Wieso? Weshalb? Warum? Das sind längst nicht alle Fragen, um die sich das «Café Philo» von Pro Senectute in Brunnen dreht. Gespräche über die grossen Themen des Lebens öffnen den Raum für neue An- und Einsichten. Klar ist nur eines: In der Pause gibts Kaffee und Kuchen.
Text: Annegret Honegger
Die Fenster im Kursraum bei Pro Senectute in Brunnen SZ sind raumhoch. Hoch genug, dass sich der Blick weitet und die Gedanken schweifen können. Das passt, denn einmal im Monat wird hier tiefgründig philosophiert: Im «Café Philo» unter der Leitung von Edy Leisibach.
Das Interesse an gemeinsamen Gedankenexkursionen ist gross. Fast zwanzig Personen beschäftigen sich an diesem Kursmorgen mit Zen-Buddhismus. Zen, erklärt der Gesprächsleiter, bezeichne eine meditative Schule des Buddhismus, die absolute Präsenz im Hier und Jetzt, geistige Klarheit und Erleuchtung anstrebt. Wie immer hat er eine kleine Einführung verschickt, so-dass sich vorbereiten kann, wer möchte.
Die heutige Lektüre über «Die Freiheit des Zen» des Schweizer Zen-Meisters Zensho W. Kopp ist deftige Kost, denn der Autor will seine Leserschaft bewusst provozieren. So schreibt er etwa, alles Denken sei bloss intellektueller Abfall, der das Hirn verstopfe. Die Wahrheit finde man weder in der Wüste noch beim Rückzug ins Kloster, sondern «mitten im täglichen Leben, mitten in der Welt voller Kriege, Gier, Neid und Begierde».
Ist Denken ein Luxus?
Sofort beginnt eine lebhafte Diskussion. Was ist Wahrheit – und gibt es überhaupt eine? Oder gar mehrere? Der Zen-Buddhismus will nicht alles bewerten, wie es unser Verstand fast ständig tut. Nicht alles in Kategorien wie Gut und Böse, Richtig oder Falsch einteilen. «Die Welt ist ein Paradies oder eine Hölle. Es liegt ganz bei Dir und Deinen Gedanken», schreibt der Zen-Meister.
Denken und diskutieren, bis die grauen Zellen glühen, macht den Teilnehmenden sichtlich Spass. Etwa beim Gespräch darüber, ob Philosophieren ein Luxus sei, den sich nur Privilegierte leisten können. «Wären wir den ganzen Tag mit dem nackten Überleben beschäftigt wie Menschen in Kriegsgebieten, würden wir uns kaum mit solchen Themen beschäftigen», meint jemand. Doch: Wer ist wirklich privilegiert? Wir mit unseren 15 Paar Schuhen im Schrank? Oder vielleicht doch Naturvölker, bei denen Depressionen und Suizide viel seltener sind?
Auf viele Fragen gibt es keine eindeutige Antwort. «Philosophie ist die Kunst, im Ungewissen hängen zu bleiben», sagt Edy Leisibach und lädt zur Pause. Bei Kaffee und Kuchen berichtet ein Teilnehmer: «Seit ich pensioniert bin, habe ich Zeit, mich vertieft mit philosophischen Fragen auseinanderzusetzen.» Eine Teilnehmerin schätzt wie viele andere den Austausch mit Gleichgesinnten: «Hier ist es viel anregender, als wenn ich allein ein Buch lese.» Die Diskussionen seien hochinteressant, «weil so viel Wissen und Lebenserfahrung am Tisch sitzt», meint eine andere. Und: «Edy leitet das Café Philo mit Herzblut. Die Gespräche wirken oft noch lange nach.»
Erkennen und Tee trinken
Nach der Pause lädt Edy Leisibach spontan zu einer kurzen Zen-Meditation ein. So wird es für einmal still im Raum. Doch an nichts zu denken, ist nicht leicht für unseren Geist, in dem sich ständig das Gedankenkarussell dreht, melden viele zurück. Edy Leisibach weiss aus Erfahrung: «Oft muss für neue Erkenntnisse zuerst Leere entstehen.» Wie in der bekannten Geschichte jenes Zen-Meisters, der einem Gelehrten immer mehr Tee einschenkt. Als dieser erschrocken Stopp ruft, meint der Meister: «Wenn du deine Tasse nicht leerst, kann ich dir nichts einfüllen. Genauso kann ich dich Zen nicht lehren, solange du schon voll mit festen Vorstellungen bist.»
An der nächsten Sitzung möchten sich die Teilnehmenden mit den Büchern der Psychologin Verena Kast beschäftigen. Edy Leisibach hofft nun auf zwei Regentage: «Dann bin ich mit der Vorbereitung durch.» Ihm gefällt die Offenheit der Teilnehmenden, sich auf Neues einzulassen: «Manche bringen sich engagiert ein, andere hören lieber zu. Beides hat Platz. Wie natürlich auch Humor und ab und zu ein fauler Spruch.» ![]()
© Annegret Honegger
«Café Philo» bei Pro Senectute Kanton Schwyz
Im Philosophie-Café moderiert der ausgebildete Notar, Psychologe und Erwachsenenbildner Edy Leisibach Diskussionen über zentrale Fragen der Philosophie, Psychologie und Soziologie. In respektvoller Atmosphäre geht es um Themen wie den Sinn des Lebens, die Natur der Wirklichkeit und die Veränderungen im Denken der Menschheit. Ziel ist es, in einer offenen Auseinandersetzung neue Perspektiven zu gewinnen und eigene Erkenntnisse zu vertiefen. Der Kurs bietet Raum, um den Austausch untereinander zu geniessen und neue Einsichten für das eigene Leben zu entdecken.
Informationen: Pro Senectute Kanton Schwyz, Region Innerschwyz, Telefon 041 825 13 88, Mail kurse.innerschwyz@sz.prosenectute.ch, sz.prosenectute.ch/freizeit
Angebote in Ihrer Nähe finden Sie bei Pro Senectute in Ihrer Region. Adressen via prosenectute.ch oder Infoline 058 591 15 15.
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