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Wenn das Herz zu gross wird

Mögen Hunde plötzlich nicht mehr herumrennen oder haben Mühe mit der Atmung, kann beides auf eine Herzerkrankung verweisen.

Gerade bei den heissen Temperaturen im Sommer leiden Hunde mit Herzproblemen vermehrt. Die häufigste Herzmuskelerkrankung bei Hunden ist die dilatative Kardiomyopathie. Dabei vergrössert sich der Herzmuskel infolge geschädigter Herzmuskelzellen. Er kann nicht mehr vollständig arbeiten und die Muskelkontraktion ist vermindert.

Dadurch reduziert sich die Pumpleistung des Herzens, und es gelangt zu wenig Blut in den Kreislauf. Als Folge sinkt der Blutdruck. Dieser Blutdruckabfall aktiviert ab einem gewissen Zeitpunkt neurohormonelle Steuerungsmechanismen. Der Körper versucht durch Flüssigkeitsaufnahme in der Niere das Blutvolumen zu erhöhen. Das Herz kann jedoch die erhöhte Blutmenge nicht bewältigen. Das Herz vergrössert sich und der Herzmuskel wird gedehnt und weiter geschädigt.

Man unterscheidet zwei Arten von Herzmuskelerkrankungen. Bei der angeborenen primären Form ist die genaue Ursache unbekannt. Es wird aber ein genetisch bedingter Defekt im Stoffwechsel der Herzmuskelzellen vermutet. Diese Erkrankung kann vererbbar sein. Die sekundäre, erworbene Form kann aufgrund von systemischen Erkrankungen, Medikamenten, Infektionen, Mangelernährung oder Störungen in der Nährstoffaufnahme entstehen.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Betroffen sind vor allem Hunde grosser Rassen. Die dilatative Kardiomyopathie tritt häufig beim Dobermann, Boxer, Neufundländer, Bernhardiner, Irischen Wolfshund, Rottweiler, Schäferhund, bei der Dogge und bei den grossen Mischlingshunden auf. Jedoch können auch kleinere Rassen wie zum Beispiel der Cockerspaniel daran leiden. Die meisten Hunde erkranken im Alter zwischen 5 und 10 Jahren. Bei Dobermann und Boxer tritt eine spezielle Form der dilatativen Kardiomyopathie auf. Bei einigen Rassen wird die Krankheit vererbt.

Was sind die Anzeichen einer Herzerkrankung?

Vierbeiner mit Herzproblemen werden häufig wegen Husten, einer Leistungsschwäche oder Atembeschwerden in der Tierarztpraxis vorgestellt. Folgende Symptome (nicht abschliessend) können ein Hinweis auf eine Herzerkrankung sein:
❱ Husten
❱ Verminderte Belastbarkeit
❱ Nachlassende Spielfreude
❱ Schnelle Atmung
❱ Atemnot
❱ Ohnmacht
❱ Blaue Schleimhäute
❱ Praller Bauch
❱ Erhöhte Herzfrequenz
❱ Herzrhythmusstörungen

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Eine klinische Untersuchung beim Tierarzt oder der Tierärztin, die Kontrolle der Herztöne und der Lunge sind die ersten Schritte. Herzrhythmusstörungen oder Herzgeräusche sind nicht immer vorhanden. Bei einem Verdacht auf eine Herzerkrankung können weitere Untersuchungen wie zum Beispiel ein Röntgen, Bluttests, EKG und ein Ultraschall durchgeführt werden. Die definitive Diagnose kann jedoch nur mittels Herzultraschall durch einen Spezialisten erfolgen.

Welche Therapien gibt es?

Die Krankheit ist leider nicht heilbar. Jedoch können Medikamente das Fortschreiten zumindest verlangsamen. Eine frühzeitige Diagnose mit der entsprechenden Therapie verlängert das Leben und verbessert auch die Lebensqualität unserer Lieblinge.

Beitrag vom 07.09.2020
Mirjam Kündig

ist Tierärztin in Küsnacht. Telefon 044 912 04 04, www.tierarztpraxiskuesnacht.ch.
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