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Skiplausch auf der Riederalp

Mit ihren Mitschülerinnen – hier im Skilager 1955 – trifft sich Liselotte Müller- Mathys aus Rudolfstetten AG jedes Jahr zur Klassenzusammenkunft.

Auf meine ersten eigenen Skier war ich stolz: Sie waren rot und hatten sogar Metallkanten! Auf dem Skilagerfoto auf der Riederalp 1955 stehe ich ganz links aussen. Auch meine Windjacke war rot, wenn ich mich richtig erinnere. Und wir Mädchen trugen Hosen, was in der Schule nur ausnahmsweise an ganz kalten Tagen erlaubt war.

Im Skilager hatten wir es immer lustig, aber sonst gefiel es mir in der Mädchensekundarschule Laubegg in Bern weniger. Mir kam das Klima konservativ vor und der Unterricht staubtrocken. Zwei unserer Lehrerinnen, Fräulein H. und Fräulein L. – Letztere legte auch Wert auf korrektes Berndeutsch –, fand ich altmodisch und langweilig. Dass diese Frauen als Berufstätige Pionierinnen waren und vielleicht für ihre Ausbildung kämpfen mussten, kam mir als Teenager natürlich nicht in den Sinn. Möglicherweise war ich auch so kritisch, weil ich hatte zügeln und die Schule wechseln müssen.

Später an der Töchterhandelsschule war ich glücklich. Wir hatten mitreissende Lehrerinnen und Lehrer, die uns ernst nahmen und mein Interesse an Geschichte und Literatur weckten. Mit dem Handelsdiplom in der Tasche stand mir die Welt offen. Als ich von meinen Sprachaufenthalten im Ausland zurückkehrte, fand ich sofort wieder eine Stelle. Einmal erhielt ich auf ein Inserat hin nicht weniger als 28 Angebote. Diesbezüglich hatten wir es wesentlich leichter als die Jungen heute.

Mit einigen der Frauen auf dem Foto treffe ich mich jedes Jahr im Egghölzli in Bern zur Klassenzusammenkunft. Wenn wir uns da über früher unterhalten, staune ich manchmal, wie unterschiedlich unsere Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit sind und wie verschieden
wir dasselbe erlebt haben.

Aufgezeichnet von Annegret Honegger

Beitrag vom 10.02.2020