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Schermaus-Alarm

Die Beete unseres Gartenautors wird von einem Besucher kräftig umgepflügt. Das führte zu allerlei Missverständnissen – und zu einem Zerwürfnis mit seiner Katze.

Vor kurzem ist ein Maulwurf in meinen Schattengarten eingezogen. Seither stehen die Funkien tief in aufgewühlter Erde und der kriechende Günsel darbt im Untergrund. Das alles ist nicht weiter schlimm, obwohl das Beet, das der Wühler kreuz und quer durchpflügt, nun aussieht wie mein Pickelgesicht in der schlimmsten Jugend. Mittlerweile hat sich sogar mein Groll auf meine Katze wieder gelegt, denn anfangs hatte ich sie im bösen Verdacht, dass sie Schuld an der Unordnung trägt – weil sie mir eine Schermaus vors Haus getragen hat. Denn auch diese setzt grosse Haufen in den Garten, ist aber im Gegensatz zu Maulwürfen eine überzeugte Vegetarierin und hat es entsprechend auf Pflanzenwurzeln abgesehen, was den Garten leicht zur Ödnis macht. Also Alarmstufe Rot!

Solche Sorgen sind meiner Kätzin aber einerlei, denn Wilde Hilde futiert sich um alle Regeln der Vernunft. Was der Kleinen im Grunde nicht vorzuwerfen ist, denn sie hat einen gehörigen Dachschaden. Dazu zählt, dass sie auch die wichtigste Lebensaufgabe anständiger Hauskatzen missversteht. Sie fängt zwar auf den umliegenden Wiesen redlich Mäuse und trägt diese nach Hause. Danach aber lässt sie ihre Beute bei bester Gesundheit wieder laufen – was aus Sicht der Barmherzigkeit vorbildhaft ist, mir, der Wohnung und meinem Garten aber allerlei Unannehmlichkeiten beschert. Nun also auch noch eine Schermaus.

Krach mit der Wilden Hilde

Folglich schimpfte ich Wilde Hilde zünftig aus, als ich die ersten Verwerfungen im Schattenbeet entdeckt hatte und drohte ihr sogar, sie gegen eine anständige Katze einzutauschen: gegen eine, die das ABC des Katzenlebens bis «Z» lesen kann und nicht nur bis «L» wie laufenlassen, so wie sie. Worauf die Ungestüme das machte, was sie in solchen Situationen immer tut: Sie begann laut zu schnurren, als hätte ich ihr lebenslange Liebe geschworen. Das versöhnt uns jedes Mal aufs Neue und lässt mich denken: Jä nu.

Maulwurfshügel im Garten
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Die Mühlmaus wollte ich aber trotzdem nicht hinnehmen. Also setzte ich mich vor den Computer und begann zu recherchieren. Schon der erste Klick führte mich auf die dunkelste Seite des Internets. Dort werden detailgenau grauslige Methoden beschrieben, wie man den Plagegeistern an den Kragen gehen kann. Wie es scheint, hat der Nager keinen einzigen Fan, dafür aber Millionen von Hassern. In einschlägigen Foren klagen Betroffene über grosse Schäden, welche die Winzlinge bewirken. Offenbar schmatzen sie alles weg, was im Erdreich wächst: Knollen und Wurzeln.  Ich war mir sicher: Meine Tulpenzwiebeln, die ich eigens aus England importieren liess, kann ich vergessen. Der Groll auf Hilde erwachte neuerlich.

The «Good Ones» des Untergrunds

Dann aber der Lichtblick: Wie man auf weniger schlimmen Seiten nachlesen kann, ist die Wühlmaus mit etwas Glück ein Maulwurf, was Mord und Totschlag erübrigt. Denn Maulwürfe, so die gängige Überzeugung aller Naturfreundinnen und -freunden, sind «The Good Ones». Die Tunnelbohrer schaden dem Garten kein bisschen, im Gegenteil. Sie belüften die Erde mit ihrem Höhlensystem und fressen sogar die Maden böser Käfer. Sie sind also im Hobbygarten höchst willkommen, wenn man sich denn nicht an ihren Haufen stört.

In den Ausführungen, die Maulwurf und Wühlmaus unterscheiden, wird man allenthalben dazu ermahnt, die Hügelchen genauer zu erforschen, bevor man zu Gift und Fallen greift. Denn Wühlmäuse setzten neben dem Haufen ein Loch in die Erde und durchsetzen diesen mit allerlei Blattresten, was wohl aussieht wie geschredderter Salat. Also wackelte ich vom Computer zum Garten, um genauer hinzuschauen, wie das Wesen im Schattengarten wirkt. Kein Loch, keine Speiseresten. Glück gehabt: Es ist ein Maulwurf.

Roland Grüter, Gartenkolumnist der Zeitlupe

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Der Gartenpöstler

Roland Grüter (60) ist leidenschaftlicher Hobbygärtner und folgt strikt den Regeln des Bio-Gärtnerns. Er schreibt an dieser Stelle regelmässig über seinen Spass und seine Spleens im grünen Bereich.

Seither betrachte ich das Werk des Erdbewohners mit Gelassenheit. Jeden Tag wirft er die Erde an anderer Stelle auf – und ich drücke die Berglein manchmal vorsichtig etwas flach, um die Pflanzen, die darin versinken, aus ihrem Elend zu befreien. Ich habe gelesen, dass die Hügel die unterirdischen Gänge der Maulwürfe belüften. Denn offenbar haben die Tiere einen extrem hohen Stoffwechsel und eine extrem gute Verdauung, was die Röhren mit reichlich Kohlendioxid füllt. Um daran nicht zu ersticken, bauen sie Belüftungshaufen, durch die die Gase entweichen können. Kurzum: Maulwürfe sind regelrechte Stinker. Sowas würde sogar meine Wilde Hilde nicht ins Maul nehmen. Oder vielleicht doch?


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