Falscher Blütenzauber

Durch Zufall stiess die Polizei auf Rolf Angsts Werkstatt, in der sich Millionen Dollar Falschgeld stapelten. Sie machte seine Hoffnung auf einen Lebensabend in Wohlstand zunichte. Für Geld hatte er nie ein glückliches Händchen.

Text: Maximilian Jacobi, Fotos: Nik Hunger

Geldfälscher Rolf Angst
© Nik Hunger

Rolf Angst steigt über die Pfütze hinweg. Die zwei Cent, die darin liegen, ignoriert der 73-Jährige. Regen platscht in die Pfütze und auf seine Glatze, während Angst die Haustür auf dem Hinterhof im thurgauischen Aadorf aufschliesst. Vielleicht hat er die Münze in der Lache nicht gesehen. Und selbst wenn: Was kümmern zwei Cent einen Mann, der vor drei Jahren noch mit Millionen Dollar hantierte? Bis am 16. November 2022 gegen zehn Uhr, als drei Zürcher Kantonspolizisten in seine damalige Werkstatt in Urdorf ZH platzten. «Ich dachte nur: Das wars», sagt er. «Angst ist vollumfänglich geständig», steht im Polizeibericht.

Rolf Angsts Dossier bei der Bundespolizei trägt den Operationsnamen «Grant». Benannt nach Ulysses S. Grant, dem 18. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Sein Gesicht ziert die 50-Dollar-Note. Und es zierte die Millionen Dollar Falschgeld, die sich am 16. November in Rolf Angsts Werkstatt stapelten. Wie er dabei genau vorging, versuchten die Ermittelnden in zahlreichen Verhören zu rekonstruieren. Es klingt fast anerkennend, was der Staats­anwalt später vor Bundesgericht über den Fall sagte: «Die Professionalität sucht in der ­Schweizer Kriminalgeschichte ihresgleichen.»

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