen und nichts zu tun, ausser die Landschaft zu beobachten, hat etwas Meditatives. Kein Wunder, beweisen viele Gäste auf dem Sonnendeck viel Ausdauer und geniessen die vorbeiziehende Kulisse. Zum Schwelgen gibt es genug: die bis ans Ufer ragenden Wälder des Naturparks Neckartal-Odenwald etwa, aber auch der Flussabschnitt des «Romantischen Rheins» begeistert durch bilderbuchmässige Weinberge und hoch in den Hängen thronende Burgen. Weiterer Höhepunkt: An zwei Stellen legt das 103 Meter lange Schiff eine Kehrtwende hin: Sowohl die Neckar- als auch die Saarschleife verlaufen hufeisenförmig durch die Landschaft. Zwei besondere Momente, die für den Perspektivenwechsel stehen, den eine Flussreise bietet – auch über diese acht Tage hinaus. ❋

Sonnendeck der Thurgau Casanova
Sonnendeck der Thurgau Casanova © Thurgau Travel

 Das detaillierte Programm und alle Infos zur Buchung der Flussreise finden Sie hier


Beitrag vom 07.03.2022

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