© Pia Neuenschwander

Gar nicht zum Gähnen

Betroffen davon sind auch Menschen Ü60, weil sich der Schlaf mit dem Älterwerden verändert. Ein Informationsnachmittag von Pro Senectute Kanton Bern vermittelt Fakten, Strategien und Tipps zu einem Thema, das viele beschäftigt.

Text: Annegret Honegger

Augen zu, einschlafen, durchschlafen und erholt aufwachen? Wenn dies klappt, kann man sich glücklich schätzen. Denn Schwierigkeiten beim Einschlafen, häufiges Erwachen und Müdigkeit tagsüber kennen viele. «Schlafprobleme können im Alter zunehmen», erklärt Jacqueline Läderach. Die diplomierte Pflegefachfrau organisiert und leitet für Pro Senectute Kanton Bern Veranstaltungen zum Thema Schlaf.

Der Andrang sei jeweils gross, ebenso das Leiden der Betroffenen. Auch an diesem Nachmittag in Ittigen möchten zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer wissen, was man tun kann gegen das lästige Wachliegen. Jacqueline Läderach vermittelt dazu Theorie und Tipps, während Physiotherapeutin Nicole Strahm praktische Übungen anleitet.

«Der Schlaf ist ein dynamischer Vorgang mit verschiedenen Phasen», erklärt die Gesundheitsfachfrau gleich zu Beginn. Die erste Nachthälfte ist geprägt vom Tiefschlaf und dient der körperlichen Erholung. In der zweiten Nachthälfte überwiegt der Traumschlaf und damit die seelische und geistige Regeneration. Weil der Anteil des Leichtschlafs mit dem Älterwerden zunimmt, erwacht man öfter und empfindet den Schlaf weniger erholsam. «Häufigeres Aufwachen ist zwar unangenehm, aber normal, wenn man älter wird.»

Nicole Strahm zeigt Übungen zum Wachwerden am Tag und zur Entspannung am Abend, die Teilnehmenden machen auf ihren Stühlen gleich mit. Bewegung zu beschwingter Musik oder eine sanfte Klopftechnik vertreiben die Müdigkeit. Abends signalisieren Gedankenreisen im Kopf, Atemübungen oder ein Einschlafritual der inneren Uhr, dass jetzt Zeit zum Schlafen ist. «Rituale helfen, von der Tagesaktivität auf die Nachtruhe umzustellen», erklärt Nicole Strahm.

Mix aus Theorie und Praxis

Einige Teilnehmende teilen dazu eigene Erfahrungen. Jemand rezitiert in Gedanken Gedichte aus der Jugend, bis sie einschläft. Jemand dankt allabendlich für den erlebten Tag und betet für die ganze Familie. Andere schwören auf warme Honigmilch oder aufs Lesen. «Einschlafrituale sind sehr individuell. Probiert, was zu euch passt, und habt Geduld: Der Körper braucht drei bis vier Wochen, bis ihr eine Veränderung spürt», sagt die Physiotherapeutin.

Die Teilnehmenden schätzen den Mix aus Theorie und Praxis, den ihnen die Kursleiterinnen vermitteln. Nach der Veranstaltung tauschen sie sich beim Zvieri aus und bedienen sich am Info-Tisch. Sie schnuppern an schlaffördernden Ölen und Tees und sammeln Zettel mit Anleitungen für Entspannungstechniken.

Viele Menschen mit Schlafschwierigkeiten hätten die Vorstellung, einfach wieder zu schlafen wie früher, sagt Jacqueline Läderach. In ihren Kursen möchte sie Wissen vermitteln und dadurch unrealistische Erwartungen verhindern: «Und wir wollen zeigen, dass oft schon kleine Massnahmen etwas verändern und verbessern können.»

© Pia Neuenschwander

Veranstaltungen zum Thema Schlafen bei Pro Senectute Kanton Bern

Das Gesundheitsförderungsprogramm «Zwäg ins Alter» bietet kostenlose Vorträge, Veranstaltungen und individuelle Beratungen zu Gesundheitsthemen für ältere Menschen und ihre Angehörigen an. Regelmässig finden Veranstaltungen u.a. zum Thema Schlaf statt. Dabei erhalten die Teilnehmenden neben Hintergrundinformationen auch Tipps zu Entspannungsübungen und natürlichen Heilmitteln. Kontakt: Pro Senectute Kanton Bern, Gesundheitsförderung und Prävention «Zwäg ins Alter», Telefon 031 359 03 03, Mail info@be.prosenectute.ch, be.prosenectute.ch, zwaeginsalter.ch

Angebote in Ihrer Region finden Sie bei Pro Senectute in Ihrem Kanton. Sämtliche Adressen stehen vorne in der Zeitlupe oder auf prosenectute.ch

Beitrag vom 15.11.2021

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