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Das beste Game des Jahres

Das Handy-Spiel «Marvel Snap» ist überraschend gut. So gut, dass man es fast nicht mehr aus den Händen geben will.

Portrait von Marc Bodmer
© Jessica Prinz

Text: Marc Bodmer

Es gibt Games, auf die warten die Fans geduldig während Monaten oder gar Jahren, bis sie endlich veröffentlicht werden, meist mit entsprechendem Marketing-Brimborium. Dann gibt es aber auch Computerspiele, die ohne grosses Aufheben aus der Flut der Veröffentlichungen emporsteigen und einschlagen wie eine Bombe. Zur zweiten Kategorie gehört das Sammelkartenspiel «Marvel Snap», das auf mobilen Plattformen (iOS und Android) sowie PC erschienen ist. Die Überraschung des Jahres und in der Kategorie «Handy-Games» auch das beste Game von 2022.

Ach, ein weiteres Kartenspiel mag man gähnen. Ja, derer gibt es viele und sie ähneln sich wie ein Ei dem anderen. Doch «Snap» hat nicht nur ein Ass im Ärmel, sondern ein ganzes Pack. Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an: Die Comic-Figuren aus dem Marvel Universum. Über 150 Heldinnen und Bösewichte von Spider-Man über Punisher bis hin zu obskureren Gestalten wie Leech oder Lady Sif stehen zur Auswahl. Aus diesem Reigen stellt man sich Decks von 12 Karten zusammen. Nun haben diese komplett unterschiedlichen Fähigkeiten. Manche sammeln trivial Punkte, aber andere vermögen die gegnerischen Karten zu schwächen, vernichten oder sich von einem Spielfeld zum nächsten teleportieren oder die Kräfte der selbst gespielten Figuren flächendeckend zu erhöhen …

Das Spiel ist wesentlich ruhiger als der Vorfilm verheisst.

Zu diesen teils schwer abschätzbaren Folgen kommen drei Spielsektoren hinzu, deren Regeln erst nach den ersten drei Spielzügen – üblicherweise hat man sechs davon – bekannt sind. So kann es sein, dass man auf einem Feld keine Karten setzen kann oder diese gleich vernichtet werden. Wenn Dr. Strange die Finger im Spiel hat, werden Figuren von einem Sektor in den nächsten teleportiert. Wenn Black Panther das Sagen hat, dann werden Brücken und nicht Mauern gebaut usw. Diese Zufallselemente sorgen auch dafür, dass die vielen anderen Kartenspielen üblichen Zermürbungstaktiken nicht fruchten.

Das Spiel verzichtet auch auf stressigen Zugzwang oder Hektik. Um sich das nächste Spielmanöver zu überlegen, hat man 30 Sekunden Zeit. Die kann man je nach Situation auch in Anspruch nehmen, denn bei «Snap» sind ganz viele verschiedene Möglichkeiten jeweils gegeben – und zwar auf beiden Seiten. Deren Konsequenzen abzuschätzen, ist alles andere als einfach. Immer wieder findet man sich gegen Ende der sechs Spielzüge am Punkt, wo man sich siegessicher fühlt, nur um am Schluss zu sehen, dass die Widersacherin eine raffinierte Kombination ausgespielt hat, die die eigene in den Schatten stellt.

Oft erinnert «Snap» an Backgammon, besonders dann, wenn man eben «snapt», sprich den Einsatz des Spiels verdoppelt. Auch die herrliche Mischung aus Strategie und Zufall ist aus dem uralten Brettspiel bekannt. Dazu gesellt sich ein Poker-Element, das des Bluffs. Zögert man länger beim nächsten Spielzug, erweckt man oft beim Gegner das Gefühl, dass man sich seiner Sache nicht sicher ist und kann so den Online-Widersacher zum Snap verleiten.

Die Genialität von «Marvel Snap» ist übrigens alles andere als Zufall. Second Dinner, das Studio dahinter, wurde von Ben Brode, dem früheren Chef des Sammelkarten-Meilensteins «Hearthstone» gegründet und seine Handschrift ist unverkennbar. Einziger Wermutstropfen ist zurzeit, dass nur gegen zugeloste Online-Gegner gespielt werden kann, aber für 2023 sind diverse Neuerungen vorgesehen, darunter auch Freundschaftsspiele.


  • Haben Sie auch schon «Snap» gespielt und hat es Ihnen Spass gemacht?
  • Tipps zu weiteren Games finden Sie hier.
Beitrag vom 12.01.2023

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