Kirschblüte: Das rosa Wunder
«Hanami», das Kirschblütenfest, ist in Japan das Frühlingsereignis. Auch in der Schweiz geniessen immer mehr Menschen den Blütenzauber – wegen des Klimawandels immer früher.
Blüht Sakura, die Kirschblüte, packen in Japan Tausende ihre Picknickkörbe und treffen sich mit Familie und Freunden unter den blühenden Kirschbäumen in Parks, Gärten oder bei Tempeln. Viele Orte bieten abendliche Beleuchtung der Bäume, Strassenstände und Musik. Besonders bekannte Hanami-Orte sind die Parks in Tokio und Kyoto sowie der Berg Yoshino in Nara.

Medien und Bevölkerung verfolgen, wie sich die «Blütefront» von Süden Richtung Norden bewegt. Die japanische Meteorologiebehörde aktualisiert die Prognose über die Kirschblüte von Dezember bis Juni drei Mal pro Tag. Der Kirschbaum steht in Japan für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit. Die kurze Blütezeit symbolisiert, dass schöne Momente intensiv, aber nicht ewig sind.
Kirschblüte bereits im März
In den letzten Jahren hat der Trend auch Europa erreicht. Dass die Kirschblütensaison in der Schweiz seit den 1980er Jahren immer früher beginnt, ist ein wichtiger Indikator für die Klimaveränderung. Der Zeitpunkt, an dem die Pflanzen aus dem Winterschlaf erwachen, ist in den letzten vierzig Jahren um fast drei Wochen vorgerückt. Die Bäume reagieren auf immer mildere Winter und steigende Temperaturen bereits im Februar. So blüht der seit 1894 beobachtete wilde Kirschbaum am Waldrand von Liestal-Weideli mittlerweile manchmal bereits im März.
Was die Menschen erfreuen mag, ist für die Natur ein Problem. Blühen Obstbäume früh, erfrieren ihre Blüten eher in einem Kälteeinbruch, was den Baum schwächt. Blühen sie gar, bevor die Insekten zum Bestäuben da sind, tragen sie weniger Früchte. Und wenn die Pflanzen, von welchen sich die Insekten ernähren, bereits verblüht sind, verhungern sie und fehlen ihrerseits den Vögeln als Nahrung für ihre Brut.

Wer blühende Kirschbäume bewundern will, hat je nach Wetter etwa zehn bis 14 Tage Zeit. Am frühen Morgen und am späten Nachmittag lohnt sich ein Spaziergang wegen der Lichtverhältnisse besonders. In urbanen Gebieten bestaunt man meist die japanische Zierkirsche mit ihren rosafarbenen Blüten, die keine essbaren Früchte trägt. Die Hoch- und Niederstammkirschbäume in den Kantonen Aargau, Thurgau, Baselland, Schwyz, Solothurn und Zug hingegen laden im Sommer zur Ernte.
Hotspots der Kirschblüte in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Zug und Zürich
Basel: Region um Liestal – Baselland-Tourismus hält mit dem «Bluescht-Ticker» auf dem Laufenden. Besonders schön: Der «Baselbieter Chirsiweg». In Basel Stadt: Kannenfeldpark, Itelpfad, General-Guisan-Strasse, Friedhof Hörnli. Rudolf-Wackernagel-Strasse in Riehen. Bluescht-Blast im Baselbiet
Bern: Rosengarten, Parkanlage Elfenau, BKW-Hauptsitz am Viktoriaplatz, Salem-Spital.
Luzern: Ganzes Stadtgebiet, besonders Männliturm, Rosenberg, Sternmattquartier. Kapellenweg von Hellbühl nach Ettiswil
St. Gallen: Ganzes Stadtgebiet, besonders Bahnhofpärkli, Schlösslipark neben Kantonsspital, Tal der Demut zwischen Riethüsli und St. Georgen, Wenigerweiher.
Zug: Gartenstrasse, Feldpark, rund um den Zugersee, an den Hängen des Zugerbergs. Zug Tourismus empfiehlt «Chriesiwanderungen», das «Chriesitelefon» 041 511 75 00 informiert, wann die Bäume wo in voller Blüte stehen.
Zürich: Patumbah-Park, Platzspitz, Bertastrasse, Idaplatz, Gasometerstrasse, Rotbuchstrasse, Belvoirpark, Erismannhof, Eichbühlstrasse, Rigiblick Aussichtspunkt, Seestrasse, Wuhrstrasse, Zurlindenstrasse. Zürich Tourismus informiert über den aktuellen Blütenstand an den Hotspots.