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Das Masken-Hinundher 13. Juli 2020

Zeitlupe-Redaktorin Usch Vollenwyder ist 69 Jahre alt. Als Angehörige der Risikogruppe erzählt sie jede Woche aus ihrem Alltag im bernischen Gürbetal. Heute: von der Maskenkür zur Maskenpflicht.

Seit Wochen trage ich es in meiner Handtasche mit mir herum: das kleine Blaue, eingepackt in ein durchsichtiges Säcklein. Ich klaubte es hervor und setzte es auf – immer dann, wenn ich im öffentlichen Verkehr kein Abteil für mich allein hatte oder der empfohlene Abstand nicht gewährleistet war: im Zug, im Tram, im Bus. Zusammen mit ein paar anderen Unentwegten, an denen mitleidige Blicke und spöttische Kommentare ebenfalls abprallten. Einmal ausgestiegen, steckte ich es jeweils wieder zurück in die Plastiktüte und in die Tasche. 

Und dann das: Als ich am letzten Dienstag für ein Interview an den Urnersee fahre, ist kein Mensch mehr oben ohne zu sehen – weder in der S-Bahn noch im InterRegio nach Luzern und auch nicht im Tellbus Richtung Flüelen. Männer und Frauen, Junge und Alte, Teenager mit Kopfhörern, Geschäftsleute im Anzug, Wandervögel mit Rucksack: Alle tragen sie eine Maske; die meisten eine gewöhnliche Hygienemaske, andere eine Textilmaske, ein paar schick assortiert zum Outfit, andere in gewöhnlichem Schwarz oder Weiss. 

Ich staune: Monatelang wurde stunden- und seitenlang über die Maske diskutiert, Pro und Kontra ausgelotet, wurden Umfragen gestartet und Anweisungen zum korrekten Tragen gegeben – doch die Schweiz zeigte sich maskenresistent. Zwar befürworteten zwei Drittel der Befragten eine Maskenpflicht im Öffentlichen Verkehr, umgesetzt wurde sie jedoch nur von einer verschwindend kleinen Minderheit. Dann endlich spricht der Bundesrat ein Machtwort, und ab 6. Juli heisst es: Masken auf. Ohne Widerrede, ohne auf zu mucksen, gehorchen die freiheitsliebenden Tellensöhne und -töchter Väterchen Staat. 

Von unserer Arbeitgeberin gibt es für alle Mitarbeitenden eine kleine Überraschung: Mit einem «Spitzbub» aus der Bäckerei, einem Desinfektionsspray und einem Zehnerpack Hygienemasken wünscht sie uns, dass wir den Sommer sicher geniessen und gesund bleiben. Ich freue mich und bin gerührt über dieses Zeichen der Wertschätzung. Gleichzeitig kann ich es einmal mehr kaum fassen, wie sehr sich unsere Welt in so kurzer Zeit und wenigen Monaten verändert hat: Statt ausgelassen und fröhlich geht es mit Maske und Desinfektionsmittel hinein in die grossen Sommerferien …

Usch Vollenwyder

Zeitlupe-Redaktorin