Die Augen tränen, die Nase kitzelt, die Ohren jucken – Pollen sind wieder unterwegs. Immer mehr Leute reagieren allergisch auf sie.
Text: Monica Müller
Schuldig!
Von den 3500 Pflanzen in der Schweiz lösen etwa 20 Arten allergische Reaktionen aus. Am häufigsten sind Gräserpollen dafür verantwortlich, insgesamt reagieren rund 14 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz allergisch auf sie. Bei den Birkenpollen, die den zweiten Platz belegen, sind es rund 8 Prozent. Weitere Pollen, die Heuschnupfen auslösen können, sind etwa Hasel, Erle, Esche, Hagebuche, Eiche, Beifuss und Traubenkraut (Ambrosia).
Volkskrankheit
Etwa 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden heute an einer Pollenallergie. Vor 100 Jahren waren diese Allergien in der Schweiz praktisch unbekannt. Anfang des 20. Jahrhunderts war kaum ein Prozent der Bevölkerung betroffen.
Gewitter
Vor einem Gewitter lässt die hohe Luftfeuchtigkeit die Pollen platzen. Die winzigen allergenen Partikel dringen dann tiefer in die Atemwege ein als ganze Pollenkörner und lösen stärkere Symptome aus.
Winzlinge
Der Pollen, auch Blütenstaub genannt, wird in den Staubblättern von Pflanzenblüten gebildet. Er besteht aus Pollenkörnern, die mit 0,01 bis 0,1 Millimetern Durchmesser winzig klein sind. Birkenpollen beispielsweise messen nur wenige Hundertstel Millimeter, darum gelangen sie sehr tief in unsere Atemwege.
Bessere Kreise
Anfang des 19. Jahrhunderts galten Allergien als Krankheit der Oberschicht. Weil Menschen in der Stadt häufiger Heuschnupfen hatten als jene auf dem Land, nahm man an, dass Bildung und Reichtum eine Pollenallergie begünstigten.
Klimawandel
Die Saison von Hasel, Birke und Esche beginnt zwei bis drei Wochen früher als noch vor 30 Jahren. Grund dafür ist der Klimawandel. Höhere Temperaturen verlängern die Pollensaison und begünstigen, dass neue Pflanzen einwandern, deren Pollen ebenfalls Heuschnupfen auslösen können.
Pflanzensex
Pollenkörner, welche die männlichen Geschlechtszellen enthalten, werden vom Wind verweht. Landen sie irgendwo auf einer Blüte der gleichen Pflanzenart, können sie diese befruchten. Da die Wahrscheinlichkeit dafür sehr klein ist, produzieren die Pflanzen Unmengen von Pollen. So streut eine einzige Kiefer 4,5 Milliarden Pollenkörner in den Wind.
Umweltverschmutzung
Luftschadstoffe wie Feinstaub, Ozon oder Stickstoffdioxid sind mit einem erhöhten Risiko für Pollenallergie verknüpft. Die Atemwege werden durchlässiger, wenn sie aufgrund der Luftschadstoffe entzündet sind. Luftschadstoffe verändern auch die Barrieren von Haut und Schleimhaut. Sind unsere Schutzschilder löchriger, reagiert unser Immunsystem empfindlicher.
Dr. John Bostock
Der englische Arzt John Bostock beschrieb «hay fever» 1819 erstmals klinisch. Anfänglich dachte man, der Duft von Heu löse den Schnupfen aus, deshalb sprach man von «Heufieber». Im Deutschen etablierte sich aufgrund der Symptome bald der Begriff Heuschnupfen.