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Revolution kennt kein Alter

Die Westschweizer Komödie «La Preuve scientifique de l’existence de dieu – Edelweiss Revolution» lässt eine Gruppe Alt-68er erneut aufmüpfen.

Einst waren sie aktiv in der politischen Szene, haben sich gegen das Establishment aufgelehnt und gingen auf die Strasse. Sie verweigerten den Militärdienst und wanderten dafür mit vor Stolz geschwellter Brust hinter Gitter.

Das ist ein halbes Jahrhundert her. Doch das revolutionäre Feuer ist noch nicht ganz erloschen, es mottet noch ein bisschen. Als der Enkel von Alain Simonin durch ein Missgeschick in der Rekrutenschule von einer Querschlägerkugel tödlich getroffen wird, entzündet die Ohnmacht gegenüber der Situation Wut.

Besonders Michel Sermet tut sich schwer mit der Tatsache, dass die Schweiz Waffen in Kriegsgebiete exportiert. Ausgerechnet die Schweiz, Gründungsnation des internationalen Roten Kreuzes. Michel möchte mit einer drastischen Aktion einen Ruck durch die selbstzufriedene Schweiz jagen. Dabei schreckt er nicht davor zurück, auf ihm missliebige Personen aus einem Kirchenturm zu schiessen – nur ist seine Hand auch schon ruhiger gewesen.

Malender Schauspieler

Auf der Suche nach einem weniger dramatischen, aber dennoch publikumswirksamen Weg, um auf die schizophrene Situation in der Schweiz hinzuweisen, besucht das Grüppchen die Welschschweizer Schauspiellegende Jean-Luc Bideau. Dieser lebt zurückgezogen in den Bergen, wo er die Landschaft um sich herum malt. Die Exkursion hält nicht, was sie ursprünglich versprochen hat, und so sind die grauen Revoluzzer wiederum auf sich gestellt. Aber sie finden ihren Weg nach Bern.

Die Geschichte der «Edelweiss Revolution» basiert auf wahren Begebenheiten, die Regisseur Frédéric Baillif mit einem engagierten Team von Laiendarstellern inszeniert hat. Sie werden aber auch von Profis wie Irène Jacob und Jean-Luc Bideau unterstützt. Das Dokudram läuft immer wieder Gefahr, zum Komödchen zu werden. Doch Michels absurde Aktionen und sonstigen Ausraster verleihen den Alt-Revoluzzerinnen und -Revoluzzern etwas Pfeffer. Die «Edelweiss Revolution» ist ein spassiger Hinweis, darauf, dass man auch im Alter keineswegs den Lauf der Dinge einfach so hinnehmen muss, sondern noch einiges bewegen kann.

Filmplakat Edelweiss Revolution

 

«La Preuve scientifique de l’existence de dieu – Edelweiss Revolution»
von Frédéric Baillif, mit Irène Jacob und Jean-Luc Bideau.
Jetzt im Kino.

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