Vorwort

Von Beat Gugger und Bruno Meier 

Die Schweiz hatte nie einen König oder eine Königin. Es sei denn, man zählt Rudolf von Habsburg mit, der wahrscheinlich im heutigen Aargau geboren und 1273 zum König des Heiligen Römischen Reichs gewählt wurde. Und in der Schweizer Geschichte ist der Adel, aus dem sich Königshäuser bekanntlich rekrutieren, meist negativ besetzt gewesen. Die Raison d’être der alten Eidgenossenschaft war betont adelsfeindlich, auch wenn sich das regierende Patriziat oftmals sehr adelig gebärdete.

Doch wir denken: Gerade weil die Schweiz keine royale Tradition hat, übte das Königliche immer eine spezielle Faszination aus. Die Menschenansammlungen, Anteilnahmen und medialen Hypes bei königlichen Besuchen belegen, dass sich die Schweizer Bevölkerung immer sehr empfänglich zeigte für das Royale. Speziell im 19. und im 20. Jahrhundert schafft es der aufblühende Tourismus in den Alpen, die Königshäuser Europas anzulocken.

Mehr noch: Das «Majestätische der Berge» verbindet sich mit dem Königlichen der Besucherinnen und Besucher, wie es unlängst Jon Mathieu in seinem gleichnamigen Buch formuliert hat. Dabei gibt es nicht nur die erhabenen Geschichten, sondern auch solche, die gemeinhin unter der Rubrik Unglücksfälle und Verbrechen geführt werden.

Zusammen mit dem Historiker und Schriftsteller Michael van Orsouw haben wir 13 dieser royalen Geschichten aus der Schweiz ausgewählt: bekannte, wie die Ermordung Elisabeths «Sisi» von Österreich in Genf oder der Besuch der englischen Königin Victoria in Luzern, weniger bekannte wie die des Revolutionsflüchtlings Louis-Philippe aus Frankreich oder des abgesetzten schwedischen Königs Gustav IV. Adolf. 

Michael van Orsouw gelingt es, nicht nur die Geschichte der royalen Besuche auf spannende Weise zu erzählen, sondern er spürt auch überraschenden Details nach. Er verbindet so Anekdoten mit der europäischen Geschichte der Königshäuser und schafft gar den Sprung

nach Afrika. Vor mehr als zehn Jahren haben wir uns erstmals über die Idee ausgetauscht, zuerst als mögliche Ausstellung, jetzt ist ein Buch daraus entstanden. Wir wünschen trotz demokratischer Tradition ein wahrhaft königliches Lesevergnügen!