Bestand sämtlicher Telefonbücher im PTT-Archiv © public domain

Adieu Telefonbuch

Nach 142 Jahren ist Schluss mit dem gedruckten Telefonbuch. Telefonnummern gibt es ab 2023 nur noch online.

Am 6. November 1880 erschien in Zürich das erste öffentliche Telefonverzeichnis der Schweiz. Es beinhaltete gerade einmal 98 Einträge. Damals waren Telefonanrufe nur tagsüber möglich. Bereits 1959 wurde die Millionengrenze überschritten. Auf dem Höhepunkt verzeichneten die Weissen Seiten im Telefonbuch in den 1990er Jahren 4.2 Millionen Nummern. Die Kehrtwende setzte 1997 ein, als die Veröffentlichungspflicht für Telefonnummern aufgehoben wurde.

Telefonkabine am Waisenhausplatz in Bern um 1985
Das waren noch Zeiten…Telefonkabine am Waisenhausplatz in Bern, bestückt mit Telefonbüchern, 1985 © ETH Bildarchiv/ Comet Photo AG

Seither hat sich der Umgang mit privaten Daten stark verändert. Immer weniger Personen in der Schweiz veröffentlichen ihre private Telefonnummer. Auch aufgrund lästiger Werbeanrufe wünschten immer weniger Leute, dass ihre Nummer in einem öffentlichen Verzeichnis aufgeführt wird. Weiter ging die Zahl der Festnetzanschlüsse bei Privatpersonen markant zurück. Noch im Jahr 2000 waren es etwa drei Millionen mehr als heute. Festnetzanschlüsse werden im Unterschied zu Mobilanschlüssen automatisch ins Telefonverzeichnis aufgenommen. Für Mobilnummern braucht es dazu einen Antrag.

Aus nach 142 Jahren

All dies hat dazu geführt, dass Umfang, Nutzung und Bedeutung der sogenannten «Weissen Seiten» nach und nach abgenommen haben. Die Swisscom-Tochter localsearch reagiert nun auf den ständigen Schwund bei den Weissen Seiten und stellt den Druck des Schweizer Telefonbuchs in seiner bisherigen Form nach 142 Jahren per Ende 2022 ein. Private Telefonnummern werden ab 2023 nur noch online veröffentlicht.

Personen, die keinen Internetzugang haben oder sich mit dem Internet schwertun, erhalten Telefonnummern auf Wunsch über alternative Wege, schreibt localsearch (Swisscom Directories AG) in seiner Medienmitteilung. Sie könnten sich das Telefonverzeichnis für eine spezifische Gemeinde von Familienangehörigen, Nachbarn oder Bekannten kostenlos als PDF herunterladen und ausdrucken lassen. Wer den Umgang mit dem Internet und die Suche nach Telefonnummern in Onlineverzeichnissen erlernen möchte, der könne an einem Einsteigerkurs für Smartphone und Tablet der Swisscom Academy teilnehmen. Die etablierten Auskunftsdienste stehen weiterhin zur Verfügung.

Localcities Guides statt Gelbe Seiten

Anders als bei den Weissen sieht es bei den Gelben Seiten aus, die weiterhin eine hohe Relevanz für Firmen und Konsument:innen hat. Diese werden neu in Form von Localcities Guides erscheinen. Dabei handelt es sich um ein Branchen-, Vereins- und Gemeindeverzeichnis für die Region. Die Publikation enthält neben Firmenadressen und Vereinsinformationen auch Wissenswertes über die Gemeinden, ein Nummernverzeichnis der Bundesverwaltung, Schulferienkalender und ähnliches.


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Beitrag vom 18.09.2022

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